Zuwachs für Schwedens No-Go-Zonen: Stadtteile mit sozialen Problemen werden mehr

Zuwachs für Schwedens No-Go-Zonen: Stadtteile mit sozialen Problemen werden mehr
Brenndende Autos nach Ausschreitungen im Problembezirk Rinkeby, Stockholm, Schweden, 23. Mai 2013.
Einem neuen Bericht der schwedischen Polizei zufolge ist die Zahl der No-Go-Zonen im Land weiter angewachsen. Die Gegenden zeichnen sich durch Armut, hohe Kriminalität und Selbstjustiz aus. Die Polizei bräuchte mehr Mittel, um dem Problem Herr zu werden.

Als "besonders empfindliche Gegenden" bezeichnet die Politik in Schweden die so genannten No-Go-Zonen, in denen es für die schwedische Polizei und die Feuerwehr schwierig ist, ihren Job zu machen. Im Jahr 2015 veröffentlichte die schwedische Polizei eine Studie, die insgesamt 53 Bezirke den "empfindlichen Gegenden" zurechnet. Etwa 15 darunter gelten als "besonders empfindlich". Jetzt kamen 23 neue Bezirke hinzu. Die betreffenden Nachbarschaften liegen in den größeren Städten Boras, Göteborg, Landskrona, Malmö, Uppsala und Stockholm. 

Polizisten nach dem Angriff von Notre Dame, Paris, Frankreich, 6. Juni 2017.

Die Kriminalitätsrate ist hier besonders hoch und viele Einwohner leben von staatlichen Zuwendungen. Die Anwohner der Stadtteile haben nur geringes oder kein Vertrauen in die Autorität des Staates, kriminelle Delikte werden nicht angezeigt, sondern in der Nachbarschaft gelöst.

Die schwedische Regierung will den so genannten No-Go-Zonen entgegenwirken und hat sogar ein eigenes Amt ins Leben gerufen, welches sich nur mit dem Problem der Gettobildung beschäftigen soll.

Stefan Sintéus, Polizeichef in der Stadt Malmö, erklärt dazu in einem Gespräch mit den schwedischen "Dagensnyheter" (Tagesnachrichten): 

Wir wissen, wie wir arbeiten müssen, wenn es um Probleme in diesen Gegenden geht, in unseren bisher zwei speziell empfindlichen Gegenden, und das ist nicht das Problem. Aber, um dies auf die richtige Art anzugehen, bräuchten wir zumindest weitere hundert Mitarbeiter. 

Flüchtlinge an der Zentralstation in Rostock auf dem Weg nach Schweden; 4. November 2015.

Der Begriff No-Go-Zonen tauchte in Schweden zum ersten Mal im Jahr 2015 auf, als ihn ein schwedischer Journalist benutzte. Die Polizei aber lehnt diese Bezeichnung nach wie vor ab. Nach einer Aussage des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, "Look what happened last night in Sweden", ernteten die Probleme in der schwedischen Gesellschaft internationale Aufmerksamkeit. Besonders bekannt wurden in diesem Zusammenhang Rinkeby, ein Vorort von Stockholm und Rosengård in Malmö.

Die schwedische Polizei und Wissenschaftler, die sich mit der wachsenden Kriminalität beschäftigten, diskutieren derzeit intensiv, wie dem Problem der Jugendbanden am besten zu begegnen sei. Ein Vorschlag war es, nicht in die Bandenkriege zu intervenieren, denn die Veränderungen der kriminellen Strukturen könnten zu mehr Gewalt führen, die auch die Bevölkerung in Gefahr brächte.  

Göteborg und Boras wurden auch als Orte des Exports von extremistischen Kämpfern bekannt, die sich dort radikalisierten und sich dem Islamischen Staat in Syrien und dem Irak anschlossen.  

Nach dem Anschlag vom April in Stockholm erklärte der schwedische Premierminister Stevan Löfven die Masseneinwanderung nach Schweden für beendet. Der Attentäter war ein abgelehnter Asylbewerber, der sich trotz eines Abschiebebescheids mit falschen Identitäten weiterhin in Schweden aufhielt. 

ForumVostok
MAKS 2017