Von Lissabon nach Wladiwostok: Die erste große Etappe

Von Lissabon nach Wladiwostok: Die erste große Etappe
Kleines Quiz: Unsere Weltreisenden rasten an einem Europäischen Gewässer in: (A) Spanien, (B) Italien, (C) Slowenien, (D) Ungarn, oder (E) Rumänien? Aufgelöst wird in der Kommentarspalte.
Ein deutsch-russisches Paar wagt sich auf eine Erkundungsreise durch Eurasien. In vier Monaten wollen Jana und Dima von Lissabon bis nach Wladiwostok reisen und sich dabei in Völkerverständigung üben. Dieses Mal berichten die beiden über ihren Schnelldurchlauf durch Spanien, Italien, Slowenien, Ungarn und Rumänien.

Aufgrund der Ungewissheit, was nach Georgien kommen mag, sind wir relativ schnell in Europa unterwegs. Es werden Kilometer geschrubbt, was das Zeug hält, und wir machen nur Stopp für eine kurze Übernachtung und ein schnelles Sightseeing. Das Straßennetz zeigt bisher noch keinerlei Abenteuercharakter, und Kolya ist ganz gelangweilt von dem Asphalt.

Am westlichsten Punkt Europas angekommen, geht endlich der offizielle Teil der Reise los. Von Lissabon nach Wladiwostok

Erster Schnellstopp ist Salamanca in Spanien. Wir wollten uns unbedingt eine der ältesten Universitätsstädte Europas anschauen. Sie gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den schönsten Städten Spaniens. Die Fassaden der alten Gebäude sind aus goldfarbenem Sandstein, und man kann hervorragend in den kleinen Gassen schlendern. Außerdem nisten in Salamanca tausende Störche, das wollten wir uns nicht entgehen lassen. Die Giebel und Türme sind dafür optimal, und die anliegende Flusslandschaft bietet reichlich Nahrung. Wir haben nur ein paar Stunden, also machen wir eine schnelle Rundtour, bevor es weiter geht.

Nach zwei Tagen fast ausschließlichen Fahrens und 1800 Kilometern erreichen wir Verona in Italien. Eine kleine Stadt, die viel zu eng für den Besucheransturm zu sein scheint, der ihr widerfährt. Im gesamten Zentrum drängeln sich Schulklassen, die wahrscheinlich gerade Shakespeare auf dem Lehrplan haben. Welches Mädchen wollte nicht schon immer mal auf Julias Balkon stehen? Leider bleibt für Jana dieser Traum unerfüllt, so voll ist es vor dem winzigen Mauervorsprung. Stattdessen stärken wir uns mit einer Portion Pasta, bevor wir weiter nach Slowenien fahren.  

"Außer Veronas Mauern gibt es keine Welt", legt Shakespeare Romeos Julia in den Mund.

Die Hauptstadt Sloweniens Ljubljana ist 2016 zur grünsten Stadt Europas gewählt worden. Recycling, erneuerbare Energien und kostenlose Elektro-Taxis sind nur ein paar Gründe dafür. Wir treffen auf eine kleine Stadt, die zum Verweilen einlädt, und tauchen auf einer kleinen Tour in ihre Geschichte ein. In Bled, einem Luftkurort mit traumhafter Kulisse und nur eine Stunde nördlich von Ljubljana, schnuppern wir endlich mal ein bisschen Landluft. Die julischen Alpen und ein kristallklarer See sorgen für ein Postkartenpanorama.

Die Drachenbrücke (Zmajski most) mit den berühmten Drachenfiguren ist Ljubljanas bekanntestes Stadtsymbol.

Über Ungarn fahren wir nach Rumänien. Zum ersten Mal werden unsere Pässe bei der Überfahrt kontrolliert.

Das grenzenlose Europa ist doch nicht ganz so grenzenlos, wie gedacht.

Die beiden Abenteurer Dima und Jana sind ganz aufgeregt. Gleich startet ihre Reise von Berlin über Lissabon nach Wladiwostok.

Das sogenannte Land der Vampire ist bis dato unsere größte Überraschung und was folgt, ist eine Liebeserklärung. Gruselige, dunkle Wälder, grimmig drein schauende Menschen, Fledermäuse und heulende Wölfe? Im Leben nicht. Stattdessen: grüne Berge, klare Seen und blauer Himmel so weit das Auge reicht. Kaum haben wir das Auto auf unserem ersten Campingplatz geparkt, wird uns schon der erste Palinka (Pflaumenschnaps) serviert, und vier Stunden später ist die Flasche so gut wie leer.

Gespräche mit dem Eigentümer über Europa, Politik und menschliche Vorurteile hallen durch die Nacht. Wir sind uns einig, dass Letztere sowohl durch Unwissenheit als auch unbegründete Ängste entstehen. Wir sind uns sicher, dass wenn die Menschen mehr reisten, diese sich von selbst auflösen würden. Es fällt uns schwer, am nächsten Tag weiterzuziehen. Unsere Tour durch Transsilvanien soll dennoch beginnen: Durch winzige Dörfer führt der weite Weg. Oft bestehen sie nur aus wenigen Holzhäusern und einer kleinen Kirche. Auf den Straßen bewegen sich Pferdewägen und Autos in Einklang und müssen gleichermaßen auf Kühe am Wegesrand achtgeben.

Idyllisches Transsilvanien

In Bran angekommen darf das angebliche Draculaschloss natürlich nicht fehlen. Früh am Morgen machen wir uns auf, um vor allen anderen das Schloss zu betreten. Dennoch sind drei Schulklassen schon vor uns da. So langsam fragen wir uns, ob Schüler auch irgendwann mal die Schulbank drücken. Viel zu voll ist es und wenig spektakulär. Dracula hat hier selbst nur wenige Nächte verbracht. Lediglich das Aussehen des Schlosses war Inspiration für Bram Stokers Roman „Dracula“. Der eigentliche Vlad Draculea war einst Fürst der Walachei (ja, die gibt es wirklich) und bekannt für seine Grausamkeit, wie zum Beispiel das Pfählen von Menschen.

Vlad III. Drăculea ein rumänischer Fürst hat die Romanfigur des berühmten Vampir Grafen Dracula inspiriert.

Geschichte pur erwartet uns in den ehemals deutschen Städten Brasov und Sibiu. Es soll wohl keine weiteren Städte in Deutschland selbst mehr geben, die so alt und dennoch so gut erhalten sind.

Die Stadt Brașov zu deutsch Kronstadt, ungarisch Brassó, historisch auch Stephanopolis blickt auf eine bewegende Geschichte und zahlreiche Namensänderungen zurück von 1950 bis 1960 hieß sie Orașul Stalin („Stalin-Stadt“). Brașov liegt in Siebenbürgen.
Brașov Impressionen

Außerdem wollten wir unbedingt an einem Bear Watching teilnehmen, denn über 6000 Bären leben in den rumänischen Wäldern. Bear Watching bedeutet, sich mit Herzklopfen in ein Versteck zu kauern und Bären beim Picknick zuzuschauen. Leider hatte der Anbieter keine Plätze mehr frei und allein wussten wir nicht, wo wir uns verstecken sollten. Also fahren wir in ein Bärenreservat in der Nähe von Brasov, Libearty.

Cristina Lapis, wir ziehen unseren Hut vor Ihnen: 1998 fand diese Frau drei Bären, die Kunden in ein Restaurant locken sollten, in einem winzigen Käfig vor. Jeden Tag kam sie an den Käfig, fütterte die Bären und gab ihnen Wasser. Gleichzeitig startete sie das Projekt Libearty. Sieben Jahre später hat sie es tatsächlich geschafft und das heutige Reservat eröffnet. Eine riesige Fläche mit Tümpeln, Wald und Wiese, ganz wie in freier Natur. Cristina konnte bereits über 70 Bären retten und schaffte es, ein gesetzliches Verbot für Käfighaltung von Bären in Rumänien durchzusetzen. 

Gemütlich spazierende Bären im Reservat.

Ach ja, und dann war da noch Bukarest. Leider total verregnet, aber ein kurzer Stopp musste sein. Wie immer schließen wir uns einer Free Walking Tour an – die beste und informativste Art, eine Stadt kennen zu lernen, wie wir finden. Die Guides kennen sich gut aus und haben immer ein paar lustige Geschichten auf Lager. Wusstet ihr, dass Michael Jackson mit einem Konzert 1990 in Bukarest war und vom Balkon des Präsidentenpalastes, dem zweitgrößten Gebäude der Welt (nach dem Pentagon), „Hallo Budapest“ in die Menge gerufen hat? Diese Verwechslung scheint öfter zu passieren. So haben 400 Fans von Athletic Bilbao 2012 das Europa League Finale verpasst, weil sie mit einem Charterflugzeug nach Budapest anstatt Bukarest geflogen sind. Ob der leere Fanblock der Grund für die 3:0 Niederlage gegen Atlético Madrid war?

Der Parlamentspalast in Bukarest ist eines der flächenmäßig größten Gebäude der Welt. Das Gebäude wurde von 1983 bis 1989 nach den Vorstellungen des diktatorisch regierenden rumänischen Staatspräsidenten Nicolae Ceaușescu als „Haus des Volkes“ errichtet. Es dient nun als Sitz von Parlament und Senat

Rumänien, wir kommen wieder. Danke für Deine Vielseitigkeit, Deine Gastfreundschaft, das gute Essen, die köstlichen Covrigi (Kringel) mit Kirschfüllung, Deine atemberaubende Landschaft und die noch teils unberührte Natur.

 Auf in die nächste Runde!

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln. Diese Abenteuerreise kann man sowohl auf RT Deutsch als auch direkt auf dem Blog von Jana und Dima, lisbon2vladivostok.eu, verfolgen.

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