Medienkrieg: Sperrungen von Webseiten in Ägypten und den Golfstaaten

Medienkrieg: Sperrungen von Webseiten in Ägypten und den Golfstaaten
Mehrere arabische Länder haben in der vergangenen Woche den arabischen Nachrichtenkanal Al Jazeera im Netz blockiert. In Ägypten wurden auch weitere Seiten gesperrt. Zwischen einzelnen arabischen Ländern und ihren Medien entwickelt sich ein regelrechter Krieg.

Die Regierung in Kairo hat den Zugang zu 21 Webseiten im Land blockiert. Betroffen sind bekannte Internetauftritte, darunter auch die des arabischen Nachrichtenkanals Al Jazeera. Die Seiten der arabischen Version der Huffington Post und die in der Hauptstadt ansässige unabhängige Seite Mada Masr sind ebenfalls betroffen. Auch die Internetpräsenz der im Land verbotenen Muslimbrüder wurde gesperrt.

Saudi-Arabien unter König Salman ibn Abd al-Aziz und Israel unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kommen sich näher - die USA begrüßen den Annäherungskurs.

Diese massiven Eingriffe werden mit dem Kampf gegen Terrorismus und Extremismus begründet, meldet die Nachrichtenseite Al-Masry al-Youm am Donnerstag, und bezieht sich auf  nicht näher genannte Sicherheitsquellen. Diese hätten erklärt, die gesperrten Seiten enthielten Material, das Terrorismus und Extremismus unterstütze sowie Lügen verbreite.

Seit dem Sturz des frei gewählten Präsident Mohammed Mursi im Jahr 2013 geht Ägypten energisch gegen Islamisten aber auch andere Kritiker vor. Dem Emirat Katar, das auch den Nachrichtensender Al Jazeera finanziert, wird vorgeworfen die Muslimbrüder und andere Islamisten zu fördern. Auslöser der aktuellen Blockaden waren angeblich kritische Äußerungen des katarischen Emirs, Tamim bin Hamad Al Thani, über Ägypten und andere arabische Staaten. 

Katars staatliche Nachrichtenagentur QNA zitierte den Emir Al Thani zudem mit lobenden Worten für den Iran, den Israel und die Golfstaaten seit Jahren zum Intimfeind hochstilisieren. Auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ließen deshalb die Nachrichtenseite von Al Jazeera sowie andere katarische Internetauftritte sperren.

Wandel oder Restauration: Arabischer Medienkrieg

Erst im Zuge der Terroranschläge vom 11. September 2001 beachtete man im Westen stärker die Satellitensender wie Al Jazeera, Al Arabiya und Abu-Dhabi-TV. Die staatlich gelenkten Medien stellten einen festen Teil der Herrschaftssysteme der arabischen Welt dar. Ausnahmen bildeten die panarabisch ausgerichteten Medien wie Al Hayat, Asharq Al Awsat und Al Quds Al Arabi. 

Mit dem Einmarsch westlicher Staaten in den Irak wurde das vom Mini-Emirat Katar geschaffene Al Jazeera-Network immer wichtiger. Damals unterstützte der Nachrichtensender die so genannte "Achse des Widerstands" und berichtete auch über Länder wie Iran, die schiitische Miliz Hizbollah, die Hamas und die Assad-Regierung. In dieser Zeit erlangte der Sender den Ruf der "größten arabischen Oppositionspartei".

Deshalb schuf Saudi-Arabien als innenarabische Gegenmacht das Al Arabiya-Netzwerk. Der Sender sollte einen Schutzwall gegen Kritik am saudischen Herrscherhaus bilden und propagiert regionale Stabilität im saudischen Verständnis.

Mit der Arabellion im Jahr 2011 stellte sich Al Jazeera auf die Seite der revolutionären Kräfte, während Al Arabiya unermüdlich vor den Gefahren "unkontrollierter Dynamik" warnte. Der Sender tat alles dafür, die Stabilität der alten feudalen Regime zu verteidigen. Inzwischen ziehen die Medien der Golfstaaten jedoch wieder an einem Strang, wenn es darum geht, die Regierung in Damaskus zu stürzen und die Propaganda der von den Golfstaaten unterstützen Dschihadisten zu verbreiten. 

Sechs Jahre nach dem Arabischen Frühling rächt sich das Fehlen einer unabhängigen arabischen Medienkultur, wie etwa Loyal Mudhoon, Redakteur beim Online-Magazin Qantara kritisiert. Statt inmitten einer polarisierenden Situation eine vermittelnde Rolle einzunehmen, verstärke der Großteil arabischer Leitmedien die gesellschaftliche Spaltung.

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