Psychospiel Blue Whale: Erfinder wollte "Gesellschaft reinigen" und trieb Teenager in den Tod

Psychospiel Blue Whale: Erfinder wollte "Gesellschaft reinigen" und trieb Teenager in den Tod
Imagebild: brandtmarke/pixelio.de
Weil er Mädchen im Teenageralter für "biologischen Abfall" hielt, hat Philipp Budeikin ein Online-Spiel erfunden, das die labilsten unter ihnen in den Selbstmord treiben soll. Mittlerweile sitzt er im Gefängnis. Die Gefahr ist aber noch nicht gebannt.

Philipp Budeikin, Erfinder des Online-Manipulationsspiels Blue Whale, prahlt damit, 16 junge Mädchen in den Selbstmord getrieben zu haben, berichtet die Daily Mail. Russische Behörden gehen jedoch von bis zu 160 Opfern aus.

Mittlerweile sitzt der 21-Jährige hinter Gittern. Auf die Frage, warum er das mörderische Online-Spiel konzipiert hätte, führt er sozialdarwinistische Motive an. Er wollte die Gesellschaft von "biologischem Abfall" reinigen. Als solchen betrachtet er offenbar vorwiegend labile weibliche Teenager, die er für die 50-tägige Challenge rekrutiert hatte. Die Opfer seien "froh gewesen zu sterben", erklärt Budeikin.

Ausgerechnet der friedfertige Blauwal musste als Namensgeber für das grausame Online-Spiel herhalten.

Um sein Ziel zu erreichen, ging er systematisch vor. Er bemühte sich um eine möglichst große Anzahl an Mitspielern, wusste aber, dass pro Spielrunde nur ein kleiner Teil der Teilnehmer bis zum Ende durchhalten würde.

Die unterschiedlichen Aufgaben, die er den Teenagern über 50 Tage lang hinweg stellte, dienten zum einen dazu, herauszufinden, mit wem Budeikin sein Manipulationsziel erreichen konnte, zum anderen, die Kontrolle über diese zu verstärken. Am Ende wurden die Opfer systematisch gestalkt und gehirngewaschen.

Gehirnwäsche und systematische Manipulation

Zu den Aufgaben, die den Teenagern gestellt wurden, gehörte das Ansehen von Foltervideos und besonders verstörenden Horrorfilmen oder das Aufwachen zu ungewöhnlichen Zeiten. In weiterer Folge säten Budeikin und eine Reihe eingeweihter, so genannter Mentoren bei den meist jungen Mädchen gezielt Selbstzweifel und untergruben deren Selbstbewusstsein. Dies funktionierte, indem man beispielsweise Kritik an deren Aussehen oder Körpergewicht übte. Anschließend überredeten die Betreiber ihre Opfer zur Selbstverletzung, zu gefährlichen Mutproben oder zum Töten von Tieren.

Anton Breido vom Untersuchungsteam, das den Fall bearbeitet, sprach davon, dass Budeikin bereits seit 2013 mit psychischer Manipulation im Internet experimentiert und über die Jahre seine Taktik perfektioniert habe. Die Rekrutierungsbasis für Blue Whale war das soziale Netzwerk Vkontakte.

Sie haben die Kinder gesammelt und ihnen erst einfache Aufgaben gestellt, die vielen als zu langweilig oder zu eigenartig erschienen, um sie auszuführen. Das waren diejenigen, die zu stark waren, um sich manipulieren zu lassen. Diejenigen, die blieben, wurden dazu aufgefordert, schwierigere Aufgaben zu erfüllen, etwa sich in die Venen zu schneiden, auf einem Hausdach zu balancieren oder ein Tier zu töten und den Beweis dafür mittels Videos oder Bildern zu posten. Die meisten Kinder haben an diesem Punkt das Spiel verlassen. Eine kleine Gruppe blieb jedoch übrig, die gehorsam durch alle Aufgaben ging, und unter dieser waren Teenager, die psychisch bereit waren, alles zu tun, was ihnen die Administratoren aufgetragen hätten, egal wie eigenartig oder erschreckend die Aufgaben waren.

Ausbreitung in die USA befürchtet

Das Gefühl, dass ihre Position in der Gruppe wichtig sei, sowie Kontrolle durch nächtliche Anrufe und Online-Stalking veranlassten die Kinder, buchstäblich alles zu tun, um in der Gruppe bleiben zu können. Mitspielerinnen, die sich am Ende zum Selbstmord überreden ließen, löschten im Vorfeld bereitwillig auf Anordnung Budeikins jede Korrespondenz in ihren Social-Media-Accounts, um Spuren zu beseitigen.

Verdächtige Kaugummis: Russische Behörden entdecken Drageés mit dubiosen Spielanleitungen

Wer aus dem Spiel aussteigen wollte, wurde bedroht oder als schwach und feige dargestellt. Budeikins Botschaft an die Übriggebliebenen lautete:

Mach zumindest einmal etwas Schönes in deinem Leben, es ist so gut, jung zu sterben. Das Leben ist entsetzlich und es wird nicht besser. Du gehörst zu den wenigen Auserwählten.

Die russischen Behörden haben auch ihre Kollegen im Ausland vor einer möglichen Ausbreitung des Spiels gewarnt. Im US-Bundesstaat Alabama haben Schulbehörden bereits Eltern alarmiert, die Social-Media-Gewohnheiten ihrer Kinder zu überprüfen, nachdem sie Anhaltspunkte dafür gefunden hatten, dass es Schüler gibt, die Blue Whale spielen.

Für Budeikin könnte das Spiel auch im Gefängnis noch nicht vorüber sein. Das Portal Heat Street berichtet davon, dass der 21-Jährige körbeweise Liebesbriefe von Mädchen im Teenageralter erhalte und die Gesetze im jetzigen Stadium keine Handhabe bieten, um diese Form der Kommunikation zu unterbinden.

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