Israel: Pizza Hut warb mit Marwan Barghouti, der angeblich seinen Hungerstreik bricht

Israel: Pizza Hut warb mit Marwan Barghouti, der angeblich seinen Hungerstreik bricht
Ein Mann in Gaza-Stadt spielt die Rolle eines Hungerstreikenden aus Solidarität mit den hungernden palästinensischen Gefangenen; Israel, 9. Mai 2017.
Palästinensische Gefangene in Israel sind im Hungerstreik, um auf ihre Situation hinter Gittern und in den palästinensischen Gebieten aufmerksam zu machen. Ein Video wurde öffentlich, welches einen Streikbrecher beim Essen zeigte. Pizza Hut nutzte dieses, um für seine Produkte zu werben.

Ein Bus explodiert in Jerusalem. Was passiert am folgenden Tag? Es verbreitet sich ein Witz auf den Straßen Israels: "Kauf ein Busticket, erhalte einen Bonus - eine freie Fahrt in den Himmel." Das ist israelischer Humor: schwarz und politisch. Aus der Not des Alltags heraus. Man fragt sich soll man lachen, oder sich darüber ärgern? 

Die Fastfoodkette Pizza Hut muss sich nun in Israel für seine makabre Form der Werbung entschuldigen. Am 17. April traten mehr als 1.000 palästinensische Häftlinge in den Hungerstreik, um auf unmenschliche Verhältnisse hinter Gittern aufmerksam zu machen. Initiiert wurde dieser vom bekanntesten Insassen Marwan Barghouti, einem Anführer der Fatach-Bewegung. Fünfmal lebenslänglich lautete das Urteil gegen ihn.

Ein israelisches Gericht hatte den palästinensischen Funktionär in einem umstrittenen Verfahren für die Morde an Israelis während der Zweiten Intifada zu einer Haftstrafe verurteilt. Seither erlangte er an Popularität. Viele Palästinenser wünschen sich gar Barghouti als ihren Präsidenten. Am Montag tauchte ein Video einer Überwachungskamera in seiner Zelle auf, in dem Barghouti gesichtet wurde, wie er angeblich den von ihm selbst ausgerufenen Hungerstreik bricht und isst. 

Ein roter Teppich wird inmitten von Ruinen in Gaza-Stadt für eine Filmvorführung zum Thema Krieg ausgerollt; 12. Mai 2015.

Von der Gefängnisverwaltung gelangte das Video ins Internet und verbreitete sich in den sozialen Netzwerken. Pizza Hut nahm ein Standbild heraus und versah es mit einem dezenten, aber sichtbaren Pizza-Hut Karton. Ein Sprecher Pizza-Huts in Israel musste sich nun hierfür entschuldigen. 

Die Frau Barghoutis, Fadwa, bezweifelte die Aktualität des Videos und gab an, dass es auch aus dem Jahr 2004 stammen könnte. Gegenüber Reuters sagte Fadwa: 

Es ist nicht überraschend, was die Besatzer getan haben, diese Fabrikation, die sie versucht haben, zu verbreiten. Diese Aktion hat das hässliche Gesicht der israelischen Besatzung gezeigt.

Die heutige Welle des Humors wird auch gerne als "Falafel Humor" bezeichnet. Benannt nach dem beliebten Falafel-Gericht. Es geht um Politik und Zuwanderung. Oft ist Netanyahu das Ziel des israelischen dunklen Humors. Politische Korrektheit gibt es nicht. 

Ein Witz über Netanyahu: 

Ein Bademeister befiehlt "Bibi" Netanyahu, sofort das Schwimmbad zu verlassen. 

Bibi fragt:

Warum fragen Sie ausgerechnet mich?

Der Bademeister:

Weil Sie in den Pool pinkeln. 

Bibi:

Warum ich? Das machen doch alle. 

Der Bademeister: 

Ja, aber nicht vom Sprungbrett aus. 

Der Witz stammte aus einer politischen satire Show "HartzuFim". Dieser Witz war dem Präsidenten zu viel. Er ließ die Show absetzen. 

Die Familienangehörigen der streikenden Insassen haben keinen Zugang zu ihnen. Das Internationale Rote Kreuz und die Vereinten Nationen überwachen den Hungerstreik, soweit es ihnen möglich ist, und stellen sicher, dass Israel die Gefangenen nicht zwangsernährt. 

Der hebräische Schriftzug des Werbebilds auf Facebook:

Barghouti, wenn Du schon den Streik brichst, warum nicht mit Pizza? 

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