Französischer Philosoph Bernard-Henri Lévy mal wieder "getortet"

Französischer Philosoph Bernard-Henri Lévy mal wieder "getortet"
Man kann nur hoffen, dass er nicht an Lactose-Intoleranz leidet: Bernard-Henri Lévy in Belgrad.
Er ist einer der am meisten polarisierenden französischen Gegenwarts-Philosophen. In Belgrad stellte Bernard-Henri Lévy seinen Film "Peshmerga" über die Kurden im Irak vor und wurde, einmal mehr, zum Ziel einer Torten-Attacke. Vermutlich nicht das letzte Mal.

Die Zeitung "Die Welt" schrieb einst über Lévy, er sehe die

Öffentlichkeit als ein Schlachtfeld, auf dem nicht die Wahrheit oder auch nur das bessere Argument zählen, sondern gelungene Kampagnen und Manöver.

Vermutlich gibt es kaum einen anderen Philosophen in Frankreich, der so umstritten wäre wie Bernard-Henri Lévy. Er fordert von den Europäern "mehr Patriotismus" und trifft sich mit neoliberalen Ikonen wie Paul Wolfowitz in den USA. In den 1980er Jahren unterstützte er hingegen noch den sozialistischen Präsidenten François Mitterrand im Wahlkampf und wurde dafür mit dem Vorsitz in der staatlichen Filmkommission belohnt.

Lévy blamierte sich mit Zitaten eines erfundenen Philosophen

Er zählt sich zur 68er Bewegung, die er gegen Kommentare von Nicolas Sarkozy verteidigte, kritisiert aber die orthodoxe Linke bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Als der Georgienkonflikt ausbrach, unterstützte er medienwirksam die georgische Seite und bezeichnete den georgischen Präsidenten als "Widerstandskämpfer." Das bewegte damals selbst die FAZ dazu, Lévy "Russophobie" zu attestieren. Das muss man erstmal schaffen.

Wie dachte die französische Intelligenzija? Und wie konnte man sie für einen pro-US-amerikanischen Kurs gewinnen?

Er forderte und begrüßte die militärische Intervention Frankreichs in Libyen und verlangte, Gaddafi zu stürzen. Nebenher schrieb er philosophische Bücher, die in Fachkreisen zum Teil für großen Spott sorgten. So geschehen auch 2010, als er das Buch "Vom Krieg in der Philosophie" vorstellte. In dem Buch setzte er sich, auch unter Bezugnahme auf einen gewissen "Jean-Baptiste Botul", sehr kritisch mit Immanuel Kant auseinander und bezeichnete diesen unter anderem als "wütenden Irren des Denkens". Das Problem war nur, dass es den Philosophen Botul gar nicht gab. Er war eine Erfindung eines französischen Satiremagazins. 

Regisseur des "schlechtesten Films der Geschichte"

Lévy drehte auch Filme. So unter anderem die Romanze Le Jour et la Nuit aus dem Jahre 1997. Das renommierte Cahiers du cinéma sprach in seiner Kritik vom "schlechtesten Film seit Jahrzehnten". Das Magazin Slate ging sogar noch einen Schritt weiter und nannte das Machwerk gleich den "schlechtesten Film der Geschichte".

Seit Jahren ist Lévy nun auch ein beliebtes Ziel für Tortenwerfer. So auch jüngst wieder am Mittwoch in Belgrad, als Lévy seinen Film Peshmerga präsentieren wollte. Der Film porträtiert die kurdischen Peschmerga im Irak und deren Kampf gegen den Islamischen Staat. Lévy scheint generell eine Vorliebe für Kriege und Interventionen zu haben. Das wurde ihm in Belgrad nun einmal mehr zum Verhängnis. Denn Lévy hatte sich nach dem Ausbruch des Bosnienkrieges für die Bombardierung der Serben durch die NATO ausgesprochen und diese medial unterstützt.

Eine Gruppe von Protestlern stürmte darob in Belgrad Lévys Präsentation und schmiss diesem eine Torte ins Gesicht. Dann entrollten sie ein Transparent, auf dem "Bernard Lévy verteidigt imperialistische Mörder" zu lesen war. Die Protestler gehören offenbar zu der kommunistischen Gruppe SKOJ in Serbien. Der Sicherheitsdienst führte anschließend die jungen Männer aus dem Saal.

Lévy rief ihnen noch ein "Es lebe die Demokratie in Serbien!" nach und versuchte, einen der Protestler mit seiner Jacke zu schlagen. Es war nicht das erste Mal, dass man Lévy in einen Zustand versetzte, der im Französischen die Bezeichnung "entarté" trägt. Einem gewissen Noël Godin gelang dieses Kunststück sogar gleich zweimal.

Einmal 1985:

 Und dann noch einmal im Jahre 2015:

Noël Godin gilt als notorischer Tortenwerfer. Der Belgier erklärte einmal der New York Times, dass er

der Staatsgewalt, unterdrückenden Gesetzen, Moralgesetzen, Nuklearenergie und jedweder Form politischer Macht den Krieg erklärt habe.

Zu seinen Opfern zählen so bekannte Personen wie Bill Gates, Nicolas Sarkozy, Jean-Luc Godard und eben Bernard-Henri Lévy. Er besteht darauf, dass er für seine Attacken nur eine "tarte classique" benutze, die hauptsächlich aus Schlagsahne und weichem Biskuitkuchen besteht.

Also Vorsicht, wenn es Sie wieder einmal nach Belgien verschlägt…