Wladimir Putin: "Unsere Großväter warfen Nazismus nieder und befreiten Europa"

Wladimir Putin: "Unsere Großväter warfen Nazismus nieder und befreiten Europa"
Der russische Präsident Wladimir Putin während seiner Rede zum Tag des Sieges am Roten Platz am 9. Mai 2017.
In seiner Rede zur traditionellen Militärparade am 9. Mai hob Russlands Präsident Wladimir Putin die historische Rolle des Sowjetvolkes im Kampf gegen die Nazi-Barbarei hervor. Er ging auch auf die Gründe ein, warum Nazismus in Europa Einzug halten konnte.

Der Große Vaterländische Krieg, der in der von Hitler-Truppen angegriffenen Sowjetunion 27 Millionen Menschen das Leben kostete, ist ein Schlüsselereignis für das heutige historische Bewusstsein in Russland. Stattliche 96 Prozent der Bürger der Russischen Föderation begrüßen die Art und Weise, in der die öffentlichen Institutionen des Krieges gedenken.

Das Angedenken des Krieges vereint den Schmerz und den Stolz zu einem Ganzen und hat eine elementare Bedeutung für das Selbstverständnis und die Rolle Russlands im internationalen System. In seiner siebenminütigen Rede behandelte der Präsident Russlands das Thema des Krieges aufs Neue und spannte einen Bogen in die Gegenwart.

Putin: Gemeinsam gegen die Barbarei

Um den besiegten Nazismus zu beschreiben, nahm er kein Blatt vor den Mund. Putin beschrieb diesen als "totalitäre Macht", die "Tod und Barbarei" gebracht habe unter dem Banner einer "verbrecherischen Ideologie der Rasenüberlegenheit".

Russische Militärangehörige während der Parade anlässlich der Siegesfeier auf dem Roten Platz am 9. Mai 2017.

Der Nazismus, so Putin, der sich das Recht herausnahm, über das Schicksal anderer Völker zu bestimmen, konnte sich in Europa ausbreiten, weil die führenden Länder der Welt uneinig waren. Als der Krieg in die Sowjetunion kam, machte das Sowjetvolk jedoch "Unmögliches möglich" und drehte das blutige Rad des Zweiten Weltkrieges zurück. Es jagte den Feind dorthin zurück, wo dieser hergekommen sei, warf den Nazismus nieder und setzte dessen Gräueltaten ein Ende.  

Es gab und gibt keine Kraft, die unser Volk bezwingen kann", fasste Putin an dieser Stelle zusammen.

Und er machte deutlich:

Wir werden es nie vergessen, dass es unsere Väter, Großväter und Urgroßväter waren, die die Freiheit Europas und den langersehnten Frieden in der Welt erkämpft hatten.

Damit begründete Putin auch die historische Rolle, die Russland als legitimer Nachfolgestaat der Sowjetunion in der heutigen Welt innehat: sich für Frieden einzusetzen und für Stabilität zu sorgen.

US-Botschafter würdigt "Bündnis für eine gerechte Sache"

Es ist bezeichnend, dass Wladimir Putin den - vor allem in den früheren Sowjetrepubliken wiedererwachten - Neonazismus in Form der Heroisierung von Nazi-Kollaborateure auf eine Liste mit Terrorismus setzte:

Für einen effektiven Kampf gegen Terrorismus, Extremismus, Neonazismus und andere Bedrohungen muss die internationale Gemeinschaft ihre Kräfte vereinen.

Ein nachkoloriertes Archivbild

Der russische Präsident betonte, dass mit den Teilnehmern des Krieges, mit Veteranen und Kriegskindern heute in Russland eine besondere, lebendige Bande bestehe. Diese wird seit nunmehr fünf Jahren in der Aktion Unsterbliches Regiment verkörpert.

Der Marsch, an dem zurzeit allein in Moskau Hunderttausende Menschen teilnehmen, rief bei dem US-amerikanischen Botschafter John Tefft unerwartet warme Worte hervor. Er veröffentlichte auf seinem Blog bei LiveJournal einen Eintrag, in dem er fast in Putins eigenem Duktus auf die Rolle des sowjetischen und amerikanischen Volkes im gemeinsamen Kampf während des Zweiten Weltkriegs einging:

Ungeachtet der ideologischen Unterschiede, die unsere Staaten trennten, haben unsere Urgroßväter – die einfachen Amerikaner und Russen, die millionenfach ihr Leben opferten und weitere Millionen, deren Leben sich unumkehrbar infolge des Krieges verändert hat – sich für eine gerechte Sache vereinigt. Zweifellos können wir heute das Gleiche tun, indem wir deren Beispiel folgen", fasste der Diplomat zusammen.  

Die Teilnehmer der Aktion Unsterbliches Regiment warten auf der Twerskaja-Straße darauf, dass der Marsch beginnt.
Die Teilnehmer der Aktion tragen Porträts ihrer Groß- und Urgroßväter, die am Krieg teilgenommen haben.