Land of the Free: Ein Jahr Knast für Lachen während Vereidigung des US-Justizministers

Land of the Free: Ein Jahr Knast für Lachen während Vereidigung des US-Justizministers
Die Aktivistin Desiree A. Fairooz wird von Sicherheitskräften des US-Senats abgeführt.
Einer US-Aktivistin der US-amerikanischen NGO Code Pink droht bis zu einem Jahr Haft, weil sie im Januar die Ernennung von Jeff Sessions zum Justizminister durch lautes Lachen störte. Geht dem Land von Groucho Marx und Woody Allen der Humor aus?

Der Humor hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Schon im antiken Griechenland war lautes Lachen verpönt und galt als vulgär. Phythagoras soll nie gelacht haben. Platon wollte die Komödie gar ganz verbieten.

Vielleicht hatte die Abneigung der antiken Philosophen etwas mit dem Missgeschick eines ihrer Kollegen zu tun. Thales, der gemeinhin als erster Philosoph gilt, fiel, als er mit erhobenem Blick astronomischen Beobachtungen anstellte, in den Brunnen – und wurde daraufhin von einer einfachen Magd ausgelacht. Wie passend, dass die bekannteste These von Thales lautet: "Wasser ist der Ursprung aller Dinge."

Verpöntes Lachen von Eco bis Arinc

Auch im Mittelalter hatten Komiker nicht viel zu lachen. Es war sogar zum Teil verboten. Es galt vielerorts die alte Mönchsregel, demnach "der Mund das Tor, sein Riegel die Zähne" sind. Sehr eindrucksvoll geschildert hat dies unter anderem Umberto Eco in seinem Roman "Der Name der Rose". Ob die Mönche damals zum Lachen in den Weinkeller gingen, ist leider nicht überliefert.

Doch man muss gar nicht so weit in die Vergangenheit blicken, um auf Humorlosigkeit zu treffen. Im Jahr 2014 forderte der damalige türkische Vize-Premierminister Bülent Arinc allen Ernstes Frauen in der Türkei dazu auf, in der Öffentlichkeit nicht mehr laut zu lachen. Lachen bei Frauen sei unanständig und eine derartige Form der Fröhlichkeit korrumpiere die Moral des Landes.

Im Streit mit der Satire-Sendung extra 3: AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel.

Wo sind unsere Mädchen, die leicht erröten, ihren Kopf senken und die Augen abwenden, wenn wir in ihre Gesichter schauen, und somit zu einem Symbol der Keuschheit werden?",

fragte er damals. Darauf gaben türkische Frauen ihm die passende Antwort – ein gewaltiges Lachen.

Gerade die Mächtigen, so scheint es, fürchten das Lachen wie der Teufel das Weihwasser (wobei es Ausnahmen gibt, die sich auch in ernsten Zusammenhängen ihren Frohsinn bewahrt haben). Platon wollte den Hütern seines Idealstaats das Lachen verbieten, weil auf übermäßiges Lachen üblicherweise eine gewaltsame Reaktion folge, wie er in seiner Politeia schreibt. Wie Recht er mit dieser Einschätzung hatte, bestätigt sich gerade in den USA.

Fairooz behauptet "spontanen Reflex"

Die 61-jährige Desiree A. Fairooz konnte sich nach eigenen Worten "das Lachen nicht verkneifen", als sie die Äußerung eines republikanischen Senators hörte, der behauptet habe, Jeff Sessions sei Anhänger der Idee der Gleichberechtigung aller Menschen vor dem Gesetz. Und das ausgerechnet während der Ernennung Sessions zum Justizminister der USA im US-Senat.

Das war spontan. Das war ein Reflex auf das, was ich als eine unverhohlene Lüge oder pure Unwissenheit betrachte",

sagte die Aktivistin der linksgerichteten "Social Justice"-NGO Code Pink. Doch nicht alle wollten mitlachen. Fairooz und zwei weitere Aktivistinnen, die in Ku-Klux-Klan-Kostümen zur Ernennung erschienen waren, wurden gewaltsam aus dem Saal entfernt und unter Anklage gestellt. Ungebührliches Verhalten und das Demonstrieren auf dem Boden des US-Senats lauteten die Vorwürfe.

Nun hat eine spaßfreie Jury sie tatsächlich für schuldig befunden. Die noch nicht festgesetzte Strafe könnte bis zu einem Jahr Gefängnis betragen, zudem ist eine Geldstrafe bis zu 2.000 Dollar möglich. Die Urteilsverkündung steht noch aus. Es bleibt zu hoffen, dass der zuständige Richter kein Gelotophobiker ist. So nennt man Menschen, die Angst davor haben, ausgelacht zu werden. Gelotophobiker können Lachen nicht als eine Mitvoraussetzung für eine Lebenshaltung nutzen, die von Freude, Heiterkeit und Ausgelassenheit geprägt ist. Sie erleben das Lachen ihrer Mitmenschen grundsätzlich als eine Bedrohung für das eigene Selbstwertgefühl.

Für Fairooz hingegen gilt leider das alte Sprichwort: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Übrigens ist man dem Humor auch schon des Öfteren wissenschaftlich auf die Pelle gerückt. Richard Wiseman von der University of Hertfordshire in Großbritannien initiierte im Jahr 2004 die vermutlich größte Studie zum Thema Humor. Alle Menschen weltweit wurden aufgefordert, ihren Lieblingswitz via Internet in ein sogenanntes "Laugh Lab" einzugeben und die Witze anderer Menschen zu bewerten.

Bester Witz der Welt hat mit der Jagd zu tun

Über 500.000 Menschen aus insgesamt 70 Ländern machten mit und stellten 40.000 Witze zur Bewertung ins Netz. Eines der Ziele war es, den besten Witz der Welt zu finden. Hier ist das Ergebnis:

Zwei Jäger gehen auf die Jagd und wandern durch den Wald. Plötzlich greift sich der eine an die Kehle und stürzt zu Boden. Der andere Jäger gerät in Panik und ruft den Notarzt an: "Ich glaube, mein Freund ist tot, was jetzt?" Der Arzt sagt: "Beruhigen Sie sich! Zunächst einmal müssen Sie sicher gehen, dass Ihr Freund wirklich tot ist." Kurze Pause, dann ein Schuss. Dann kommt er wieder ans Telefon. "OK, erledigt, und was jetzt?"