Der ehemalige DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler ist im Alter von 97 Jahren verstorben

Der ehemalige DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler ist im Alter von 97 Jahren verstorben
Heinz Keßler bei einem NVA-Truppenbesuch 1968.
Am 2. Mai ist der letzte DDR-Verteidigungsminister, Heinz Keßler, im Berliner Oskar-Ziethen-Krankenhaus im Alter von 97 Jahren verstorben. Der einstige Armeegeneral und Freund Honeckers gehörte dem Politbüro der SED an und trug im Herbst 1989 dazu bei, dass der gesellschaftliche Umbruch in der DDR friedlich blieb.

Keßler gehörte zu den wenigen deutschen Soldaten, die die in der Sowjetunion vorwärtsstürmende Wehrmacht verließ und im Juli 1941 zur Roten Armee übertrat. In der Sowjetunion gründete er mit anderen zwei Jahre später das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ (NKFD). Er war der letzte lebende Unterzeichner des Manifestes des NKFD.

Quelle: bstu.bund.de

Der Ex-Militär lebte in den letzten Jahren in einem katholischen Stift in Berlin-Karlshorst, trat aber noch immer bei politischen Veranstaltungen auf. Zuletzt war er im Berliner Kino „International“ Gast der 70-Jahr-Feier der Tageszeitung „junge Welt“, die er einst als Mitbegründer der Freien Deutschen Jugend als FDJ-Organ ins Leben gerufen hatte. Er legte in der edition ost verschiedene viel beachtete Publikationen vor, darunter gemeinsam mit Fritz Streletz „Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben“ oder die in mehreren Auflagen erschienenen Erinnerungen „Zur Sache und zur Personen“, deren erste Ausgabe noch während seiner Inhaftierung erschien. Keßler war im sogenannten ersten Politbüroprozess 1994 zu einer siebeneinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Heinz Keßler wurde als Sohn einer Arbeiterfamilie in Lauban in Schlesien geboren. Seine Eltern zogen 1923 nach Chemnitz um. Sie waren in der KPD tätig und wurden in der Zeit des Nationalsozialismus mehrmals in Konzentrationslagern inhaftiert. Keßler besuchte die Volksschule und wurde Mitglied des Jungspartakusbundes. Von 1934 bis April 1937 war er Maschinenschlosser-Lehrling und arbeitete bis 1940 in diesem Beruf.

Militärische Laufbahn

Am 15. November 1940 wurde Keßler in die Wehrmacht einberufen und als MG-Schütze ausgebildet. Im Frühjahr 1941 kam er mit der 134. Infanterie-Division zunächst ins Generalgouvernement nach Petrikau. Bereits drei Wochen nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion lief er am 15. Juli 1941 zur Roten Armee über und kam zunächst in sowjetische Kriegsgefangenschaft. In Reaktion auf seine Desertation wurde seine Mutter von 1941 bis 1945 im KZ Ravensbrück inhaftiert. Er kam zunächst in das Lager 27 in Krasnogorsk bei Moskau. Im weiteren Verlauf wurde er nach Spasso-Sawodsk in Kasachstan verlegt.

Historische Kriegsspiele im Patriotischen Freizeitpark.

Hier lernte er Heinz Hoffmann, den späteren Verteidigungsminister der DDR, kennen. Zusammen mit Hoffmann erhielt er eine fünfmonatige Ausbildung an der neugeschaffenen Antifaschistischen Frontschule in Gorki. Danach wurde er Mitarbeiter der 7. Verwaltung der Politischen Hauptverwaltung der Roten Armee. Im Dezember 1942 kam es zu seinem ersten Fronteinsatz in Welikije Luki. Keßler wurde nach weiteren Fronteinsätzen zur Mitbegründung des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) nach Krasnogorsk beordert. Gemeinsam mit den übrigen Mitgründern des NKFD unterschrieb Keßler das Manifest vom 12. Juli 1943.

Dort engagierte er sich als einer der wichtigsten Jugendfunktionäre sowie als Frontbeauftragter an der Brjansker Front. In dieser Funktion rief er deutsche Soldaten zum Überlaufen auf. Im Mai 1945 kehrte er als Angehöriger der Roten Armee ins eroberte Berlin zurück.

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