Jetzt noch schmaler: Klare Weltsicht für Springer-Mitarbeiter

Jetzt noch schmaler: Klare Weltsicht für Springer-Mitarbeiter
Axel Springer, es der größten Verlagshäuser in Europa, bindet seine Mitarbeiter an klare Grundprinzipien
Das Medienunternehmen Axel Springer folgt seit seiner Gründung klaren Unternehmensgrundsätzen, um seinen „gesellschaftspolitischen Auftrag“ zu erfüllen. Diese nun noch vereinfachten Richtlinien prägen die Weltsicht des Verlages und helfen, den ein oder anderen Eklat zu verstehen.

Die „Grundsätze der Unternehmensführung“ legte Axel Springer bereits in den späten Sechzigern fest. Es war die Zeit, die die BILD wegen ihrer hetzerischen und gar mörderischen Schreibe in die Kritik brachte. Diese Unternehmensgrundsätze bilden eine klare Weltsicht ab, nach der Redakteure und Journalisten ihre Arbeit ausrichten müssen. Diese Richtlinien wurden mehrfach geändert, so nach der deutschen Wiedervereinigung und nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Zuletzt trug der Konzernvorsitzende Matthias Döpfner Mitte dieser Woche bei der Hauptversammlung eine Erneuerung vor. Döpfner meinte, man wolle eine Anpassung der fünf Grundsätze der Unternehmensführung beschließen und sie dadurch „etwas grundsätzlicher formulieren, damit sie international nachvollziehbarer werden."

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Eines der größten Verlagshäuser Europas legt sich und seine Mitarbeiter nunmehr darauf fest, „für Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie und ein vereinigtes Europa“, „für eine freie und soziale Marktwirtschaft“ und die klare Ablehnung des „politischen und religiösen Extremismus“ einzutreten. Weiterhin unterstützt der Verlag „das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel“.

Vereinfachte Weltsicht und journalistischer Aktivismus

Der frühere Bild-Chef, Kai Diekmann, erwähnte mehrfach, dass Aktivismus und Journalismus durchaus zusammen funktionieren könnten.

Diekmann ist Mitglied in mehreren transatlantischen Lobbygruppen wie dem Aspen Institut, der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und im Vorstand der Atlantikbrücke. Der Partei AfD sagte er offen den Kampf an. Zudem hatte die BILD-Zeitung sich mehrfach öffentlich gegen Antisemitismus und Judenhass und für Toleranz ausgesprochen. In dem Zusammenhang bemängeln Kritiker jedoch oft, dass die Toleranz zwar für Juden gelte, umso weniger aber für Muslime, Sinti und Roma oder auch deutsche Bürger, die unverschuldet in die Armutsfalle geraten sind.

Mit Blick auf die Verlagsprinzipien sind wohl auch die jüngsten Schlagzeilen zu der Aussage des israelischen Premier Netanyahu, Bundesaußenminister Gabriel sei „instinktlos“, besser zu verstehen. Die Bild-Zeitung hat nach dem Interview des ehemaligen Welt-Chefredakteurs und Bild-Herausgebers Kai Diekmann recht einseitig israelische Regierungsangaben übernommen. Unter anderem wurde nicht thematisiert, dass zum Beispiel noch im Februar auch der belgische Ministerpräsident Charles Michel bei seinem Besuch in Israel sowohl Vertreter oppositioneller Gruppen als auch Netanyahu getroffen hatte. Dadurch wäre Netanyahus Angabe, er könne keine Diplomaten empfangen, die derartige Fehltritte begehen, doch etwas entkräftet. Sicherlich hat Deutschland geschichtlich bedingt eine besondere Rolle und hier war der Zeitpunkt 24 Stunden nach dem Holocaust-Gedenktag ein weiterer empfindlicher Punkt, so könnte man nun entgegenhalten. Doch scheint Diekmanns Einsatz auch deshalb voll auf Verlags-Linie zu sein, da er ausließ, dass der israelische Ministerpräsident Außenminister Gabriel Vorbedingungen für das Treffen gegeben hatte. Sein Kollege Julian Röpcke legt nun noch nach:

Die 'wirtschaftsliberale Linie' des Verlages klingt immer wieder in seiner Berichterstattung durch und macht sich sowohl in Äußerungen seiner Mitarbeiter bemerkbar als auch in deren Vernetzungen.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ist eine marktliberale Lobby-Organisation, die einen weniger sozialen als freien Markt propagiert und einseitig Arbeitgeber-Interessen vertritt. Sie hält ihre Veranstaltungen im Axel-Springer-Haus ab. Und zufälligerweise ist der Lobbyist Friedrich Merz Vorsitzender der Atlantikbrücke und Gründungsmitglied des Fördervereins der INSM.

Regen Austausch zwischen dem Springer-Verlag, der Wirtschaft und konservativen Parteien gibt es auf vielen Ebenen. Dietrich von Klaeden, Cheflobbyist des Springer Verlags in Deutschland, ist Mitglied des American Council on Germany (ACG) und Bruder von Eckhart von Klaeden, ehemaligem Staatsminister im Kanzleramt und Mitglied des CDU-Bundesvorstandes, der ebenfalls oder gar zusammen mit seinem Bruder durch die Atlantikbrückenmitgliedschaft wichtige Kontakte pflegt.

Quelle: Manfred Sauke

Derartige Verbindungen sind ebenso Ausdruck der Springer-Unternehmensprinzipien, wie die inhaltliche Ausrichtung, die immer wieder zeigt, wie selektiv es mit dem Toleranzprinzip gehalten wird. Der Deutsche Presserat rügte die BILD zudem mehrfach wegen ihrer Verstöße gegen den Pressekodex.

Nicht alle gehen so weit wie der Schriftsteller Max Goldt in seiner berühmten Schmähkritik über die BILD:

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen.

Doch mit Blick auf die nun zusätzlich gekürzten Springer-Grundsätze verwundert der generelle Hang zur vereinfachten Weltsicht des Verlages wenig. 

Axel-Springer Grundsätze- Klare Weltsicht auf einen Blick

Trends: # Medienkritik