Kontroverse um Dokumentarfilm in Israel: Kulturministerin will Aufführung von "The Lab" verhindern

Kontroverse um Dokumentarfilm in Israel: Kulturministerin will Aufführung von "The Lab" verhindern
Bild aus "The Lab", einem israelischen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2013.
Die israelische Regierung hat versucht, die Aufführung eines Films zu stoppen, der Israels Geschäfte mit Waffen thematisiert, die mit dem Verweis auf einen Einsatz gegen militante Palästinenser angepriesen werden. Der bewaffnete Konflikt als Elchtest?

Gerade erst blitzte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel auf seiner Reise durch Nahost beim israelischen Premierminister Netanjahu ab. Letzterer betrachtete Gabriels Vorhaben, linksgerichtete Oppositionsgruppen zu besuchen, als Affront. Auch eine für Donnerstag geplante Filmaufführung in der Jerusalemer Cinematheque führte zu Missmut in israelischen Regierungskreisen. Die Kulturministerin Israels, Miri Regev, wollte die Stadt Jerusalems von der Aufführung eines Films abbringen, denn die Dokumentation "The Lab" verunglimpfe den Staat Israel. Die Stadt Jerusalem will dem Gesuch Regevs jedoch nicht nachkommen und den Film aufführen.

Der Regisseur des Films "The Lab", Yotam Feldman, ist ein ehemaliger Journalist der israelischen Tageszeitung Haaretz. Der Filmabend in der heiligen Stadt, die sowohl Juden und auch Palästinenser als ihre ungeteilte Hauptstadt beanspruchen, zeigt ein spezifisches Bild des Alltags in den von Israel kontrollierten, zwischen beiden Kontrahenten umstrittenen Gebieten. 

Der Film zeigt vorwiegend Aufnahmen von Gesprächen mit und zwischen Waffenhändlern und Diplomaten, unter anderem auf Rüstungsmessen.

Der Film transportiert die Botschaft, Israel verdanke seine bedeutende Rolle auf den weltweiten Waffenmärkten dem vorhergehenden Praxiseinsatz dieser Waffen in Konfliktgebieten des eigenen Landes und umstrittener Gebiete unter israelischer Kontrolle. 

Der Titel "The Lab" suggeriert, die Konfliktgebiete fungieren gleichsam als Versuchslabore, die Israel zu Reichtum und einer führenden Rolle auf dem weltweiten Waffenhandel verholfen haben, ohne dass die einfachen Bürger Israels von diesem Reichtum profitieren würden. 

Feldman, der seinen Film als "unideologisch" bezeichnet, sagte gegenüber Haaretz:

Eine von Israels Haupt-Exportbranchen sind Waffen, die an menschlichen Versuchskaninchen in Gaza und im Westjordanland getestet werden und dies ist einer der Gründe, warum Israel ein so reiches Land ist.

Eine israelische Heron-Drohne bei ihrer Präsentation durch die Israeli Defense Forces.

Der Film wurde 2013 erstmals auf dem Dokumentarfestival von Tel Aviv gezeigt und als Bester Newcomerfilm ausgezeichnet. In der Produktion selbst kommen auch ehemalige Militärs zu Wort und zeigen, dass Waffen aus israelischer Produktion in bedeutsamem Umfang zur Wirtschaftsmacht beitragen.

Israels Waffenindustrie kann daher, und das soll der Film anprangern, mit dem Pfund wuchern, dass ihre Erzeugnisse täglich im Einsatz gegen militante Palästinensergruppen sozusagen am lebenden Objekt getestet werden - in den völkerrechtlich umstrittenen Territorien. Binyamin Ben Eliezer, ein ehemaliger israelischer Verteidigungsminister, erklärt auf die Frage, warum die Nachfrage nach israelischen Waffen so groß ist:

Wenn Israel Waffen verkauft, dann wurden dieses bereits getestet und ausprobiert.

Der einstige Soldat Shimon Naveh zeigt dem Regisseur in "The Lab" ein, wie er es nennt, arabisches Übungsdorf für den Nahkampf. Die Aussagen der zu Wort kommenden Gesprächspartner sprechen für sich, der Film beobachtet und entzieht sich einer Beurteilung, denn diese übernehmen die Protagonisten. 

Regev nannte Feldman einen umstrittenen Journalisten, der das Bild Israels beschädige. Denn Armeeangehörige, die in den Waffenhandel involviert sind, würden hier als Exporteure des Todes und als Psychopathen dargestellt. Zudem werde das Problem des Terrorismus durch radikale palästinensische Gruppen und weitere Bedrohungen, die den hohen israelischen Aufwand für den Verteidigungssektor erst herbeiführen, vollständig ausgeklammert.

Das Rathaus Jerusalems sieht sich indessen nicht in der Aufgabe, eine Zensur auszuüben und hält die israelischen Bürger für stark genug, um auch hier dem Recht auf Meinungs- und Kunstfreiheit den Vorzug zu geben. Es sei schließlich das Kulturministerium selbst gewesen, welches den Film anfänglich gefördert habe.

Allein im Jahr 2015 sollen durch Drohnen in den Palästinensergebieten 840 Menschen umgekommen sein. Insgesamt liegt die Zahl der Todesopfer WikiLeaks-Berichten zufolge bei mindestens 2.200. Seit der Jahrtausendwende sind jedoch auch 1.304 israelische Zivilisten Angriffen durch palästinensische Terroristen zum Opfer gefallen. Erst im Oktober des Jahres 2015 begann eine neue Gewaltwelle unter dem Banner der so genannten Messer-Intifada. Seit dieser Zeit verzeichnet Israel fast täglich Messerangriffe auf Einsatzkräfte und Zivilisten durch extremistische Palästinenser.

Israel weigerte sich bisher, ein von den USA initiiertes Abkommen zu unterzeichnen, welches die Nutzung und den Export von bewaffneten Drohnen regulieren soll. In dem Papier, das bislang von 40 mit den USA verbündeten Staaten unterzeichnet wurde, wird in diesem Zusammenhang eine Verpflichtung zur Einhaltung von Menschenrechten und internationalem Recht angesprochen.

Israel gilt als Hub für Start-Ups und technische Innovationen. Ein großer Teil dieses Erfolges ist der israelischen Wehrpflicht zu verdanken, die junge Männer für zwei Jahre und acht Monate verpflichtet, Frauen für zwei Jahre. Neben dem Dienst an der Waffe wird dabei das Technologieverständnis gefördert.  

Eine RT-Dokumentation zum Thema israelischer Waffen, deren angeblichem Missbrauch am Menschen und die Exportgeschäfte: