Hoffnung auf Lösung von Umweltproblemen - Raupe Nimmersatt frisst Plastikmüll

Hoffnung auf Lösung von Umweltproblemen - Raupe Nimmersatt frisst Plastikmüll
Der Plastikmüllberg als allseits bekanntes Zivilisationssymbol
Durch Zufall entdeckte eine Hobbyimkerin, dass Larven der Großen Wachsmotte in der Lage sind, Plastikabfälle zu zersetzen. Nun will die in Spanien lebende Italienerin zusammen mit weiteren Forschern das dafür verantwortliche Enzym isolieren und so vielleicht eine Lösung für wachsende Umweltprobleme finden.

Polyethylen (PE) ist neben PVC einer der am häufigsten verwendeten Kunststoffe und wird besonders gerne in der Produktion von Plastiktüten eingesetzt. Eine Billionen Tüten werden pro Jahr produziert. Der sukzessive Umstieg von Handelsunternehmen auf Baumwoll- und Papiertüten ist dabei nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Plastik bleibt der Standard, wenn es schnell, billig und praktisch zugehen soll. 

In Accra, Ghana arbeiten auch Kinder auf großen Mülldeponien als Burner.

Das bisherige Problem: Der Stoff ist kaum abbaubar. In Ozeanen, Wäldern und Gebieten mit nur mangelhafter Müllentsorgung verschmutzen die Plastiktüten die Umwelt und geben über Dekaden Giftstoffe an das Erdreich ab, die nach und nach auch ins Grundwasser sickern. Der Zufallsfund einer Hobbyimkerin könnte nun eine Lösung für dieses Problem mit sich bringen.

Federica Bertocchini, eine italienische Biologin, die in Spanien lebt und sich dort unter anderem aus Liebhaberei um einen kleinen Bienenstock kümmert, hat mit Materialforschung eigentlich wenig zu tun. So beschäftigt sie sich nun nur deshalb mit Plastiktüten, weil eines der praktischen Exemplare zur Hand war, als die Italienerin ihren Bienenstock von Maden befreien wollte, die sich in diesem eingenistet hatten.

Es waren die Larven der Großen Wachsmotte, die das Bienenvolk von Bertocchini bedrohten und die Bertocchini in einer Tüte aus schwer abbaubarem Polyethylen sammelte. Doch kurz darauf hatten sich die Larven aus ihrem Kunststoff-Verließ befreit, indem sie einfach Löcher in den Sack fraßen. Auch Haustierhalter kennen das Phänomen, dass der tierische Freund im Eifer des Gefechtes durchaus einmal Produkte aus Kunststoffe verschlucken kann, diese werden dann wenige Zeit später - allerdings fast vollständig erhalten - wieder ausgeschieden.

Anders bei den Raupen. Zusammen mit zwei Biochemikern der Cambridge University wiederholte Bertocchini den Versuch und legte 100 Larven auf eine weitere Plastiktüte. Innerhalb von 12 Stunden waren über 90 Milligramm Polyethylen verschwunden. Verfahren mit Bakterien oder Pilzen liefern bei weitem nicht ein solches Ergebnis. Eine spätere Untersuchung der Raupenkadaver ergab, dass die Tierchen den Stoff tatsächlich zersetzt und verdaut hatten. Zumindest teilweise.

Verantwortlich für den Umwandlungsprozess soll ein Enzym im Verdauungstrakt der Larve der Großen Wachsmotte sein. Nach der Veröffentlichung der gesamten Untersuchungsergebnisse schlug die Entdeckung hohe mediale Wellen.

Wurde damit eine Methode entdeckt, um der global anwachsenden Plastik-Müllseuche Herr zu werden? Womöglich. Doch wer schon eine Karriere als Larvenzüchter vor Augen hat, könnte sich verkalkulieren. Denn die Mengen an Müll sind wohl auch nicht von noch so vielen der gefräßigen Tiere zu verdauen. Bertocchini hofft deshalb, dass eines Tages das plastikzersetzende Molekül aus den Raupen isoliert werden und dieses dann effizient eingesetzt werden kann. Auch Mehlwürmer und bestimmte Bakterien wurden schon als plastikzersetzende Lebewesen entdeckt.

Andere Forscher merken jedoch an, es wäre sinnvoller die Produktion von Plastikmüll schon im Vorfeld zu reduzieren, anstatt im Nachhinein mühsam nach einer Lösung für das selbstgeschaffene Problem zu suchen.