Die Russen sind schuld: Griff Russland in die französischen Wahlen ein?

Die Russen sind schuld: Griff Russland in die französischen Wahlen ein?
Immer wenn jemand die Wahlen gewinnt, scheint Moskau schuld zu sein. Angeblich haben russische Cyber-Angriffe nun in Frankreich eine Rolle gespielt. Wie immer sind diese Behauptungen leicht zu widerlegen. Russland fordert eine internationale Bekämpfung von Kampagnen zur Desinformation.

"Es gleicht den Anschuldigungen Washingtons, die bis zum heutigen Tag falsch bleiben und den Leuten, die sie verbreiten, keine Ehre machen", zitiert die Nachrichtenagentur TASS Dmitri Peskow, den Sprecher des russischen Präsidenten.

Am Dienstag berichtete die Associated Press, dass die japanische Antivirenforschungsgruppe Trend Micro mitgeteilt habe, dass die Wahlkampagne von Macrons Bewegung En Marche "von Russland nahen Hackern ins Visier genommen wurde."

Der Bericht verbreitete sich rasch in den westlichen Medien, mit vielen sensationellen Überschriften von Geschichten, die auf die Einmischung Russlands in die französische Präsidentschaftskampagne hindeuten.

Trend Micro schrieb Russland allerdings weder die Hintermann-Rolle zu, noch sprach die Gruppe davon, dass es bei dem Angriff auf die Wahlkampagne von Macron überhaupt eine Verknüpfung zu Moskau gäbe.

Darüberhinaus erwähnt Trend Micro den Namen von Macron in seinem 41-seitigen Bericht nur einziges Mal. Der Bericht beinhaltet zahlreiche "Phishing-Kampagnen-Ziele" der Hackergruppe Pawn Storm, ohne irgendeine Erwähnung von angeblichen Verbindungen zu Russland.

Weiter heißt es, dass Pawn Storm auch unter mehreren anderen Namen bekannt ist. Darunter gehört der Deckname Fancy Bears, eine "aktive und aggressive Spionagegruppe", die im April und Mai 2016 Phishing-Kampagnen gegen Angela Merkels CDU ins Leben gerufen und Anfang 2016 gezielte Phishing-Webseiten gegen Ministerien der türkischen Regierung sowie das türkische Parlament eingerichtet hat.

"Im Oktober 2016 wurde eine weitere nachweisliche Phishing-Webseite eingerichtet, um das Parlament von Montenegro ins Visier zu nehmen, was wahrscheinlich auch die Arbeit von Pawn Storm ist", schreibt Trend Micro in seinem Bericht.

Die japanische Anti-Virus-Firma teilte außerdem mit, dass das Democratic National Committee  (DNC) im Jahr 2016 auch "angeblich von Pawn Storm gehackt wurde".

"Gestohlene E-Mails wurden von WikiLeaks und einer Website namens dcleaks[.]com veröffentlicht, deren Domain sehr wahrscheinlich von Pawn Storm kontrolliert wird", so das Dokument.

Russische Bürger "wurden von Pawn Storm auch schon angegriffen", behauptet das Papier und fügte hinzu, dass "Journalisten, Softwareentwickler, Politiker, Forscher an Universitäten und Künstler" zu Zielen der Hackern wurden.

"Mehrere russische Medienorganisationen (einschließlich der Mainstream-Medien) sowie ausländische Botschaften in Moskau sind auch gängige Ziele", schreibt Trend Micro.

Den Forschern dieser Gruppe zufolge hat Pawn Storm eindeutig "ein Interesse daran, die Politik in verschiedenen Ländern zu beeinflussen." In seiner Geschichte über den Bericht schreibt die Associated Press, dass die Pawn Storm-Gruppe von den amerikanischen Geheimdiensten beschuldigt wurden, "die als ein Arm der russischen Geheimdienste" zu agieren.

Macron Berater Mounir Mahjoubi teilte bereits mit, dass die Versuche die Kampagne des Kandidats zu hacken bereits bis Dezember zurück reichen und fügte hinzu, dass all die Angriffe vereitelt wurden.

"Es ist ernst, aber nichts ist gefährdet worden", zitiert ihn die Associated Press.

Putins Pressesprecher Peskow sagte, dass Moskau sehr dankbar wäre, wenn Trend Micro Russland einige Informationen über den angeblichen Angriff senden könnte, damit die russischen Dienste diese überprüfen kann.

Michael Lüders zu Gast bei Anne Will: Zusammen mit Jan van Aken widerspricht er der westlichen Propaganda zu Syrien, jetzt wird er selbst zum Ziel von Propaganda-Maßnahmen; Berlin 9. April 2017.

"So wie die Dinge jetzt sind, ist das alles nichts anderes als Fake News", sagte Peskow.

Donald Trumps Pressesprecher Sean Spicer teile Anfang dieses Jahres mit, dass es "keine Beweise" darüber gäbe, dass Russland die US-Präsidentschaftswahlen beeinflusst hat.

"Es sind die Mainstream-Medien die es so darstellen, als habe Russland Einfluss auf die Wahl gehabt", unterstrich Spicer.

Auf die Frage nach dem Bericht "über die russische bösartige Cyber-Aktivität", der letzten Dezember vom FBI und dem Department of Homeland Security (DHS) veröffentlicht wurde, um Russlands Verbindung zu den Angriffen auf die Parteiorganisationen der Demokraten zu zeigen, stellte Spicer fest, dass der 13-seitige Bericht in erster Linie ein Ratgebern für das DNC sei, der ihm zeigen soll, wie er seine IT-Sicherheit verbessern könnte.

Im Januar dieses Jahres veröffentlichten die US-Geheimdienste nicht klassifizierte Erkenntnisse ihrer "Untersuchung", die behaupten, dass es eine russische Einmischung bei den US-Präsidentschaftswahlen 2016 gegeben habe. Als handfeste Belege führen die US-Geheimen allerdings nur Sendungen von Russia Today aus dem Jahr 2012 an.

Der ehemalige CIA-Agent Larry Johnson erzählte RT, dass ihn am meisten verwunderte, dass es "nicht einen Fetzen von Beweisen" enthalte, um die weitläufigen Anschuldigungen gegen die russische Regierung zu untermauern.

Das Veröffentlichen von Meldungen, Information und Beschuldigungen, ohne dabei Beweise darzulegen, scheint nun zum gängigen Mittel in der internationalen Medienwelt sowie Politik geworden zu sein. Darüber sprach Maria Sacharowa, die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, bei ihrem Auftritt in einer Sitzung des Komitees für Information der Generalversammlung der Vereinten Nationen.

Maria Sacharowa während des wöchentlichen Briefings im Außenministerium am 19. April 2017.

Dabei rief sie die UN dazu auf, internationale Regeln zu schaffen, um die weltweite Ausbreitung von gefälschten Nachrichten und Desinformation im Stil des Kalten Krieges einzudämmen.

"Unsere Delegation schlägt den Vereinten Nationen vor, eine Strategie zu definieren, um gefälschte Nachrichten und Desinformation zu bekämpfen. Russland wird bereit sein, diese Initiative voll und ganz zu unterstützen, was für die Schaffung einer gesunden Umgebung für die Nachrichtenberichterstattung von großer Bedeutung ist", so Sacharowa.

Die massenhafte Produktion von gefälschten Nachrichten sei das Ergebnis einer signifikanten Abnahme der beruflichen Standards von Journalisten, die vor dem Hintergrund der "ungerechtfertigten gesetzgeberischen und funktionalen" Grenzen der Medien stattfindet, betonte sie weiter.

Sacharowa stellte fest, dass die Redefreiheit, Unparteilichkeit und Objektivität der politischen Umstände wegen geopfert würden und die globale Informationssphäre in politisch voreingenommenen Fragmenten abgebaut würde und zerfalle.

Die Medienwelt stehe derzeit vor einer Krise stehe, die voll ist von "einer beispiellosen Anzahl von Problemen" und "intensiven Herausforderungen". Diese wäre von einigen Staaten verursacht worden, die auf Informationskriege der Zeit des Kalten Krieges zurückgreifen.

"Für einen systematischen Kampf gegen eine grenzüberschreitende Ausbreitung von Falschinformationen brauchen wir eine Strategie, um diese Bedrohung auf multinationaler Ebene zu bewältigen", unterstich die russische Beamte.

Sie fügte hinzu, dass die Straflosigkeit für Verbrechen gegen Journalisten in einer Reihe von Ländern, die in Frieden leben, sowie Ländern, die zu Konfliktzonen geworden sind, traurige Realität bleibe.

Der Vorschlag kommt zu einer Zeit, in der Russland zum wiederholten Male beschuldigt wird, gefälschte Nachrichten verbreitet zu haben, um sich in die Wahlen in den USA und in Frankreich einzumischen.

Im März beschuldigte der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron RT und Sputnik, absichtlich falsche Informationen zu verbreiten, um die Wahl zu beeinflussen. Die Helfer von Macron haben jedoch keinen einzigen festen Beweis für diese Vorwürfe vorgebracht.

Die ehemalige US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton machte ähnliche unbelegte Behauptungen, während sie sich verzweifelt bemühte, ins Weiße Haus zu kommen.

"Es sieht so aus, als würde Macron den gleichen Weg wie Hillary Clinton gehen. Ein sehr zweifelhafter Weg", äußerte Sacharowa im März zu den Anschuldigungen.

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