Facebook Instant Articles vor dem Scheitern: Namhafte Medienpartner steigen aus

Facebook Instant Articles vor dem Scheitern: Namhafte Medienpartner steigen aus
Was Kritikern zufolge früher oder später zur Kapitulationserklärung der traditionellen Medienverlage hätte werden können, ist vorerst geplatzt. Mit dem Ausstieg namhafter Partner dürfte das Projekt Facebook Instant Articles in den Startlöchern steckenbleiben. Es rechnet sich einfach nicht.
Nach der New York Times, dem Cosmopolitan und Forbes verabschiedet sich nun auch der britische Guardian von dem Facebook-Angebot Instant Articles. Die Zukunft der geplanten multimedialen Plattform zur Vermarktung journalistischer Inhalte ist damit ungewiss.

Zunächst war die Verunsicherung groß, als Facebook sich vor zwei Jahren anschickte, mit seinem Format Instant Articles den Verlagen den Rang abzulaufen. Digitale Vermarktung von Inhalten könne man im Silicon Valley eben besser, argumentierten Befürworter des neuen Modells. Im Ergebnis entschieden sich zahlreiche etablierte Medienhäuser, ihre Inhalte testweise als Instant Articles zu publizieren.

In Spitzenzeiten konnte Facebook über einhundert Partner für das Projekt vorweisen. Das Format sieht vor, dass Nutzer über ihre mobilen Endgeräte direkt im Facebook-Netzwerk auf journalistische Erzeugnisse anderer Anbieter in voller Länge zugreifen können.

Einblicke- die würde Facebook sicherlich gewinnen wenn es seine geplante Technologie zum direkten Tippen aus dem Gehirn verbreiten könnte

Der große Nachteil für die Verlage: Deren mühsam aufgebaute eigene Webpräsenzen werden dadurch immer irrelevanter. Denn welcher Nutzer soll noch die Homepage eines Zeitungsverlages anklicken, wenn dessen Artikel – von Algorithmen ausgewählt – komfortabel über den Facebook-Stream flattern? Jeder Klick bedeutet für den Endverbraucher eben auch zusätzliche Arbeit.

Modell ist finanziell unattraktiver als eigene Plattformen

Doch das System hat seine Schattenseiten für die Medienverlage. Obwohl Facebook den Medienhäusern zugestand, sich selbst Werbepartner für die Inhalte auf Instant Articles zu suchen und die daraus resultierenden Einnahmen im vollen Umfang zu behalten, haben große Medien sich nun entschieden, die Testphase abbrechen zu wollen. Die Monetarisierung der Inhalte sei auf den eigenen Plattformen schlicht einträglicher.

Bereits vor einigen Wochen zog sich die New York Times, und damit der prestigeträchtigste Partner des Facebook-Vorstoßes, aus dem Instant-Articles-Universum zurück. Es folgten Publikationen wie der Cosmopolitan und Forbes. Nun zieht auch der britische Guardian die Reißleine. Gleichzeitig verabschiedet sich das Traditionsblatt vom ähnlich gestalteten Service Apple News. Ein Sprecher des Medienunternehmens erklärte:

Wir haben umfangreiche Versuche mit Facebooks Instant Articles und Apple News durchgeführt, um zu erwägen, wie gut sie zu unseren journalistischen und geschäftlichen Zielen passen. Nach der Auswertung haben wir uns dazu entschieden, unsere Artikel-Veröffentlichungen auf beiden Plattformen zu stoppen.

Ohnehin bringt das Modell für etablierte Verlage Gefahren mit sich, die sich am ehesten mit den Veränderungen des Taxi-Gewerbes seit dem Start der Plattform Uber vergleichen lassen. Hat ein solches Netzwerk erst einmal eine gewisse Größe erreicht, verlagert sich schnell die Macht weg von den Marktteilnehmern hin zur dominanten Plattform, die plötzlich auch – Überraschung – die Spielregeln diktiert.

Doppeltes Risiko: Facebook filtert Themenkomplexe, Staat zensiert Facebook

Besonders im journalistischen Bereich kann dies den eigentlichen Sinn und Zweck der Anbieter vollends aushebeln. Denn eine dominante Plattform wie Facebook bestimmt letztlich auch, teils mit staatlicher Einmischung, über die Zensurregeln bezüglich der auf ihr zu verbreitenden Inhalte.

Sieht sich zunehmender Kritik ausgesetzt: Bundesjustizminister Heike Maas (SPD).

Und mehr noch: Ganze Themenkomplexe können automatisiert herausgefiltert oder in ihrer Sichtbarkeit minimiert werden, so dass eine zentralistische Medienplattform, wie Facebook sie mit Instant Articles aufzubauen gedachte, letztlich sogar die Macht über das gesellschaftliche und politische Agenda-Setting erringt.

Selbstredend wurde in den deutschen Medien nie eine kritische Debatte über diese Problematik geführt, stattdessen rangen die Medienhäuser um jeden vermeintlichen Strohhalm im Kampf gegen sinkende Klickzahlen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass am Ende der schnöde Mammon – von dem das Silicon-Valley-Unternehmen den Verlagen leicht mehr hätte bieten können - Facebooks Träume, ein Big Player des Journalismus zu werden, nun fürs Erste beendet. Mit dem Ausstieg namhafter Partner aus dem Projekt scheint eine Zukunft für Instant Articles kaum möglich zu sein.

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