Sry, mein Hirn hat sich vertippt - Facebooks Vision für Nachrichten direkt aus dem Gehirn

Sry, mein Hirn hat sich vertippt - Facebooks Vision für Nachrichten direkt aus dem Gehirn
Einblicke- die würde Facebook sicherlich gewinnen wenn es seine geplante Technologie zum direkten Tippen aus dem Gehirn verbreiten könnte
In dieser Woche kündigte Facebook die Entwicklung einer Technologie an, die es dem Nutzer ermöglichen soll, Hirnsignale direkt in Schrift auf dem Computer umzuwandeln. Dem Unternehmen erlaubt dies dann wohl Gedankenlesen, was es aber nach eigenen Angaben nicht vorhabe. Datenschützer kritisieren das Unternehmen bereits beim derzeitigen Stand der Technologie

Auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 im kalifornischen San José legte Facebook, die derzeit größte Social-Network-Plattform, am 18. und 19. April seine Pläne dar, wie es durch neue Formen der Interaktion in den kommenden Jahren weiter wachsen möchte. Es konzentriert sich dabei vor allem auf innovative Technologien für mobile Endgeräte, unter anderem in den Bereichen Augmented Reality (AR) und Künstliche Intelligenz (KI).

Facebooks Porgrammleiterin Regina Dugan sprach zudem über Entwicklungen, die es ermöglichen sollen, Nachrichten zu verfassen, ohne das Smartphone in der Hand zu haben, direkt vom Gehirn gesteuert. Damit sollen über Sensoren irgendwann circa 100 Worte pro Minute übermittelt werden können, das entspricht etwa dem fünffachen der üblichen Tipp- Geschwindigkeit mit den Fingern. Als Bonus dieser Technologie könnten sich Nutzer zusätzlich in Sprachen, die ihnen unbekannt sind, ausdrücken, indem Gedanken direkt in der Fremdsprache umgesetzt werden könnten.

Dugan zog Parallelen zu Forschungen der Stanford-Universität an einer Technologie, die einer gelähmten Frau das Schreiben ermöglicht, indem implantierte Elektroden die Gehirnimpulse messen und in acht Worte pro Minute umwandeln. Für seine Nutzer sieht das Unternehmen aber keine invasiven Implantate vor, sondern Sensoren auf dem Kopf, damit die Technologie sich ausbreiten könne. "Solche Technologie existiert heute nicht. Wir werden sie erfinden müssen", sagte Dugan. An dem Projekt der Facebook-Forschungsabteilung mit dem Titel Building 8 arbeiten derzeit 60 Personen.

Die Leiterin und Facebook-Sprecherin Dugan versicherte, dass damit nicht etwa plötzlich willkürlich Gedanken lesbar werden sollten, sondern lediglich solche, die an das Sprachzentrum weitergeleitet würden.

Tech-Invasion ohne Datenschutz

Der Gründungsvater des Internets, Tim Berners-Lee, sah dieses ursprünglich als nicht-kommerzielle Vernetzungstechnologie vor, die zum Austausch und für den Fortschritt der Menschheit dienen sollte. Doch wie viele Entwicklungen wurde auch diese später gegen das Interesse seiner Nutzer instrumentalisiert.

Grundrechte wie der Schutz der Privatsphäre werden von Sicherheitsbehörden ebenso wie von kommerziellen Unternehmen untergraben.

Datenspuren, die man über Nutzung von Tools, Suchanfragen, Klicks oder Online-Übersetzer hinterlässt, fließen in die Erstellung von Profilen, welche dann verkauft werden oder der Entwicklung künstlicher Intelligenz dienen. Damit werden unsere persönliche Interessen und Einstellungen zu Waren durchleuchtet.

Zwar könnte man in einigen Bereichen auf technische Möglichkeiten zurückgreifen, um dem Datenmissbrauch entgegen zu wirken, zum Beispiel durch das Verwischen der Spuren von Browserverläufen durch das Tool „Internet Noise“, das automatisch unsinnige Suchanfragen generiert, um von Suchverläufen abzulenken. Etwas Ähnliches für direkte Gedankenströme ist wohl kaum denkbar.

Und trotz gesetzlichem Schutz der Privatsphäre finden sowohl Sicherheitsbehörden als auch Unternehmen Möglichkeiten, an Daten zu gelangen. Erst im vergangenen März wurde bekannt, wie der Geheimdienst CIA aus seinem Konsulat in Frankfurt heraus Smartphones, Tablets und Fernsehgeräte zwecks Cyber-Spionage anzapft.

Damit umgehen womöglich nicht nur der amerikanische Geheimdienst die hiesigen Grundrechte, sondern auch seine Verbündeten. Außerdem bekommen interne Ableger sowie deren externe Dienstleister Zugang zu Daten, die dann wiederum für Hacks und Leaks anfällig werden.

Facebook hingegen überlässt seinen Nutzern nur vermeintlich die Kontrolle, indem es begrenzte Optionen und widersprüchliche Vereinbarungstexte anbietet. Dass die Leiterin der Forschungsabteilung „Building 8“, Regina Dugin, zuvor in der Militärforschung beim Pentagon und dem Internetriesen Google tätig war, erhöht das Vertrauenspotenzial nicht wirklich.

 

ForumVostok
MAKS 2017