Russland: Venusfigur nahe Brjansk gefunden: Was ist so besonders an dem Fund?

Russland: Venusfigur nahe Brjansk gefunden: Was ist so besonders an dem Fund?
Russische Archäologen haben während ihrer Ausgrabungen nahe der Stadt Brjansk eine gut erhaltene Venusfigur gefunden. Die Ausgrabungen in der Siedlung Chotyljowo scheinen reich an Funden zu sein, die vom Leben der Menschen im Altertum in dieser Gegend zeugen.

Archäologen der Russischen Akademie der Wissenschaften haben während einer Ausgrabung bei der Siedlung Chotyljowo eine Figur gefunden, die etwas mehr als fünf Zentimeter groß ist. Diese besteht aus dem Elfenbein eines Mammuts und soll vor 23.000 Jahren hergestellt worden sein.

Die Figur ist nicht geschliffen worden und ist daher etwas kantig. Das verleihe ihr einen besonderen Ausdruck, so der Historiker Kontantin Gawrilow, stellvertretender Leiter des Referats für Steinzeitliche Archäologie des Archäologieinstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Britische Archäologen wollen sich an Ausgrabungen auf der Krim beteiligen

"Die Epoche der Altsteinzeit, zu der wir das bei der Ausgrabung Gefundene zuordnen, war eine Zeit der frühen Kunst. Es scheint, dass die Menschen damals die ersten Schritte auf dem Weg des Kunsthandwerks gemacht hätten. Denn wir stoßen immer öfter auf wundervolle Stücke von kleinen Figuren, Gravuren und verzierten Gegenständen. Die Meisterstücke der Zeit sind durch ihren ausdrücklichen und idealen Charakter bemerkenswert. Sie überraschen sowohl Experten als auch gewöhnliche Menschen sehr", sagte Gawrilow.

Rituelle Bestattungen

Die gefundene Figur könnte zu rituellen Zwecken hergestellt worden sein. Sie wurde in der Nähe einer Ablagerung großer Mengen an Kieselschichten und Knochen eines Mammuts gefunden. Diese Knochen sind durch eine gelbliche oder rote Pigmentfarbe ockerfarbig gefärbt worden. Allem Anschein nach könnte die gefundene Venusfigur entweder Fruchtbarkeit oder Wohlstand der Welt im Ganzen bedeuten.

Die Statuette ist fast vollständig erhalten geblieben, abgesehen von Teilen der Brust und des Bauchs, die sich teilweise abgelöst haben. So etwas ist besonders selten. Üblicherweise sind solche Figuren zwischen fünf und 15 Zentimetern groß und werden zersplittert gefunden. Forscher sind der Meinung, dass sie absichtlich zerstört oder im Laufe eines besonderen Rituals beerdigt worden sind. Derartige Funde wurden auf unterschiedlichen Territorien gemacht. Die erste Statuette wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Südwesten Frankreichs gefunden. Später fand man auch in anderen Teilen Europas sowie in Zentralrussland und Sibirien ähnliche Figuren.

Ein Wissenschaftler zeigt die Tätowierung der 24-jährigen Frau, die 1993 im Altai-Gebirge gefunden wurde.

Von den Vorfahren aus der Interglazialzeit bis zu den russischen Fürsten

Der Ausgrabungsort, an dem die Venusfigur gefunden wurde, wird seit dem Jahr 2005 erforscht. Schon vor 21.000 bis 24.000 Jahren lebten dort Menschen. Archäologen haben in dieser Gegend viele Spuren von Behausungen, Feuerstellen und haushälterischen Gruben gefunden. Es wurde eine große Menge an Steinmessern, Schabmessern, Meißeln, Stoßspitzen, Knochengegenständen zum Nähen, kleinen Schaufeln aus Rippen, Verzierungen und Vorlagen für Waffen und Werkzeuge gefunden.

An sich werden in der Gegend von Chotyljowo schon seit 1993 Ausgrabungen durchgeführt. Die Funde zeigen, dass Menschen in dieser Gegend sogar schon vor 24.000 Jahren gelebt haben. Vor 125.000 Jahren sollen Neandertaler im Gebiet von Zentralrussland heimisch gewesen sein. Zwischen den Ablagerungen unter der jetzigen Erdschicht finden sich bis heute knochige Überreste von Tieren, die von prähistorischen Jägern erlegt wurden, sowie die Siliciumwaffen dieser Jäger.