Bundeswehr übernimmt Transport der umstrittenen Dresdner Kunst-Busse nach Berlin

Bundeswehr übernimmt Transport der umstrittenen Dresdner Kunst-Busse nach Berlin
Brachten Dresden in Fahrt, obwohl sie stillstehen: Die drei Busse der Installation "Monument" des Künstlers Manaf Halbouni. Wie reagiert Berlin?
Die Bundeswehr kämpft an allen Fronten. Feinde der Freiheit lauern schliesslich überall. Nun kündigt sich ein ganz besonderer Einsatz im Inneren an: Die Bundeswehr kümmert sich um den Transport des umstrittenen Bus-Kunstwerks nach Berlin.

Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit, sagte einmal der legendäre bayerische Komiker Karl Valentin. Arbeit kommt bald auch auf die Bundeswehr zu. Zusätzliche Arbeit, muss man wohl sagen. Überstunden womöglich. Doch diesmal werden keine Maschinengewehre oder Kampfjets benötigt. Auch keine Laptops, die neuerdings auch zur Ausrüstung gehören. Die Bundeswehr ist unterwegs im Auftrag der Kunst. Wie RBB-Online berichtet, werden die in Dresden abgebauten Busse nun in Berlin zunächst eingelagert und dann im November wieder der Öffentlichkeit präsentiert.

Den Transport in die Bundeshauptstadt habe die Bundeswehr übernommen, die das Kunstprojekt über ihr Militärhistorisches Museum in Dresden begleitet. Die Installation „Monument“ des Dresdner Künstlers Manaf Halbouni hatte zu heftigen Kontroversen geführt. Drei aufgestellte Buswracks vor der Frauenkirche in Dresden. Das Mahnmal sollte an die drei im syrischen Aleppo zum Schutz vor Heckenschützen aufgestellte Busse erinnern. Es war im Vorfeld des Gedenkens an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg am 13. Februar vor der Frauenkirche aufgestellt worden.

Wie politisch korrekt darf und muss Kunst sein? Die Installation

Als Vorlage diente ein Pressefoto aus dem kriegszerstörten Aleppo, auf dem eine Straßensperre aus hochkant stehenden Bussen zum Schutz vor militärischen Angriffen und Heckenschützen zu sehen war. Die Sache hatte nur einen Haken: Die Busse wurden offenbar von dschihadistischen Kämpfern der Ahrar al-Scham-Miliz aufgestellt. Vermutlich ging es damals in Aleppo nicht darum, mit den Bussen Zivilisten zu schützen, sondern eine Terrormiliz.

Der Künstler, der sich auf ein Reuters-Foto und einen Artikel im „Guardian“ als Vorlage bezieht, sagt, dass er das nicht gewusst hat. Zumal auf dem erwähnten Bild von Reuters die Fahne der Miliz, die auf einem der Busse weht durch die Wahl des Bildausschnittes nicht zu sehen ist. Kaum wurde dies bekannt, kam es zu massiven Protesten gegen das Kunstwerk. Dass die Proteste deutlich über das Ziel hinausschossen, in dem man unter anderem versuchte dem Künstler eine islamistische Agenda anzudichten, war bedauerlich.

Genauso bedauerlich ist allerdings auch die oberflächliche Auseinandersetzung eines Künstlers mit seinem Material. Der Konflikt in Syrien ist geradezu ein Paradebeispiel für eine verzerrte und einseitige Berichterstattung in den Medien. Wer in so einer Situation einfach ein Foto übernimmt, ohne weitere Fragen zu stellen, muss sich den Vorwurf der Naivität gefallen lassen. Letzten Endes ändert die unterschiedliche Deutung zwar nichts an der Botschaft des Künstlers, es ist und bleibt ein Anti-Kriegs-Werk, doch die Stadt Dresden und der Künstler haben bei der Sache keine gute Figur abgegeben.

Nun also Berlin. Die Installation soll ab November im Rahmen des 3. Berliner Herbstsalons vor dem Maxim-Gorki-Theater zu sehen sein, wie die Leiterin des Kunsthauses Dresden, Christiane Mennicke-Schwarz, gegenüber RBB-Online mitteilte. Dass nun ausgerechnet die Bundeswehr den Transport des Kunstwerks übernimmt, ist vermutlich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Doch auch hier hat der weise Karl Valentin einen Rat parat:

Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische.