Internationales Olympisches Komitee: Positive Dopingproben verheimlicht

Internationales Olympisches Komitee: Positive Dopingproben verheimlicht
Die 4x100-Meter-Staffel aus Jamaika gewann auch bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro die Goldmedaille.
Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) positive Dopingproben von jamaikanischen Sportlern "geräuschlos zu den Akten" gelegt. Die positiven Testergebnisse stammen von den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, wurden im Nachtest bei einigen Athleten der Olympischen Spiele 2008 in Peking Spuren von Clenbuterol gefunden. Clenbuterol ist ursprünglich ein Arzneistoff, um Asthma zu behandeln. Das Medikament wird jedoch auch illegal bei der Kälbermast und als Doping-Mittel eingesetzt. Unter anderem überführten Dopingkontrolleure die ehemalige Leichtathletin Katrin Krabbe und den Sieger der Tour de France 2007 und 2009, Alberto Contador, des Dopings mit Clenbuterol überführt und gesperrt.

Wer genau beim Nachtest zu den Olympischen Spielen von 2008 als Clenbuterol-Konsument aufflog, ist nicht bekannt. Doch laut der ARD spürten die Fahnder den Stoff auch in Proben von "männlichen Sprintern der Karibikinsel" auf. Das IOC und die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sollen jedoch, nachdem sie von den positiven Ergebnissen erfahren hatten, die Ermittlungen "geräuschlos zu den Akten" gelegt haben.

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Spezialisten hatten die Nachtests der Süddeutschen zufolge im Dopingkontrolllabor in Lausanne/Schweiz durchgeführt. Die positiven Dopingbefunde der jamaikanischen Sprinter erfuhren aber weder eine formale Bestätigung, noch hätten die erhebenden Stellen sie an die zuständigen Fachverbände weitergereicht. Der Chefmediziner des IOC, Richard Budgett, habe dies nicht gestattet, so die Süddeutsche. Für den Wirkstoff Clenbuterol gibt es in den Dopingregularien keinen Grenzwert. Das heißt: Jeder positive Fund gilt erst mal als Doping und muss untersucht werden.

Die Tatsache, dass weitere Ermittlungen nicht stattgefunden haben, ist umso überraschender, als das IOC keine Gelegenheit auslässt, seine Anti-Dopingbemühungen zu rühmen. Von "allerneuesten wissenschaftlichen Analysemethoden" ist da oft die Rede. Oder davon, dass Betrüger "keinen Platz haben, um sich zu verstecken".

Die offizielle Version des IOC zu der Frage, warum man nicht weiter ermittelt hatte, klingt so: Es seien zwar mehrere Athleten aus mehreren Ländern und mehreren Sportarten mit sehr niedrigen Clenbuterol-Werten aufgefallen. Jedoch seien alle unschuldig. Die Werte lägen laut IOC in einem Bereich, der beispielsweise auch durch verunreinigtes Fleisch hervorgerufen werden kann. Die Ergebnisse seien an die Wada weitergeleitet worden, die "nach sorgfältiger Prüfung" entschieden habe, dass es sich kaum um Missbrauch handele.

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Der Generaldirektor der Wada, Oliver Niggli wird jedoch in der Süddeutschen mit den Worten zitiert:

Wenn man dopt, ist Fleischkontamination eine perfekte Ausrede, sofern man erwischt wird. Aber so ist es eben.

Die These vom angeblichen kontaminierten Fleisch ist offenbar gängige Rechtfertigungsstrategie ertappter Sportler. Doch die These ist insofern nur schwer nachzuvollziehen, da heutzutage die meisten Athleten und Teams mit ihren eigenen Köchen und Lebensmitteln zu großen Wettbewerben anreisen. Angel Heredia, ehemals Drogenbeschaffer für Spitzenathleten und mittlerweile Kronzeuge der US-Justiz, sagte gegenüber der ARD:

Trainer aus Jamaika haben mich kontaktiert und gefragt, ob Clenbuterol für Sprinter geeignet sei.

Die Kontaktaufnahme sei unter anderem 2007 und 2008, vor den Olympischen Spielen in Peking erfolgt. Laut Heredia nutzten die Jamaikaner die Substanz, damit ihre Athleten besser Sauerstoff aufnahmen und sich besser regenerierten. Auf die Frage, ob die Jamaikaner in Peking mit Clenbuterol dopten, antwortete Heredia:

Hundertprozentig.

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