Thomas de Maizière: Der besondere Feinschmecker

Thomas de Maizière: Der besondere Feinschmecker
Haut gerne auf den Tisch. Sucht den Tisch vorher aber sorgfältig aus: Bundesinnenminister Thomas de Maizière.
Einen Feinschmecker erkennt man daran, dass er wählerisch ist. Das unterscheidet ihn von einem Gourmand, den man auch gerne mal "Vielfraß" schimpft. Der Gourmet wählt sorgfältig aus, was er isst und trinkt. Und wer spionieren darf - und wer nicht. Eine Glosse.

Wir wissen nichts über die kulinarischen Vorlieben des Bundesinnenministers Thomas de Maizière. Wir können nur darüber spekulieren, ob er lieber saftige Rinderhüftsteaks verdrückt oder vielleicht doch lieber auf Ente kross steht. Ob es ihn gastronomisch mehr in den Süden, sagen wir mal, nach Italien und zu einer gehaltvollen Minestrone, hinzieht oder ob seine Vorlieben doch eher im hohen Norden bei einem zünftigen Smørrebrød liegen.

Nur zwei Dinge wissen wir seit gestern mit großer Wahrscheinlichkeit: Thomas de Maizière mag keinen Kebab. Aber er steht nach wie vor auf Burger.

Dabei spielt es auch gar keine Rolle, um welchen Kebab es sich handelt. Es gibt ja bekanntlich verschiedenste Sorten. Gemüsekebab, Iskender Kebab, Şiş Kebap - um hier nur einige wenige zu nennen. Auch die Soße, scharf oder weiß, oder gar beides, ist nicht von Belang. Nein, der Connaisseur de Maizière hat sich eindeutig festgelegt: Es hat sich ausgespießt in Deutschland.

Schuld daran ist nicht die militante Veganerlobby, sondern vielmehr der in letzter Zeit immer öfter grimmig dreinschauende Herr mit Schnauzbart aus Ankara. Sie wissen schon.

Doch was hat unserem Bundesinnenminister derart den Appetit verdorben? Der türkische Staatspräsident soll auf deutschem Boden seine eigenen Mitbürger ausspioniert haben. Doch damit nicht genug: Er soll dafür sogar die Hilfe unseres BND angefragt haben. Mon Dieu! Der Minister soll darüber einen derart dicken Hals bekommen haben, dass er sein Baguette schwuppdiwupp einfach mal quer runtergewürgt haben soll. Was erlaube Erdoğan?

Als das Baguette verdaut war, sprach der Minister anschliessend folgende Worte. Schreiben Sie bitte mit, es handelt sich bei der Aussage um einen epochalen Leckerbissen:

Spionageaktivitäten auf deutschem Boden sind strafbar und werden von uns nicht geduldet. Das gilt für jeden ausländischen Staat und auch für jeden Nachrichtendienst.

Rumms, das hatte gesessen! Für einen Augenblick standen in Deutschland alle Dönerspieße still. Der Mann macht seinen Job. Das muss man ihm lassen. Endlich mal nicht der übliche labbrige politische Einheitsbrei. Stattdessen kernige Vollwertkost. In your face, sagen die Angelsachsen dazu.

Hans-Christian Ströbele traf den NSA-Whistleblower Edward Snowden 2013 in Moskau.

Doch die Sache hat einen Haken. Oder, um leicht abgewandelt mit Hamlet zu sprechen: Something is rotten in the state of Germany. Und es ist nicht der Bierschinken.

Unser Bundesinnenminister de Maizière ist vielleicht doch kein Feinschmecker. Vielleicht ernährt er sich sogar nur sehr einseitig, zumindest liegt der Eindruck nahe. Es ist eine gesicherte Erkenntnis, dass eine einseitige Ernährung früher oder später zu Mangelerscheinungen führt. Eine dieser Mangelerscheinungen ist Vergesslichkeit.

Wie anders ist es zu erklären, dass sich die US-amerikanischen Geheimdienste NSA und CIA laut WikiLeaks auf deutschem Boden an Daten pappsatt essen dürfen? Wobei essen der falsche Ausdruck ist - schlingen trifft es vermutlich besser.

Doch wenn es um Burger statt um Kebab geht, liegt das Salatblatt scheinbar anders. Wer will es dem Bundesinnenminister verübeln? Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.

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