Sauberes Land und Eisbären: Russischer Umweltminister Sergej Donskoi im Gespräch mit RT

Sauberes Land und Eisbären: Russischer Umweltminister Sergej Donskoi im Gespräch mit RT
In Russland startet 2019 das Abfallverwertungsprogramm Sauberes Land. Im Interview mit RT spricht der russische Umweltminister Sergej Donskoi über den Übergang zum neuen Verwertungssystem. Außerdem erläutert er Russlands Pläne in der Arktisforschung.

Herr Donskoi, im Vorfeld des internationalen Forums, das am 29. und 30. März in Archangelsk stattfinden wird, würden wir mit Ihnen gerne über die reiche Region der Arktis sprechen. Sie ist für das Land strategisch sehr wichtig und gilt zugleich als ökologisch sehr empfindlich. Uns ist bekannt, dass Ihr Ministerium Einsatzübungen zur Verhütung von Erdölunfällen plant. Bitte erzählen Sie uns von diesem Projekt.

Im Rahmen des Projektes "Jahr der Umwelt" führen wir groß angelegte Übungen durch. An diesen nehmen nicht nur spezielle Dienste und Staatsorgane teil, sondern natürlich auch die Konzerne, die an der Förderung des Erdöls in dem Gebiet beteiligt sind. Als Beispiel kann ich die Firma LUKOIL nennen. Das Unternehmen Rosneft nimmt als Beobachter teil. Gott sei Dank gab es bisher in der Arktis noch keine gefährlichen Unfälle, die zu einem Austritt von Erdöl geführt hätten. Die Einsatzübungen werden im Laufe eines Tages nach einem bestimmten Szenario durchgeführt. Zu Beginn der Übung wird simuliert, dass ein Schiff, das eine Förderplattform nach einem Bruch bedient, mit einem anderen Schiff kollidiert. Auf diesem Ablauf der Geschehnisse baut die weitere Übung auf. Alle möglichen Dienste beteiligen sich daran. […] Es werden viele Schiffe, Geräte und Menschen herangezogen. Wir sehen dieses Training als eine Art Vorbereitung und Übung der notwendigen Schritte, die wir bei einem Unfall unternehmen müssen. Für uns ist es natürlich sehr wichtig, im Nachhinein die gesamten Informationen auszuwerten und entsprechende verbindliche Richtlinien vorzubereiten, die es uns im Ernstfall erlauben, effektiver zu handeln.

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Wir würden gerne mehr über Russlands Erfahrung auf dem Einsatzgebiet der Eisdriftstationen erfahren. Soweit mir bekannt ist, hat das Land auf diesem Gebiet bisher reichlich Erfahrungen sammeln können.

Wir sind einer der erfahrensten Staaten auf diesem Gebiet. In diesem Jahr sind es 80 Jahre seit der Errichtung der ersten Eisdriftstation. Die letzte derartige Station, die wir geschaffen haben, ist die im Jahr 2015 aufgebaute Station mit dem Namen Nordpol 2015. Dorthin luden unsere Nordpolforscher ihre ausländischen Kollegen ein, um gemeinsame Untersuchungen durchzuführen. Meiner Meinung nach war das ein sehr erfolgreiches Projekt.

In diesem Jahr gelang es uns leider nicht, eine Polarstation einzurichten. Dies ist in erster Linie den Wetterbedingungen geschuldet. Es gelang uns nicht, eine passende Eisscholle zu finden. Außerdem stießen wir auf finanzielle Schwierigkeiten. Ich denke, dass es uns bis 2018 gelingen wird, ein derartiges Projekt auf die Beine zu stellen. Ich möchte anmerken, dass wir nicht stillstehen. Zurzeit diskutieren wir, wie wir die Organisation derartiger Stationen besser durchführen können. Früher setzten wir die Leute einfach auf eine Eisscholle und daraufhin haben wir die benötigte Infrastruktur aufgebaut. Dazu zählten vor allem die Zelte und die wissenschaftlichen Geräte. Heute diskutieren wir die Möglichkeit, eine Spezialplattform zu schaffen, auf der wir das ganze Jahr über in unseren Hoheitsgewässern Untersuchungen durchführen können. Wir hoffen, dass uns eine derartige Einrichtung erlauben wird, mehr Beobachtungen und Arbeiten durchzuführen.

Die Arktis ist die Heimat der Eisbären. Wir haben erfahren, dass in diesem Jahr, 2017, ein Treffen aller Länder in den USA geplant ist, die für den Schutz dieser Tierart auftreten. Wird Russland an dieser Veranstaltung teilnehmen? Wird es ähnliche Veranstaltungen auch hier geben?

Es ist so, dass es im Oktober letzten Jahres bereits eine Konferenz jener Länder gegeben hat, in denen Eisbären leben. Dort hat man entschieden, die internationale Sitzung vom Jahr 2017 auf den Anfang 2018 zu verschieben. Das ist mit einigen Schwierigkeiten aufseiten unserer US-amerikanischen Kollegen verbunden. Sie wollen unbedingt, dass eine Reihe wichtiger Spezialisten, die diese Tiere erforschen, auch an der Veranstaltung teilnehmen. Dieses Jahr möchten wir ein Treffen mit den US-amerikanischen Experten durchführen, das den Problemen bei der Rettung dieser Tierart gewidmet sein soll. Ein Termin dazu ist für den Herbst oder den Winter 2017 eingeplant. Es werden Fachleute teilnehmen und ich hoffe, es wird uns gelingen, unsere zukünftigen gemeinsamen Schritte zu besprechen. Im Jahr 2013 fand in Russland eine große internationale Konferenz jener Staaten statt, in denen die Polarbären beheimatet sind. Dort traten unter anderem auch Eingeborene jener Stämme auf, die sehr oft mit diesen Tieren zu tun haben. Es gab zudem viele Experten, die über die Population der Eisbären berichteten. Unserer Meinung nach gibt es eine Menge Fragen, die wir 2018 mit unseren Kollegen in den USA zu besprechen haben. Danach sind noch Konferenzen in Norwegen und Kanada geplant.

Wie empfinden Sie heute die Zusammenarbeit mit den westlichen Kollegen vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation?

Wissenschaftler pflegen ihre Kontakte und es findet eine aktiver Austausch statt. Ich möchte hierbei unterstreichen, dass die Wissenschaft einen apolitischen Charakter hat. Westliche Experten kommen nach Russland. Vor kurzem empfingen wir sie zu den Tagen der Arktis in Moskau. Das ist eine große Veranstaltung, die wir jedes Jahr in der Hauptstadt durchführen.

Dieses Jahr wurde in Russland das wichtige Projekt mit dem Namen Sauberes Land bestätigt. Es sieht die Schaffung einer Infrastruktur zur Verwertung von Abfällen sowie die Qualitätskontrolle von Mülldeponien vor. Gibt es irgendwelche Zwischenergebnisse in Bezug auf diesen Projekt?

Fangen wir damit an, dass dieses Projekt im Dezember 2016 abgesegnet wurde. Zunächst haben wir vor, jene Vorhaben umzusetzen, die noch 2015 und 2016 geplant wurden. Sie werden in absehbarer Zeit realisiert. Zum Beispiel werden wir im Archangelsker Gebiet eine Säuberung des Wasserschutzgebietes um den Fluss Mesen durchführen. Wir planen, diese Gegend von Tausenden Tonnen an Verunreinigungen zu säubern. Die Größe der Fläche, an der die Arbeiten durchgeführt werden, beträgt mehr als 3,5 Hektar. Im Ganzen beinhaltet das Projekt mehr als 20 Objekte, bei denen im Laufe einiger Jahre eine Säuberung des Territoriums durchgeführt werden soll. Sauberes Land sieht auch die Schaffung von 25 Pilotprojekten in unterschiedlichen Regionen unseres Landes vor, bei denen der Übergang auf ein neues Verarbeitungssystem für Abfälle umgesetzt werden soll. Das Projekt wird als Gesetzesvorschlag in ganz Russland bis 2019 etabliert werden. Außerdem werden vier Abfallverwertungsanlagen gebaut. Drei davon werden im Moskauer Gebiet und eine in Tatarstan entstehen.

Werden neue Recyclingtechnologien eingeführt? Als Beispiel möchte ich anmerken, dass in Ihrem Ministerium der Müll getrennt wird. Papier und Plastik sollten, wie in Europa, separat entsorgt werden. Viele Menschen, die heute bereits ihren Abfall sortieren, beklagen, dass ihr Müll im Anschluss trotzdem auf einen gemeinsamen Haufen kommt. Was tun?

Sortieren ist eines der wichtigsten Elemente in der Abfallverarbeitung. Das betonen auch unsere Kollegen im Ausland. Die Japaner und die Deutschen zum Beispiel sprechen davon, dass es ohne die Teilung von Müll sehr schwer sei, das Recycling zu optimieren. Das ist ein Schlüsselbereich. Die Trennung sollte nicht nur in der Verarbeitungsanlage, sondern auch schon in jedem Haushalt durchgeführt werden. Man muss verstehen, dass diese Frage uns in der nächsten Zeit alle betreffen wird. Wir werden gezwungen sein, Abfälle, die recycelbar sind, zu trennen. Alle müssen sich daran erinnern, wie zur Sowjetzeit Metalle, Papier und Glas recycelt wurden.

Bis zu welchem Jahr kann ein vollständiger Ausbau der Infrastruktur zur Abfallverarbeitung erwartet werden? Wird es dabei eine Zusammenarbeit mit anderen Behörden geben?

Bei dieser Frage arbeiten wir aktiv mit unterschiedlichen Behörden zusammen. Zu diesen gehören das Bauministerium, der Föderale Antimonopoldienst, das Entwicklungsministerium und das Finanzministerium. Außerdem haben wir unsere Kollegen vom Ministerium für Industrie und Handel einbezogen, die für den Bau der Verarbeitungsanlagen und die Einführung der neuen Technologien verantwortlich sind, die bei der Verarbeitung des Abfalls angewendet werden sollen. Der Kern der Gruppe, deren Teilnehmer am Etablierungsprozesses beteiligt sind, ist bereits gebildet.

Schon heute finden pro Woche mehrere Veranstaltungen und Besprechungen mit Vertretern der Regionen statt. Dort besprechen und diskutieren wir die notwendigen Maßnahmen, die uns helfen sollen, schnell das neue Recyclingsystems einzuführen. Was den Zeitrahmen angeht, so müssten alle Teile unseres Landes schon zum Jahr 2019 auf das neue System umgestiegen sein. In einigen von der Hauptstadt weit entfernten Subjekten der Russischen Föderation sowie in vielen kleinen Dörfern und Siedlungen sind wir auf illegale Mülldeponien gestoßen. Diese müssen natürlich geschlossen werden.

Ein Einkaufswagen, voll mit Plastikabfällen, steht verlassen auf der Friedrichstraße in Berlin.

Braucht man wirklich einen besonders zugeordneten Zeitraum, um sich mit Umweltproblemen zu beschäftigen?

Den Worten Wladimir Putins nach ist das so genannte Jahr der Umwelt nur eine Formalität. Es ist klar, dass ein so großes Projekt entwickelt wurde, um sich auf Fragen des Umweltschutzes zu konzentrieren. Alle sind mit den einen oder anderen Problemen konfrontiert. Vor allem trifft das natürlich auf jede Stadt zu, in der es viel Fahrzeugverkehr gibt. Der Einfluss der schädlichen Abgase auf die Atmosphäre ist sehr groß. Es gibt außerdem Probleme mit Produktionsstätten, die nicht modernisiert wurden. Es befinden sich große Mengen an Abfällen dort, die sich seit langer Zeit angesammelt haben. Es gibt viele Probleme. In jedem Fall ermöglicht das Jahr der Umwelt es uns, die Aufmerksamkeit aller, der Behörden und der Bevölkerung, auf den Schutz der Umwelt zu lenken.

Welche internationalen Veranstaltungen sind für das Jahr der Umwelt geplant?

Wir führen Veranstaltungen im Bereich der Umwelt und der Wirtschaft durch. Kürzlich gab es ein Forum in Sotschi, das Umweltproblemen gewidmet war. Letzte Woche organisierten wir in St. Petersburg die Tage des Baltischen Meeres. Im Mai findet das Newski-Umweltforum statt. Dieses wird nicht zum ersten Mal organisiert, aber dieses Jahr wird es großangelegter sein, denn es kommen viel mehr ausländische Experten. Außerdem veranstalten wir das zweite Jahr in Folge die Ausstellung ECOTECH, bei der die modernsten Maßnahmen zur Lösung von Umweltproblemen und der Verarbeitung von Abfall präsentiert werden.

Was tun Sie persönlich, um die Umwelt zu schützen?

Wenn ich kommunale Dienstleistungen in Anspruch nehme, bemühe ich mich, Ressourcen zu sparen. Meine Aufgabe ist es, den Umweltschutz effektiver zu machen. Jeder Mensch muss verstehen, dass wir alle die Verantwortung für die uns umgebene Umwelt tragen.