Saudi-Arabien: Heilige Jungfern zum Verkauf

Saudi-Arabien: Heilige Jungfern zum Verkauf
Prostituierte in Surabaya; Indonesien, 25. März 2014.
Ein Imam in Saudi-Arabien machte irdische Gelüste zum Geschäft und schuf einen Prostitutionsring, den er von seiner Moschee aus leitete. Auch in saudischen Königsgemächern wird Sünde begangen und gelebt. Die neue Generation sucht ihre Freiheit im Internet.

Der Imam, aus Bangladesch stammend, benutzte Dienstmädchen aus seiner Heimat, um mit ihm Sex zu haben. Anschließend reichte er diese dann gegen Gebühr an andere Männer weiter. Ein Video von seiner Verhaftung verbreitete sich in den sozialen Netzwerken des vom Wahhabismus geprägten Königreichs. 

In Saudi-Arabien gilt die Scharia. Im Strafrecht gibt es Prügelstrafen, Peitschenhiebe, Verstümmelungen, Steinigungen und die Todesstrafe. Ehebruch und vorehelicher Verkehr werden hart bestraft. Die Scharia verurteilt ebenso Nichtmuslime, auch wenn diese sich nur kurzfristig in Saudi-Arabien aufhalten.

Viele saudische Männer versuchen den strengen Regeln ihrer Heimat als Sex-Touristen in Indonesien zu entfliehen. Sie gehen Medienberichten zufolge so genannte Kurzzeit-Ehen für 300 Euro ein, um ihr Gewissen zu beruhigen. Auf diese Weise meinen sie, die strengen Regeln des Koran nicht zu verletzen. Gemeinhin bestreiten Gelehrte des sunnitischen Islam, dass es eine solche Praxis in diesem gäbe. Beobachtungen von den indonesischen Ferieninseln sprechen aber eine andere Sprache.

Gastarbeiter in Saudi-Arabien

WikiLeaks enthüllte 2013, was in Saudi-Arabien niemand hören wollte. Die Plattform berichtete von exzessiven Halloween-Parties unter den Dächern der Königshäuser - mit allem, was laut der islamischen heiligen Schrift haram (tabu) ist: Prostitution, Alkohol, unsittliche Kleidung und Musik.

Die junge Generation der Saudis will sich nicht mehr dem offiziellen Diktat eines ultra-orthodoxen Lebensstils in ihrem Land unterwerfen. Im Internet suchen sie nach der Freiheit, die ihnen das Königshaus verwehrt.

Zuletzt ging ein Video eines saudischen Teenagerjungen und eines gleichaltrigen amerikanischen Mädchens viral um die Welt. Für sein unmoralisches Verhalten erntete der Junge anschließend zwei Wochen Haft. Der als Rebell angesehene Mohammed Bin Salman, Sohn von König Salman, gilt seither jedoch als die Hoffnung der Jugend.

Seit 2015 scheint sich Saudi-Arabien, was kompromisslose Geschlechter-Rollenbilder anbelangt, aus der Not heraus zu wandeln. Mittlerweile dürfen Frauen Mandanten vor Gericht vertreten, medizinische Berufe ausüben und im Journalismus arbeiten. Diese Entwicklung ist Teil einer Notwendigkeit, die daraus entstanden ist, dass viele Familien auf ein zweites Einkommen angewiesen sind. Immer wieder fordern die saudischen Frauen deshalb auch das für sie geltende Fahrverbot heraus. Die Kosten für einen Fahrer sind nicht mehr im Budget vieler Familien abzubilden und die Ehemänner müssen deshalb ihre Frauen chauffieren. 

Da der Imam, der in Saudi-Arabien infolge seiner Zuhälter-Tätigkeit aufflog, ein Immigrant ist, vermischten sich die moralischen Urteile der Internetnutzer mit rassistischen Äußerungen. Der Fall erinnerte an einen Imam ägyptischen Ursprungs, der zu einem früheren Zeitpunkt den Bereich für Frauen in seiner Moschee alleinstehenden Arbeitern vermietet hatte, damit diese sich dort vergnügen konnten.

Obwohl 1964 die Sklaverei in Saudi-Arabien offiziell untersagt wurde, werden die Gastarbeiter aus Bangladesch und anderen Staaten wie moderne Sklaven gehalten. Misshandlungen und Vergewaltigungen sind nicht unüblich. Die neuen Herren nehmen den Hausmädchen und Gastarbeitern ihre Pässe ab. Einige ostasiatische Länder wie Indonesien untersagen ihren Bürgern mittlerweile, als Gastarbeiter in die Golfstaaten zu gehen. Was das Schicksal der Frauen aus Bangladesch anbelangt, die für den Imam als Prostituierte arbeiteten, ist dieses nicht bekannt. Hier dürfte das Gesetz der Scharia jedoch keine Gnade kennen.