Wenig Grund zur Freude: Der internationale Tag des Wassers

Wenig Grund zur Freude: Der internationale Tag des Wassers
Ein Frau sucht im Dorf Baligubadle nahe Hargeisa nach Wasser; Somalia, 15. März 2017.
Nicht überall ist dieser Tag ein Grund zur Freude: Wasser, das Grundbedürfnis des Menschen, ist vielerorts zu einer knappen Luxusware geworden. Dabei dient eine verbesserte Wasserversorgung der Gesundheit ebenso wie dem wirtschaftlichen Wachstum.

In Kalifornien, dem einstigen Paradies an der amerikanischen Westküste, besprühten im letzten Sommer Anwohner aus Mangel an Wasser ihre vertrockneten Rasenflächen mit grüner Farbe, um ihnen Glanz zu verleihen.

Vom sonnigen Kalifornien über den Nahen Osten bis hin nach Australien trocknet die Erde aus und die Bewohner vieler Regionen kämpfen mit zunehmenden Dürren. Mehr als zwei Drittel des weltweit verbrauchten Wassers bewässert die Landwirtschaft. Zwei Millionen Menschen sehen das Grundwasser, auf das sie angewiesen sind, in gefährlichem Maße schwinden.

Im Jahr 2009 führte die Wasserknappheit im Jemen zu Aufständen. Ein Vorgeschmack auf die Wasserkriege von morgen. Am 22. März begeht die Welt den internationalen Tag des Wassers, zieht Bilanz und blickt vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen in eine düstere Zukunft. 

Gleiche Rechte für Fluss und Mensch: Neuseeland behandelt Whanganui River als Person

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte heute, seit 1990 hätten 2,6 Milliarden Menschen mithilfe von Initiativen verbesserten Zugang zu Trinkwasser erhalten. Aber 663 Millionen fehlt dieser nach wie vor. Über 80 Prozent des Abwassers wird in die Umwelt geleitet, ohne jegliche Form der Behandlung. Derzeit sind 1,8 Milliarden Menschen auf Trinkwasser angewiesen, das mit Fäkalien verseucht ist.

Bis zum Jahr 2040 wird eines von vier Kindern weltweit in Regionen mit geringen Wasserressourcen leben. Von Hitze und Dürre geplagt, kämpfen heute mehr als 36 Länder gegen extremen Wassermangel. Verunreinigtes Wasser und geringe Hygiene führen zu Krankheiten wie Cholera, Diarrhoe, Hepatitis A, Typhus und Polio.

Rund 15 Prozent der Infektionen, die sich Patienten in Krankenhäusern holen, gehen auf mangelndes Wassermanagement und nicht ausreichende Hygiene zurück. Bilharziose befällt weltweit 240 Millionen Menschen im Jahr. Dabei handelt es sich um eine entweder akut oder chronisch auftretende Krankheit, verursacht durch Parasitenwürmer.

Eine schlechte Wasserversorgung nimmt zudem auch Kindern die Zukunft. Besonders Mädchen und Frauen sind die Leidtragenden, denn in Entwicklungsländern und auch Schwellenländern wie Indien ist die Beschaffung von Wasser oftmals Frauensache. Wären stundenlange Märsche und das Warten an Wasserausgabestellen nicht mehr notwendig, könnten Frauen und Mädchen stattdessen an Schule und Berufsleben teilnehmen.

Im Zuge des Welt-Wasser-Tages sprach die UNESCO einen möglichen Lösungsansatz vor, um das Abwassermanagement weltweit zu verbessern. Während Industrienationen etwa 70 Prozent ihres Abwassers aufbereiten, sind es in Entwicklungsländern nur schwindende acht Prozent. Das anschaulichste Beispiel für das Recycling von Wasser bietet die internationale Raumstation. Hier trinken die Astronauten aufbereiteten Urin und nutzen das recycelte Wasser, um sich zu waschen. Auch in Singapur und im kalifornischen San Diego ist die umfassende Wiederaufbereitung zum Zwecke der Trinkwasserversorgung bereits Realität.

Kontrolliertes Abbrennen von ausgeflossenem Öl im Golf von Mexiko; 13. Juni 2010.

Jedes Jahr sterben unterdessen 842.000 Menschen an Diarrhoe durch verunreinigtes Trinkwasser. Darunter sind 361.000 Kinder. In Afrika, Asien und Lateinamerika sterben jährlich 3,5 Millionen Menschen aufgrund von Krankheiten, die durch Wassermangel entstehen. Kriege und Konflikte in Nigeria, Somalia, im Südsudan und im Jemen lassen die Menschen ohne Wasser.

Im Jahr 2017 werden auch in Äthiopien mehr als neun Millionen Menschen keinen gewährleisteten Zugang zu Trinkwasser haben. Im vergangenen Jahr identifizierte der Bericht des World Economic Forums die Wasserkrise als die größte Bedrohung, die im kommenden Jahrzehnt auf uns zukommen wird.

Bereits heute zeichnen sich die Kriege von morgen um das Luxusgut Wasser ab. Indien und Pakistan streiten um die Nutzung des Wassers aus Flüssen, die über die Grenzen hinweg fließen und drohen mit Eskalation. Jordanien sieht sich angesichts der Flüchtlingsströme aus Syrien kaum in der Lage, die Menschen mit Wasser zu versorgen, in Indien nehmen sich Bauern das Leben, weil die Dürre ihre Existenz vernichtet.

Jaques Yves Cousteau mahnt dazu:

Wir vergessen, dass der Zyklus des Wassers und der Lebenszyklus eins sind.