Kiew stellt Bedingungen für russische ESC-Sängerin - Kreml nimmt Stellung

Die Sängerin Julia Samoilowa in Sotschi 2014.
Julia Samoilowa tritt während der Eröffnungsfeier der Winter-Paralympics in Sotschi 2014 auf.
Der ukrainische Abgeordnete Anton Geraschtschenko will bei der russischen Auswahl zum ESC mitreden. Die Rollstuhlfahrerin Julia Samoilowa träumt seit ihrer Kindheit von der Teilnahme am ESC. Kiew will diese nun von politischen Argumenten abhängig machen.

Die russische Teilnahme am so genannten Eurovision Song Contest im Mai 2017 in Kiew droht wieder zum politischen Tauziehen herabzusinken. Für die jüngsten Spekulationen in Russland sorgte am Montag der ukrainische Politiker Anton Geraschenko. Er fungiert als eine Art Pressesprecher der Regierung, der Aussagen zu allen möglichen Fragen trifft.

Für Aufsehen sorgte nun seine Warnung, die er in einem Interview mit dem russischen Radiosender Goworit Moskwa ("Hier spricht Moskau") zur Sprache brachte:

Wenn Julia Samoilowa die Annexion der Krim und die Aggression gegen die Ukraine nicht öffentlich unterstützt, sehe ich kein Problem. Wenn sie Künstlerin ist, freuen wir uns, wenn Vertreter des russischen Volkes auftreten werden.

Sollte sie dagegen für politische Provokationen eingespannt werden, dann werden wir dagegen sein und Schritte unternehmen, um ihre Einreise zu verhindern", machte Geraschenko deutlich.

Konnte trotz bester Platzierung beim Publikumsvoting nicht gewinnen: Der russische Vertreter beim ESC Sergey Lazarev (mitte)

Dass diese Drohung ernstzunehmen ist, wissen bereits 14 russische Künstler, denen Kiew wegen ihrer Position zur Frage der Angliederung der Krim an Russland sowie zum Ukraine-Konflikt insgesamt seit dem Jahr 2014 die Einreise verweigert. Darunter befinden sich solche Berühmtheiten wie der aus dem Donbass stämmige Sänger Iosif Kobson und der Satiriker Michail Sadornow. 

Es ist aber unwahrscheinlich, dass Julia Samoilowa irgendwelche politische Aussagen tätigen wird. Sie betont ihre Ferne zur Politik und ist überdies glücklich, dass ihr Traum, beim europäischen Gesangwettbewerb aufzutreten, nun wahr werden kann. Sie wird nach Kiew mit dem Lied "Flame Is Burning" reisen, wie der russische Fernsehsender Perwyj kanal (Erster Kanal) heute meldete.

Die 27-Jährige gewann in Russland bereits mehrere Gesang-Wettbewerbe. Für Millionen Zuschauer ist sie durch ihre Teilnahme an der von der russischen Star-Sängerin Alla Pougatschowa produzierten Fernseh-Show Faktor A im Jahre 2013 in Erinnerung geblieben. Die Sängerin sitzt seit ihrer Kindheit aufgrund einer Muskelatrophie im Rollstuhl. Nun hofft sie, dass sie trotz einer kürzlichen Operation genug Kraft für einen guten Auftritt haben wird.

Ein Priester hebt seine Hände auf einer Kundgebung im Zentrum von Simferopol am 28. März 1998. Damals lebten 271.000 Tataren auf der Krim.

Nach den Spekulationen in der russischen Presse zum Vorstoß des ukrainischen Abgeordneten sah sich auch der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow genötigt, Stellung zu beziehen:

Ich würde das Wort 'Provokation' an dieser Stelle gar nicht verwenden. Dies ist die Wahl des Ersten Fernsehkanals, der die Teilnehmer am Wettbewerb wählen kann. Der Song 'Flame Is Burning' hat wahrscheinlich das Juri am meisten beindruckt", so der Kreml-Diplomat.

Er äußerte auch die Hoffnung, dass Kiew den international anerkannten Regeln des Gastgeberlandes folgen wird.

Der Sieg der ukrainischen Sängerin krimtatarischer Abstammung Jamala mit dem Lied "1944" im letzten Jahr in Stockholm, das Abstimmungsverhalten einiger Teilnehmerländer und Eskapaden der ukrainischen Delegation ließen die Diskussion über eine zunehmende Politisierung des Künstlerwettbewerbs wiederaufflammen. Der diesjährige Wettbewerb findet in Kiew am 9., 11. und 13. Mai statt. Der Auftritt von Julia Samoilowa ist für den zweiten Tag geplant.

ForumVostok
MAKS 2017