Wissenschaftliche Erkenntnis: Arktisches Eis würde auch bei Erreichen des Klimaziels schmelzen

Wissenschaftliche Erkenntnis: Arktisches Eis würde auch bei Erreichen des Klimaziels schmelzen
Polarbären an der Beaufortseeküste; 6. März 2007.
Der größte Eisschild der Erde schwindet. Etwa 200 Nationen setzten sich im Jahr 2015 ein Klimaziel. Wissenschaftler stellen nun fest, dass auch eine erfolgreiche Umsetzung dieses Ziels die Arktis nicht mehr retten würde.

Im Pariser Abkommen zur UN-Klimakonferenz von 2015 ist ein ökologisches Ziel verankert, dem sich 200 Nationen verschrieben haben. Um weniger als zwei Grad soll sich demnach die Temperatur auf der Welt erhöhen. Angestrebt ist eine Temperaturerhöhung von 1,5 Grad Celsius. Damit dies erreicht werden kann, müssten, so führende Klimaforschungsinstitute, die Treibhausgasemissionen bis 2060 gleich null sein. Fossile Energieträger dürfen gar nur noch bis 2040 verbrannt werden und ein Umstieg auf erneuerbare Energien sei notwendig.

Wissenschaftler nennen Gründe für möglichen Weltuntergang

Aber jüngste Erkenntnisse der Wissenschaft lassen die Freude über die globale Initiative so schnell schwinden wie die Sonne, oder vielmehr der Klimawandel als solcher, das Eis der Arktis. James Screen und Daniel Williamson von der Universität Exeter in Großbritannien, fassten im Journal für Klimawandel zusammen:

Das Zwei-Grad-Klimaziel erscheint als unzureichend, um eine eisfreie Arktis zu verhindern.

Tatsachen geben James Screen und Daniel Willamson Recht. In weniger als 40 Jahren hat sich das Sommereis fast halbiert. Das Schwinden des arktischen Eises hat weitere Effekte auf das Klima.

Der so genannte Eis-Albedo-Rückkopplungseffekt lässt, so heißt es weiter, die Temperaturen zusätzlich ansteigen. Vor der Schmelze reflektierten nämlich Schnee und Eis Sonnenlicht ins All. Ohne dieses wird sich, so die Forscher, die dunkel gefärbte Oberfläche des Landes und des Wassers weiter erhitzen. Die Temperaturen in der Arktis liegen knapp über dem Gefrierpunkt, was diesen empfindlichen ökologischen Lebensraum schnell aus dem Gleichgewicht bringen kann.

Skeptiker hingegen sprechen von natürlichen Zyklen und unter Berufung auf Daten des US National Snow and Ice Data Centers davon, dass sich die Eisschmelze in der Arktis nach einem deutlichen Rückgang seit 1979 Mitte der 2000er beruhigt habe und insgesamt sogar ein gegenteiliger Effekt zu erkennen sei. Zudem zeichne sich in der Antarktis eine deutliche Abkühlung ab.

Der weltweit aktivste Vulkan Mauna Loa auf Hawaii. USA, 19. Juni 2014.

Ökonomen sehen einem möglichen Wegschmelzen unseres größten Eisschildes der Erde positiv entgegen. Das freigelegte Eis biete neue Wege, um die noch unberührte Gegend wirtschaftlich zu erschließen.

Weltweit befinden sich in der Arktis 20 Prozent der noch unangetasteten Öl- und Gasvorkommen, die dann erschöpft werden könnten. Neue Schifffahrtswege könnten dem Handel den Weg bahnen. Bereits vor zwei Jahren hatte der damalige US-Präsident Obama der Royal-Dutch-Shell-Gruppe die Bohrung nach Öl in der Arktis genehmigt.

Shell hatte lange auf diesen Tag gewartet. Kritiker befürchteten, dass es im Falle einer Störung schnell zu einer Umweltkatastrophe kommen könnte, bis entsprechende Rettungsmaßnahmen für die Natur in der fernen Arktis eintreffen könnten. Doch vor dem Amtsantritt Trumps hatte Obama kurzfristig neue Bohrungen in der Arktis per Gericht untersagt.

Das betroffene Gebiet erstreckt sich von der Chuckchi-See bis hin zur Beaufortsee. Donald Trump hatte angekündigt, aus dem Pariser Abkommen aussteigen zu wollen. Nach Obamas Gesetzeserlass müsste sich Trump jedoch vor einer Ausschöpfung weiterer Ressourcen zunächst seinen Weg freiklagen.