Erste Frau im Weltall: Acht spannende Fakten über die rasante Karriere von Walentina Tereschkowa

Erste Frau im Weltall: Acht spannende Fakten über die rasante Karriere von Walentina Tereschkowa
Walentina Tereschkowa, die erste Frau im Weltall
Am Montag dem 6. März feiert Walentina Tereschkowa ihren 80. Geburtstag. Die sowjetische Kosmonautin wurde mit 26 Jahren zur ersten Frau im Weltall. Ihre Karriere war aufregend und entwickelte sich rasch bergauf. Dennoch gibt es einige Fakten über ihr Leben, die der Öffentlichkeit kaum bekannt sind.

Geheime Mission als Wettbewerb im Fallschirmspringen getarnt

Tereschkowa war die Tochter eines Traktoristen und einer Fabrikarbeiterin. Sie stammt aus einem Dorf in der Nähe von Jaroslawl in Zentralrussland.

In ihren frühen 20er Jahren war sie schon Regionsbeste im Fallschirmspringen und hatte bereits 90 Sprünge absolviert, als sie von mehr als 400 Bewerbern ausgewählt wurde, um mit einem Raumschiff zu fliegen.

Walentina Tereschkowa während ihres Trainings im Fallschirmspringen

Später stellte sich heraus, dass nicht nur ihre Erfahrungen beim Fallschirmspringen eine Rolle bei ihrer Auswahl spielten. Ebenso wichtig waren ihr Herkunft und ihr Charakter, um als erste sowjetische Frau in den Orbit geschickt zu werden.

Vier weitere Kandidatinnen wurden für die Mission im Jahr 1962 ausgewählt. Die fünf jungen Frauen durchliefen zusammen ein monatelanges und extrem hartes Training. Doch Nikolai Kamanin, der für ihre Ausbildung verantwortlich war, hat Tereschkowa ausgesucht und sie als die geeignetste Kandidatin erachtete.

Bis zum erfolgreichen Start wurde die gesamte Mission als geheim eingestuft. Am Tag des Fluges sagte Tereschkowa ihrer Familie, dass sie an einem Wettbewerb im Fallschirmspringen teilnimmt. Walentinas Mutter erfuhr die Wahrheit erst aus dem Radio, als ihre Tochter schon im Weltraum die Erde umkreiste.

4.250 Minuten im Raumschiff Wostok-6

Walentina Tereschkowa wurde am 16. Juni 1963 zur ersten Frau im Weltraum, nachdem ihr Raumschiff Wostok-6 erfolgreich vom Kosmodrom Baikonur, im heutigen Kasachstan, abgehoben war.

Die 26 Jahre alte Kosmonautin mit dem Rufzeichen Tschaika (Möwe) verbrachte fast drei Tage, genauer 70 Stunden und 50 Minuten im Raumschiff. Sie umkreiste die Erde 48 Mal. Ihre Mission dauerte länger als die gesamte Zeit, die die US-Astronauten bis zu diesem Moment im Weltraum verbracht hatten.

Tereschkowa ist bis heute die einzige Frau, die allein auf einer Weltraummission gewesen ist.

Bitte um Brot und Erbrochenes im Raumanzug

Das Essen war durchaus eine Herausforderung für die Kosmonauten.

"Das Brot ist alt – ich esse es nicht. Ich bat um schwarzes Brot, Kartoffeln und Zwiebeln. Das Wasser ist kühl und angenehm. Säfte und Beefsteaks waren auch in Ordnung. Ich erbrach einmal, das war aber nicht wegen Gleichgewichtsstörungen, sondern wegen des Essens", schrieb Tereschkowa über ihr Kosmonauten-Essen aus der Tube in ihr Tagebuch.

Jedoch behauptete sie später, dass Fischkonserven und ein Zitronenkuchen, die sie vor dem Flug aß, der Grund für ihr Erbrechen waren.

Die sperrige Raumanzug wurde auch zu einer Herausforderung, als er zu reiben begann. Der Druck im Helm nahm so stark zu, dass Tereschkowa vor Schmerzen schrie. Irgendwann fing sie an, Lieder zu summen, um sich von der Qual abzulenken.

Als die Kommandozentrale versuchte, sie für die letzten Besprechung vor der Landung zu erreichen, und die Kosmonautin anrief, nahm diese die Anrufe nicht entgegen. Das Bodenteam schaltete daraufhin die Kamera ein und fand sie schlafend im Raumschiff vor.

Aufnahmen von Walentina Tereschkowa durch die Bordkamera

Abgebrochene Bleistifte und großer Fehler im Kontrollprogramm

Während der Weltraummission gab es eine ernste Notsituation an Bord, die die Kosmonautin sehr lange geheim hielt.

Erst vor Kurzem hat Tereschkowa öffentlich bekanntgegeben, dass es während der Mission im Jahr 1963 einen Fehler im Steuerungsprogramm ihres Raumschiffs gab. Es stieg im Orbit auf, statt abzusteigen. Sie berichtete der Kommandozentrale von Bord der Wostok-6 aus, dass es Probleme mit der Steuerung des Raumschiffs gab. Unter Anleitung aus der Zentrale gab sie die richtigen Daten manuell in das Programm ein, um auf die Erde zurückkehren zu können.

Nach der erfolgreichen Landung kam Sergej Koroljow, der leitende sowjetische Raketeningenieur, zu ihr und bat sie darum, niemandem über den Vorfall zu erzählen.

Im Weltraum konnte Tereschkowa ihr Protokoll nicht einhalten. Sie sagte, dass sie nicht dazu in der Lage war, denn beide ihre Bleistifte waren abgebrochen.

Landung mit einer verletzten Nase

Walentina Tereschkowas Wostok-6 Raumkapsel landete am 19. Juni 1963 in der russischen Region Altai im südlichen Sibirien. Es war eine ziemlich harte Landung für die Kosmonautin, da sie Schwierigkeiten bei der Kontrolle des Fallschirms hatte.

Tereschkowa erinnerte sich daran, dass sie vom starken Wind getragen wurde und während ihres Sinkflugs sogar für eine kurze Zeit auf dem Kopf stand. Als es ihr endlich gelang, den Fallschirm abzuschnallen, verletzte sie sich bei der Landung die Nase.

Landung neu aufgesetzt

Die Ärzte Tereschkowas mussten ihren Bluterguss am Tag nach ihrer Landung retuschieren, damit die Szene ihrer Landung nachgestellt werden konnte. Die Kosmonautin wurde wieder in ihre Kapsel gesetzt und Schauspieler spielten die Leute, die zu ihr gerannt waren. Einer der Schauspieler öffnete die Kapsel, in der eine Pionierin mit einem unversehrten und lächelnden Gesicht saß.

Diese Filmaufnahmen gingen dann um die ganze Welt.

Mutter des ersten Kindes eines Kosmonauten-Paares

Tereschkowa heiratete im selben Jahr Andrijan Nikolajew, den dritten sowjetischen Kosmonauten. Das weltweit erste "Weltraum-Ehepaar" mit einer aufwendigen staatlichen Hochzeit, bei der sogar das sowjetische Oberhaupt zu dem Zeitpunkt, Nikita Chruschtschow, anwesend war.

Es gab Spekulationen darüber, dass die Ehe auf Geheiß von Wissenschaftlern durchgeführt wurde, die die Auswirkungen von Weltraumflügen auf die Fortpflanzung untersuchen wollten.

Im Juni 1964 gebar Tereschkowa ihr erstes und einziges Kind, eine Tochter namens Elena. Das Mädchen war das erste Kind der Welt, dessen Eltern beide Kosmonauten waren.

Im Jahr 1982, als ihre Tochter volljährig wurde, haben Tereschkowa und Nikolajew sich scheiden lassen.

Karriere in der Politik

Nach ihrem triumphalen Flug wurde Walentina Tereschkowa zu einer weltweiten Berühmtheit, die sich aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben beteiligte.

Ab den späten 60ern war sie für fast 20 Jahre Vorsitzende des Komitees der sowjetischen Frauen. Diese Organisation hatte das Ziel, die Bemühungen der Frauen in der UdSSR und anderen Ländern im Kampf für Frieden und Sicherheit unter den Nationen zu vereinen.

Im heutigen Russland wurde die ehemalige Kosmonautin in die Duma, das Unterhaus des russischen Parlaments, gewählt. Sie wurde auch zur stellvertretenden Vorsitzenden des außenpolitischen Ausschusses der Duma.

Zum 50. Jahrestag ihrer bahnbrechenden Weltraummission erhielt Tereschkowa von Präsident Wladimir Putin eine der höchsten russischen Auszeichnungen: den Alexander-Newski-Orden.

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