Elektroschrott: Zwischen Recycling und Schwarzmarkt

Elektroschrott: Zwischen Recycling und Schwarzmarkt
In Accra, Ghana arbeiten auch Kinder auf großen Mülldeponien als Burner.
Elektronische Geräte befinden sich heutzutage in jedem Haushalt. Sobald das Smartphone nicht mehr funktioniert, holt man sich einfach ein neues. Alles Alte schmeißt man in die gelbe Tonne. Was mit diesem Elektroschrott passiert, nimmt aber gravierenden Einfluss auf das Ökosystem. Dabei stellen das energetische Recycling und die Elektroschrott-Mafia die größten Probleme dar.

Die Geschichte der Menschheit ist eng damit verbunden, Rohstoffe zu gewinnen. Schon unsere Vorfahren nutzten Feuerstein, Bronze und später auch Eisen, um sich zu schützen. Die Werkzeuge sicherten das Überleben. Der Konsum an Rohstoffen ist seit der Industrialisierung exponentiell gestiegen, sodass der moderne Mensch von einer Vielfalt an Materialien abhängig geworden ist.

Elektronische Geräte dominieren dabei den deutschen Markt maßgeblich. Laut einer Studie der United Nations University aus dem Jahre 2014 werden jährlich weltweit 40 Millionen Tonnen Elektroschrott produziert. Der größte Erzeuger sind die USA. Dort fallen pro Jahr circa sieben Millionen Tonnen an. Die Deutschen erzeugen jährlich schätzungsweise zwei Millionen Tonnen Elektroschrott. Das Land nimmt somit Platz vier – hinter China und Japan – ein. Mit anderen Worten leben wir in einer Wegwerfgesellschaft.

Die Geräte enthalten viele toxische, umweltgefährdende Stoffe wie Cadmium oder das Schwermetall Quecksilber. Und nicht nur das – auch Kunststoffverbindungen. Von den sechs Millionen Tonnen Kunststoff, die jährlich verbraucht werden und in der gelben Tonne landen, wird mehr als die Hälfte über die sogenannte thermische Abfallbehandlung abgeschafft.

Ein japanischer Schneeaffe badet in einer heißen Quelle in der Stadt Yamanouchi; 17. Februar 2008.

Das ist zwar nicht sonderlich effizient in Sachen rohstofflicher Wiederverwendung. Aber so wird der Müll schnell und billig verwertet. Die dadurch erzeugte Energie machen sich die Recyclingbetriebe zunutze. Auch Edelmetalle sowie Seltene Erden sind zu großen Mengen im Elektroschrott enthalten. An diese gelangt man am besten, wenn man die Kunststoffe verbrennt, die sie umhüllen. Die negativen Folgen auf die Umwelt sind dabei natürlich schrankenlos. Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, erklärt:

Viele Geräte haben eine zu kurze Lebensdauer. Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel. Die Herstellung der Produkte verbraucht wertvolle Ressourcen; Schadstoffe und Treibhausgase belasten Umwelt und Klima.“

Im umliegenden Gebiet um zwei Metall-Recyclingbetriebe in Gremberg, Köln, berichten außerdem Ärzte, dass dort überdurchschnittlich viele Patienten an Asthma erkranken. Bei Vergleichsuntersuchungen mit anderen Praxen stellt sich heraus, dass das Risiko, eine Lungenerkrankung zu bekommen, in Gremberg um ein Drittel höher ist als in anderen Stadtteilen. Und das bei der hohen Qualität der deutschen Recyclingkonzerne, wo strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Schon im Dezember 2016 protestierten hunderte Aktivisten gegen die Fracking-Anlage in Lancashire

Aber nur 50 Prozent des anfallenden Elektronikabfalls in Deutschland werden auch in Deutschland verarbeitet. Der Rest des Schrotts erreicht die Sammelstellen, Deponien und Recycling-Betriebe gar nicht:

Es werden schätzungsweise 150.000 Tonnen Schrott über den Hamburger Hafen in Länder außerhalb der EU exportiert. Noch einmal so viel verlässt uns über den Landweg.", so Knut Sander, Leiter einer Studie des Beratungsinstituts Ökopol.

300.000 Tonnen verfrachten Händler jährlich illegal ins Ausland. Und obwohl schon diverse Kontrollaktionen in die Wege geleitet wurden, boomt der Schwarzmarkt weiter.

In weiten Teilen Afrikas und Ostasiens zünden sogenannte Burner (deutsch: Verbrenner) das Material an, lassen die thermoplastischen Polyene verbrennen und sammeln übrig gebliebene edle Metalle wie Silber und Gold. Auch Lithium gilt als wertvoller Rohstoff. Die gewonnenen Metalle verkaufen die Händler dann weiter. Mit den dreckigen Geschäften verdienen sie Unmengen an Geld. Unter den Burnern gibt es auch viele Kinder, die auf den Mülldeponien arbeiten müssen. 

Die Arbeiter hingegen atmen, während sie die kunststoffumhüllten Laptops, Kühlschränke und Smartphones verbrennen, die giftigen Schadstoffe direkt ein. Viele von ihnen erkranken an Krebs oder haben mit lebensgefährlichen Atemproblemen zu kämpfen. Die giftigen Gase und Flüssigkeiten gelangen zudem in umliegende Gewässer und Böden, belasten das Ökosystem und die Bevölkerung. Vor allem in Indien, China und auf den größten Mülldeponien der Welt in Ghana.

Was man tun kann: Zum einen sollten die Sicherheitsmaßnahmen an Häfen noch stärker reguliert werden. Außerdem sollte sich das Konsumverhalten der Deutschen maßgeblich ändern. Der Müll sollte an den richtigen Stellen entsorgt werden. So auch die Präsidentin des Umweltbundesamtes:

Wir müssen über Mindestanforderungen an Produktlebensdauer und Qualität nachdenken – eine Art Mindesthaltbarkeit für Elektro- und Elektronikgeräte. Gleichzeitig werden viele Geräte ersetzt, obwohl sie noch gut funktionieren. Es ist daher genauso wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Produkte länger nutzen“