Fußballclub Celtic Glasgow überweist über 200.000 Euro an palästinensische Organisationen

Fußballclub Celtic Glasgow überweist über 200.000 Euro an palästinensische Organisationen
Ein Meer aus palästinensischen Fahnen während des Champions-League-Spiels zwischen Celtic Glasgow und dem israelischen Club Hapoel Be´er Sheva am 17. August 2016 im Celtic Park.
Am Anfang ging es um knapp 10.000 Euro: Celtic Glasgow wurde letztes Jahr von der UEFA bestraft, weil Fans während eines Spiels gegen den israelischen Verein Hapoel Be´er Sheva palästinensische Fahnen geschwenkt hatten. Die Fans sammelten jedoch deutlich mehr.

Der schottische Fußballclub Celtic Glasgow ist international bekannt für seine einmalige Fankultur. Die Fans des 47-fachen schottischen Meisters sind sogar preisgekrönt: Im Jahr 2003 verlieh die UEFA dem Club den Faiplay-Preis als Auszeichnung für seine besonderen Fans. Doch dieselbe UEFA verdonnerte Celtic auch schon zweimal zu Strafzahlungen.

Die erste Strafe wurde im Jahr 2014 ausgesprochen. Während eines Qualifikationsspiels für die Champions-League gegen KR Reykjavik wehten überall im Celtic Park palästinensische Fahnen. Die UEFA verbietet jedoch seit jeher politische, ideologische und religiöse Botschaften in den Stadien und rund um die Wettbewerbe. Der Club musste 20.000 Euro Strafe zahlen.

Im Jahr 2016 erfolgte dann die zweite Strafe. Auch diesmal wurden im Stadion wieder palästinensische Fahnen geschwenkt. Bei einem Champions-League Spiel gegen den israelischen Vertreter Hapoel Be´er Sheva.

Wieder wurde eine Strafe von Seiten der UEFA verhängt, diesmal rund 10.000 Euro. Nachdem die Strafe bekanntgegeben wurde, sammelten die Celtic Fans Spenden unter dem Motto „#matchthefineforpalestine“, um die Strafe für ihren Verein zu bezahlen. Dabei kam deutlich mehr Geld zusammen als benötigt.

Insgesamt wurden offenbar bis zu 176.076 britische Pfund gesammelt. Das sind mehr als 200.000 Euro. Das Geld wurde letzten Samstag in Form eines Schecks an die Organisationen Medical Aid for Palestinians (MAP) und dem Lajee Centre, einer palästinensischen Organisation, die sich um Kinder im Flüchtlingscamp in Betlehem kümmert.

Schon vor der Partie im Jahr 2016 gegen Hapoel Be´er Sheva gab es Befürchtungen, dass sich zahlreiche Celtic-Anhänger zum Israelisch-Palästinensischen Konflikt äußern würden. Über 1.200 Fans hatten vor dem Champions-League-Spiel gegen Beer Sheva ihre Teilnahme am Facebook-Event „Fly the flag for Palestine, for Celtic, for Justice", (Zeig Flagge für Palästina, für Celtic, für Gerechtigkeit) zugesichert.

In einem langen Statement sprachen die Fanaktivisten von „israelischer Apartheid, Siedlerkolonialismus und unzähligen Massakern am palästinensischen Volk". Die schottische Polizei rief im Vorfeld der Partie dazu auf, dass die Fans das Mitbringen der Flaggen unterlassen sollten und die Anhänger deswegen sogar laut schottischer Gesetzgebung verhaften werden können.

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Der Universitätsdozent Sean Huddleston aus Schottland, ein glühender Celtic-Fan, hat eine Theorie, warum es immer wieder zu einer Solidarisierung zwischen Celtic-Fans und Palästina kommt. Er glaubt, dass die Antwort in der eigenen Historie des Clubs liegt. Gegenüber „Vice Sports“ sagte er:

Ein Celtic-Fan, der sich mit Irland verbunden fühlt, kann sich aufgrund der wahrgenommenen Parallelen zwischen dem irisch-republikanischen und dem palästinensischen Kampf leicht mit der palästinensischen Sache identifizieren.

Der Club Celtic Glasgow wurde 1887 von irischen Armutseinwanderern in Schottland gegründet. Es gibt nicht wenige unter den Celtic Fans, die auch mit der Irish Republican Arm (IRA) sympathisieren. Sie sehen Parallelen zwischen dem Kampf der IRA gegen die Briten und empfinden die Engländer als Besatzer. Schon im Jahr 2012 sorgten Mitglieder der Celtic-Ultras „Green Brigade" für Aufsehen, als sie ihre Solidarität mit palästinensischen Gefangenen im Hungerstreik bekundeten. 

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