Heftige Medienschelte: Papst Franziskus erleichtert sich

Heftige Medienschelte: Papst Franziskus erleichtert sich
Make The Church Great Again: Zumindest was die Deutlichkeit der Ansprache anbelangt, scheint der Wahlkampf Donald Trumps auch die hohe Geistlichkeit inspiriert zu haben.
Koprophilie und Koprophagie. Da lohnt es sich wieder, dass Wörterbuch hervorzukramen. Papst Franziskus kritisiert in einem Interview in Belgien die Medien in scharfer Form und beweist, dass man auch auf Altgriechisch ordentlich auf den Putz hauen kann.

Eine Trigger-Warnung vorab: Jetzt wird es unappetitlich. Unter Fäkalsprache versteht man gemeinhin einen vulgären und ordinären Sprachstil. Auf gut Deutsch: Gossensprache. Dass sich der gleiche Effekt aber in distinguierter Form nicht weniger deutlich erzielen lässt, offenbart das Interview von Papst Franziskus in der aktuellen Ausgabe des belgischen Magazins "Tertio".

In einem Interview mit der katholischen Zeitschrift vergleicht der Papst die Leser von Skandalnachrichten mit Menschen, die der Verzehr von Exkrementen sexuell stimuliert. Wörtlich äußerte der 79-Jährige:

Ich denke, die Medien sollten klarer und transparenter sein und nicht, entschuldigen sie den Ausdruck, in eine Koprophilie verfallen, die stets bereit ist, Skandale und widerliche Dinge zu verbreiten, so wahr sie auch sein mögen.

Im Auge des Sturms: Besonders auf Facebook soll gegen sogenannte

Er fügte hinzu:

Und da die Menschen dazu tendieren, an Koprophagie zu leiden, kann das sehr gefährlich sein.

Koprophagie ist ein Begriff aus der Biologie. Man versteht darunter eine Ernährungsweise von Tieren, die zeitweise oder dauerhaft mit dem Verzehr von Ausscheidungen verbunden ist. Bei Menschen ist Koprophagie der Ausdruck für eine seltene und schwerwiegende Essstörung, das Pica-Syndrom.

Papst Franziskus sprach im Interview davon, dass die Medien eine große Verantwortung hätten, aber auch gefährlichen Versuchungen ausgesetzt seien:

Sie können zum Rufmord versucht werden und Menschen verleumden und beschmutzen, vor allem in der Welt der Politik.

Die Medien hätten kein Recht dazu, Menschen zu diffamieren. Es richte Schaden an und sei eine Sünde. Der Papst ging auch auf jenes Phänomen ein, das von der einen Seite durch das Schlagwort "Lügenpresse", von der anderen durch den Begriff "Fake News" beschrieben wird, nämlich einseitige und tendenziöse Berichterstattung - die selbstverständlich immer nur die jeweils anderen betreiben:

Desinformation ist vielleicht das Schlimmste, was ein Medium anrichten kann, weil sie die Meinung in eine Richtung lenkt und einen Teil der Wahrheit weglässt.

Über Desinformation und "Fake News" wurde vor allem im Zusammenhang mit der US-Präsidentschaftswahl und dem Brexit-Votum in Großbritannien berichtet. Doch selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel sah sich veranlasst, im Hinblick auf die Bundestagswahlen in 2017 vor so genannten "Fake News" zu warnen.

Papst Franziskus ist allerdings nicht die erste und vermutlich auch nicht die letzte Person des öffentlichen Diskurses, die aus Kot eine Metapher macht. So werden zum Beispiel als Sinnbild für die Perversionen des Faschismus und der Konsumgesellschaft die Protagonisten in Pier Paolo Pasolinis Film "Die 120 Tage von Sodom" aus dem Jahr 1975 gezwungen, Fäkalien zu essen.

Wie man Scheiße zu Gold macht, zeigte auch noch ein weiterer Italiener: der 1963 verstorbene Konzeptkünstler Piero Manzoni. Im Jahre 1961 füllte Manzoni jeweils 30 Gramm seiner eigenen Fäkalien in 90 Dosen und verschloss diese hermetisch. Die Dosen wurden durchnummeriert und mit „merda d'artista“ (Künstlerscheiße) beschriftet. Anschließend verkaufte Manzoni die Dosen zum damals aktuellen Goldpreis.

Überhaupt scheinen es die italienischen Künstler mit den Exkrementen zu haben: Im September dieses Jahres weihte das Guggenheim-Museum in New York eine neue Toilette ein. Diese besteht aus 18 Karat Gold und wurde vom Künstler Maurizio Cattelan entworfen. Wie es um den heiligen Stuhlgang bestellt ist, konnte hingegen nicht ermittelt werden.