Pläne für 2017? – Global Peace Index gibt Einblicke in eine düstere Zukunft

Pläne für 2017? – Global Peace Index gibt Einblicke in eine düstere Zukunft
Zum zehnten Mal wird der „Globale Friedens Index“ herausgegeben. Die Ergebnisse lassen uns in eine düstere Zukunft blicken. Die Weltpolitik hat versagt, Konflikte bleiben ungelöst und verschärfen sich weiterhin, der Terrorismus wird zur globalen Bedrohung.

von Olga Banach

Zum zehnten Mal wird der „Globale Friedens Index“ (GPI) vom unabhängigen Think-Tank „Institut für Ökonomie und Frieden“ herausgegeben. Der Konflikt im Mittleren Osten hat die Welt unsicher werden lassen und die unsicheren Staaten wurden noch unsicherer. Die friedlichste Region ist Europa, aber es drohen auch hier interne Konflikte durch Terrorismus für Länder wie Belgien, Großbritannien und Frankreich, die in die Konflikte des Mittleren Ostens tief involviert sind. Lediglich zehn der 163 untersuchten Länder sind frei von Konflikten: Botswana, Chile, Costa Rica, Japan, Mauritius, Panama, Katar, die Schweiz, Uruguay und Vietnam. Das sicherste Land ist weiterhin Island.

81 Länder verbesserten sich im Punkteindex der Untersuchung, aber 79 verschlechterten ihre Situation. Hierzu zählen der Jemen, Libyen und Bahrain. Die Verschlechterungen waren größer als die Verbesserungen. Es herrscht somit eine größere Kluft zwischen den friedvollen Ländern und denen, die es nicht sind. Folglich spiegelte sich dies in einer allgemeinen Verschlechterung wieder. 2015 wurden Syrien, Irak, gefolgt von Afghanistan und dem Südsudan, als die konfliktreichsten Länder gekürt. Syrien ist weiterhin das unsicherste Land in 2016.

Von 2007 bis 2015 waren 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Todesfälle durch Terrorismus stiegen um 80 Prozent. 78 Prozent dieser 80 konzentrierten sich auf Afghanistan, Irak, Nigeria, Pakistan und Syrien. Das Institut merkt in seinem Bericht an, dass der Terrorismus tendenziell zu einer globalen Bedrohung wird, denn zwischen 2008 und 2016 stieg der Einfluss des Terrorismus in allen Ländern.

Gefährliches Weihnachten: US-Außenministerium warnt vor möglichen Terroranschlägen in Europa

Europol warnt, dass die Taktiken des IS, wie Autobomben, Erpressung und Geiselnahme nach Europa exportiert werden. Libyen entwickle sich laut Europol als eine Terrordrehscheibe für IS-Mitglieder, um nach Europa zu gelangen. Eine Schwächung des IS in Syrien und dem Irak bedeute keinesfalls eine Verbesserung der Lage der Gefahrensituation innerhalb Europas. Denn dann werde sich der IS Europa zuwenden. Hinzu kommen Gefahren durch „clean skins“ Täter - diejenigen Radikalen, die sich keiner terroristischen Gruppe angeschlossen haben und im eigenen Namen handeln.

In einer jüngsten Rede des US-Präsidenten Barack Obama über die amerikanische Interventionspolitik: „Als wir beschlossen, wie die Antwort sein muss, weigerten wir uns, die Fehler zu wiederholen, die wir 2003 bei der Invasion (in den Irak.-RT) begangen hatten, was zur Entstehung der Organisation beitrug, welche sich in den IS verwandelt hatte.“

Im Bericht heißt es: „Von den neun Ländern (Syrien ausgenommen) mit den meisten Opfern interner Konflikte im 'Global Peace Index' 2016, hatten hierunter nur drei (Afghanistan, Irak, Südsudan) vor neun Jahren eine nennenswerte Anzahl von Opfern. Die übrigen Länder (Mexiko, Nigeria, Jemen, Ukraine, Zentral Afrikanische Republik) haben einen Ausbruch von neuen Konflikten zu verzeichnen.“ Afghanistan verzeichnete einen 427 prozentigen Anstieg an Gewalt zwischen 2008 und 2016. Boko Haram wurde im Jahr 2014 in Nigeria die tödlichste Terrorvereinigung. Die jemenitische Revolution von 2011 entwickelte sich in einen Bürgerkrieg mit katastrophalen Auswirkungen für die Bevölkerung, die durch internationale Involvierung in den Konflikt verschärft wurden.

Von den neun Ländern (außer Syrien) mit den meisten Todesfällen durch interne Konflikte des GPI von 2016, hatten im Jahr 2008 nur vier Länder Todesfälle durch interne Konflikte.

Donald Trump indessen erteilte der US-Interventionspolitik eine Absage: „Wir möchten kein Militär, das durch weltweite Einsätze in Gebieten, in denen wir nicht sein sollten, ausgelaugt und erschöpft ist. Das Militär wird nicht länger überfordert werden.“

Während aber die weltlichen Ausgaben für die Gewalt durch steigende Militarisierung stetig wachsen, sind die Ausgaben für den Frieden verschwindend gering. Die ökonomischen Auswirkungen von Gewalt beziffert das Institut auf 13,6 Billionen Dollar für 2015. Wenn man diese auf die weltweiten Einwohner umrechnet, kommt man auf 1.876 US Dollar für jeden Erdbewohner. Diese Zahl beinhaltet direkte und indirekte Kosten. Zu den direkten Kosten zählen: Medizinische Versorgungskosten für die Opfer von Gewalt, Sicherheitsausgaben und juristische Ausgaben. Indirekte Ausgaben werden durch Arbeitsausfälle verursacht, die durch physische und psychische Verletzungen entstehen. Auch die Atmosphäre der Angst bei den Einwohnern, die ihr Verhalten ändern und ihre Teilnahme am öffentlichen Leben einschränken, spielt hier eine Rolle.

Das Institut gibt auch eine Lösung zu einer weltweiten Verbesserung der Gefahrensituation vor. Es unterscheidet zwischen dem positiven und negativen Frieden. Der negative Frieden ist die bloße Abwesenheit von Gewalt und führt zu keinerlei Stabilität. Der positive Frieden aber beinhaltet das aktive Wirken der Institutionen und der Gesellschaft zur Bewahrung von Frieden. Der positive Frieden beruht auf acht Faktoren: Gute Verbindungen zu Nachbarländern, gutes Wirtschaftsklima, Akzeptanz der Rechte Anderer, hoher Standard des Humankapitals, geringe Korruption, eine gut funktionierende Regierung, freier Fluss an Informationen und die Gleichverteilung von Ressourcen.

Deutschland schafft es im internationalen Vergleich auf den 16. Platz mit einem hohen Friedensanteil. Einen sehr hohen Anteil erreichen lediglich elf Länder mit Island, Dänemark und Österreich an der Spitze.

Der gesamte Bericht kann hier als PDF-Datei runtergeladen werden.

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