Indien: Wasser nur für die Reichen - ein Blick in die Zukunft

Indien:  Wasser nur für die Reichen - ein Blick in die Zukunft
Laut Meteorologen wird das Jahr 2016 das heißeste Jahr auf der Erde. Ein Büffel badet in einer ausgetrockneten Pfütze, Ajmer, Indien, Mai 2015.
In den Armenvierteln Neu Delhis sitzt die wirtschaftsschwache Bevölkerung auf dem Trockenen. Ungeplante Siedlungen machen sich breit und Wasser wird zum Luxusgut, das sich eine Wassermafia zu eigen macht. In Indien wirft die Auswirkung des Klimawandels deutliche Schatten voraus.

von Olga Banach

Der UN zufolge wird im Jahr 2030 die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten leben. Der Blick auf Neu Delhi lässt erahnen, welche Probleme dann auf die Menschen und Regierungen zukommen. Delhi ist heute die zweitgrößte Stadt weltweit. Jedes Jahr ziehen etwa 78.000 Migranten in die Megastadt in der Hoffnung auf ein besseres Leben. In Delhi aber herrscht Wasserknappheit und Korruption. Die UN hat im Jahr 2010 festgelegt, dass Wasser ein Grundrecht ist.

Nicht aber in Neu-Delhi. Die Bewohner der Armenviertel bevölkern illegal erbaute Behausungen in den ungeplanten Kolonien der Stadt ohne Anschluss an die Versorgung. Die Politik versagt bezüglich einer Verbesserung der Lebenssituation dieser Menschen. 

Bis heute spielt bei der Diskriminierung mit der Wasserversorgung die Zugehörigkeit der Kaste eine Rolle. Die unterste Kaste bilden die „Unberührbaren“.  Ihr Geburtsstigma führt zu einer Verweigerung von Trinkwasserausgaben. Die meisten illegalen Kolonien sind auf Wasserlieferungen privater Anbieter angewiesen. Die fehlende Transparenz in der indischen Politik treibt die Korruption bei Wasser an, so das Netzwerk für Wasser-Integrität (WIN).  

Die letzten drei Jahre brachten jeweils wieder einen weltweiten Temperaturanstieg mit sich. Vor allem in den Schwellenländern ziehen die Hitzerekorde Dürre nach sich. In Indien kommt es deshalb nun sogar zu Verteilungskämpfen ums Wasser.

Die bürokratischen Prozedere sind für die ungebildeten Armen undurchschaubar und die Politiker für sie unerreichbar. Diese Atmosphäre lädt illegale Parteien ein, um mit dem überlebenswichtigen Gut Handel zu treiben. Private Wassertanker geben Wasser in den Armenvierteln nur in nicht ausreichender Menge aus und in unregelmäßigen Rhythmen. Auseinandersetzungen zwischen den Einwohnern, die stundenlang an der Wasserausgabe warten müssen, sind die Folge.

Die Frauen und Mädchen sind die Leidtragenden. Mädchen werden nicht zur Schule geschickt, Frauen können nicht arbeiten gehen. Auch sind Gesundheitsprobleme die Folge einer mangelnden Trinkwasserversorgung. Nur diejenigen, die Bestechungsgelder an die privaten Lieferanten zahlen können, stehen besser da.

Die Regierung Delhis hat ein fünf Mann starkes Wasser-Komitee ins Leben berufen, welches sich einen Überblick über die Versorgungslage in den Slums verschaffen soll. In den Slums rund um Colaba musste das Komitee feststellen, dass aus den von der Regierung installierten Wasserhähnen der Haushalte kein Wasser fließt, da die Wassermafia das Wasser vorher entwendet und dann wiederum an die Bewohner verkauft. 

Das Wasserproblem Indiens beschränkt sich nicht nur auf Megastädte wie Delhi. Im Staat Punjab ist die Versorgungslage besonders schlimm und treibt Landwirte in den Ruin und sogar in den Selbstmord.

Dass der Kampf um Wasser zu internationalen Spannungen führt, ist auch im Verhältnis zwischen Indien und seinem pakistanischen Nachbarn sichtbar. Ein jahrzehntelanges Wasserabkommen, die Wasserentnahme aus den zwischen den Ländern fließenden Gewässern regelnd, wird nun ausgesetzt, um die wachsenden Bevölkerungszahlen zu versorgen.