Zum 300. Todestag: Gottfried Wilhelm Leibniz - Ein universaler Geist

Zum 300. Todestag: Gottfried Wilhelm Leibniz - Ein universaler Geist
Gottfried Wilhelm Leibniz - ein Universalgelehrter, der bis heute nachwirkt.
"Beim Erwachen hatte ich schon so viele Einfälle, dass der Tag nicht ausreichte, um sie niederzuschreiben." - Leibniz. Ein Blick auf das Leben des großen Denkers der frühen Aufklärung, der heute vor 300 Jahren gestorben ist.

Heute vor 300 Jahren starb Gottfried Wilhelm Leibniz in Hannover. Der gebürtige Leipziger hinterließ ein umfangreiches Vermächtnis, das sich auf fast alle damals bekannten Wissensbereiche erstreckte. Er gilt daher als Universalgelehrter; für viele war Leibniz sogar der letzte seiner Art. Aufgrund seines Schaffens zählt er heute zu den wichtigsten Vertretern der Frühaufklärung. Doch der Universalist wird heute allzu oft auf die missverstandene Idee der „besten aller möglichen Welten“ reduziert, die Voltaire in seiner Novelle „Candide oder der Optimismus“ verspottete. Diese Sichtweise wird dem philosophischen Kollos, dessen facettenreiches Werk bis heute nachwirkt, nicht gerecht.

Geboren wurde Leibniz 1646 in Leipzig. Er stammt aus einer intellektuellen, protestantischen Familie: Sein Vater war Jurist und Professor für Moralphilosophie, seine Mutter war Tochter eines Juraprofessors. Schon mit jungen Jahren brachte er sich selbst Latein und Griechisch bei und beschäftigte sich mit mathematischen Fragen.

Ernst Neiswestny bei einem Interview im Jahr 2000.

Leibniz studierte in Leipzig und Jena. Als er mit 20 Jahren zum Doktor der Rechte promovieren möchte, verwehren ihm die Leipziger Gelehrten aufgrund seines Alters diesen Wunsch. Daher verfasste er seine Dissertation an der Universität Altdorf in Nürnberg.

Nach seiner erfolgreichen Promotion arbeitete der junge Leibniz eine Zeit lang für das Mainzer Erzbistum. Nebenbei entwarf er zusammen mit dem Hofrat Hermann Andreas Lasser eine Reform des römischen Rechts.

Er wurde 1672 als Gesandter nach Paris geschickt, wo er König Ludwig XIV. vorschlug, Ägypten zu erobern, was dieser jedoch ablehnte. Während seines Aufenthaltes in Paris widmete er sich dem Studium der Mathematik. Kurz darauf stellte er seine Rechenmaschine der Londoner Royal Society, der britischen Wissenschaftsakademie, vor. Diese scheint er begeistert zu haben, da sie ihn in ihre Reihen aufnahm.

1676 ernannte ihn Johann Friedrich, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, als Hofbibliothekar in Hannover. Diesen Posten behielt Leibniz bis zu seinem Tod. Die neue Stabilität führte jedoch nicht dazu, dass seine Schaffenskraft erschlaffte. Er war ein außerordentlich aktives Mitglied der res publica literaria, der Republik der Gelehrten, die das Netzwerk der europäischen Wissenschaftler bezeichnet. Er korrespondierte schriftlich mit mehr als 1.000 Gelehrten und anderen Zeitgenossen. Er beschäftigte sich weiterhin mit Problemen und Phänomenen aus den unterschiedlichsten Wissensbereichen.

Anfang des 18. Jahrhunderts initiierte die Gründung von drei Wissenschaftsakademien, deren Nachfolger bis heute bestehen: die Sozietät der Wissenschaften in Brandenburg-Preußen sowie zwei weitere in Wien und Sankt Petersburg.

Foto: Gert Ewen-Ungar

Leibniz starb 1716 im Alter von 70 Jahren in Hannover. Während seinen Lebzeiten veröffentlichte er nur einen Bruchteil seines Schaffens. Der Ausnahmegelehrte hinterließ etwa 20.000 Briefe und mehr als 100.000 Notizen. Viele dieser Manuskripte wurden auch heute  noch nicht veröffentlicht.

Sein Wirkungsbereich umfasst unter anderem die Philosophie, die Rechtswissenschaften, die Mathematik, die Biologie, die Geschichte, die internationale Politik und die Sprachwissenschaften. Zu seinen bekanntesten Beiträgen zählen die Monadentheorie und die Infinitesimalrechnung. So beeinflusste Leibniz bedeutende Denker des 18. Jahrhunderts wie Kant und Hegel, aber auch zeitgenössische Philosophen wie Hans Heinz Holz.

 

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