"Eine Art von Mysterium": Trauer um Songwriter-Legende Leonard Cohen

"Eine Art von Mysterium": Trauer um Songwriter-Legende Leonard Cohen
Der legändere Musiker Leonard Cohen starb im Alter von 82 Jahren.
"I've seen your flag on the marble arch and love is not a victory march, it's a cold and it's a broken Hallelujah": Wie erst heute bekannt wurde, starb am Montag der legendäre Poet und Musiker Leonard Cohen im Alter von 82 Jahren in Los Angeles.

Wie seine Biografin Sylvie Simmons bestätigt, ist der bekannte kanadische Dichter, Sänger und Songwriter Leonard Cohen bereits am Montag im Alter von 82 Jahren in Los Angeles gestorben. Weitere Details über die Umstände seines Todes sind bis dato nicht bekannt. Obwohl bekannt war, dass Cohen zeitlebens an Depressionen litt, gibt es keine Hinweise auf einen unnatürlichen Tod.

Erst kürzlich im Oktober 2016 war Cohens mittlerweile 14. Studioalbum mit dem Titel 'You Want It Darker' erschienen. Im Jahre 2008 hatte der Musiker seine erste Tournee nach einer 15-jährigen Pause absolviert, im Jahre 2010 trat er mehrfach auch in Deutschland auf.

Cohen, der erst im Alter von 13 begann, das Gitarrenspiel zu erlernen, und mit 17 Jahren in einer Country-Folk-Band spielte, konnte bereits erste Erfolge als Dichter und Novellist feiern, ehe er in den 1960er Jahren als Solo-Musiker die Konzertsäle eroberte.

Leonard Cohen konnte in den Staaten mit den größten Musikmärkten im Laufe seiner Karriere acht Mal die Silberne Schallplatte, 18 Mal Gold und zehn Mal Platin holen. Im Jahr 2008 erhob man ihn in die Rock and Roll Hall of Fame, 2013 wurde er in Kanada mit dem Juno Award ausgezeichnet, 2015 erhielt Leonhard Cohen für sein musikalisches Gesamtwerk die so genannte Nachtigall der deutschen Schallplattenkritik.

Die tatsächliche Bedeutung Cohens als musikalischer Poet lässt sich jedoch nicht an den Verkaufszahlen seiner Alben oder der Häufigkeit seiner Auszeichnungen festmachen. Viel schwerer wiegt der tatsächliche Einfluss, den seine Musik und seine Lyrik auf die Fachwelt, die Musikerkollegen und das Publikum entfalten konnten.

David Bowie als Headliner beim Glastonbury Rockfestival im Jahr 2000.

Gemessen daran gehörte Cohen zu den wirkmächtigsten Künstlern seiner Epoche. Seine weltweite Fangemeinde verzehrte sich nach seinen oft tief melancholischen, atmosphärischen und manchmal auch außerordentlich spirituellen Stücken über Liebe, Glaube und Weltseele, die er mit der für ihn charakteristischen rauen Stimme vortrug.

Seine frühen Alben waren von einer stark depressiven Grundstimmung erfüllt. Mit Fortdauer seines musikalischen Schaffens drang mehr an Humor und Ironie in seine Musik ein, sie verlor an Schwere und begann, mehr an Hoffnung und Lebensfreude auszustrahlen.

Weltberühmte Songs wie "Hallelujah", "First We Take Manhattan" oder das nach eigener Aussage von Violinenklängen der Gefangenenorchester in den Vernichtungslagern des Holocaust inspirierte "Dance Me To The End Of Love" inspirierten auch zahlreiche Musikerkollegen und wurden von diesen gecovert. So interpretierten unter anderem Jeff Buckley, Bon Jovi, Rufus Wainwright, Nina Simone, Jennifer Warnes, Madeleine Peyroux oder die Civil Wars seine Stücke – aber auch Bob Dylan, mit dessen Songwriting Cohen in seiner Qualität und seiner gedanklichen Tiefe gerne verglichen wurde.

Auch Hollywood bediente sich gerne in Cohens Repertoire und nahm seine Lieder – auch in Form von Coverversionen - gerne in die Motion Picture Soundtracks zu bekannten Filmen wie "So Long, Marianne" oder "Natural Born Killers" mit auf.

Mit politischen Aussagen hielt sich Leonard Cohen eher zurück. Allerdings brachte er auf seinem 1992 erschienen Album 'The Future' tiefe Skepsis gegenüber dem in der Öffentlichkeit vorherrschenden, allgegenwärtigen Optimismus nach dem Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs zum Ausdruck. Dies zeigte sich in Textzeilen wie "I’ve seen the future, it is murder" - "Ich habe in die Zukunft gesehen - es ist Mord und Totschlag."

Erst Ende der 1970er Jahre räumte Leonard Cohen in seinem musikalischen Schaffen religiösen Themen erkennbaren Raum ein. Spätestens seit Beginn der 1990er Jahre befasste er sich intensiv mit buddhistischer Zen-Meditation und ordinierte sogar in einem Kloster als Mönch. Dennoch übte zeitlebens seine Prägung als Sohn einer prominenten Familie aus der jüdischen Gemeinschaft von Montreal Einfluss auf seine Kunst und auch sein spirituelles Leben aus.

Cohen, der im Alter von neun Jahren seinen Vater verlor und dessen Mutter eine aus Russland stammende Tochter eines Talmudgelehrten war, äußerte sich gegenüber dem Magazin New Yorker wenige Wochen vor seinem Tod wie folgt über die Rolle, die seine jüdische Identität in seinem Leben stets gespielt hat:

Ich empfinde ein tiefes Gefühl für meinen Stamm. Ich wuchs in einer Synagoge auf, die meine Altvorderen gebaut haben. Ich saß in der dritten Reihe.

Leonard Cohen, dessen aus Litauen stammender Urgroßvater noch selbst an einer Jeschiwa gelehrt hatte, absolvierte mehrfach religiöse Studien und baute als Zeichen der Verbundenheit mit der jüdischen Tradition gerne hebräische Sprichwörter oder überlieferte Melodien in seine Schöpfungen ein.

Andererseits setzten ihm durch viele Phasen seines eher unsteten Lebens hindurch Depressionen und die Folgen von zeitweiligem Alkoholismus und Drogenkonsum zu. Der stark introvertierte Cohen musste, so wurde über ihn geschrieben, zu Beginn seiner Karriere oftmals Rauschmittel konsumieren, um sich auf die Bühne zu wagen.

Seine Songwriterkollegin Suzanne Vega erklärte die tiefe Wirkung, die Cohens Musik weit über die engere Fangemeinde hinaus entfaltet hatte, vor allem damit, dass seine Songs "sehr intim und persönlich" waren.

Leonards Stücke waren eine Kombination aus sehr realen Details und einer Art von Mysterium, wie Gebete oder Verwünschungen.

Cohen hatte mit seiner langjährigen Lebensgefährtin, der aus Kalifornien stammenden Suzanne Elrod zwei Kinder. Der 1972 geborene Adam Cohen schlug ebenfalls eine musikalische Karriere ein. Die zwei Jahre jüngere Tochter Lorca ist professionelle Fotografin und Filmerin.


 

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