Detroit: Das Haus von Rosa Parks zieht um – nach Berlin

Detroit: Das Haus von Rosa Parks zieht um – nach Berlin
Rosa Parks, 1988
Die Stadt Detroit im US-Bundesstaat Michigan hat scheinbar kein Interesse mehr am Vermächtnis von Rosa Parks. Das Haus der weltbekannten US-Bürgerrechtlerin sollte schon im Sommer abgerissen werden. Ein US-Amerikanischer Künstler möchte es nach Berlin holen.

Mitglieder des Ku Klux Klan (KKK) bei einer Kreuzverbrennung in Warrenville, South Carolina, 23. Oktober 2010.

Der 1971 in New York geborene Künstler Ryan Mendoza kam der Nichte der afro-amerikanischen Bürgerrechtlerin Rosa Parks zu Hilfe. Zwar hatte die Nichte, Rhea McCauley, das leerstehende Haus seinerzeit günstig erworben – doch sie hat nicht die finanziellen Mittel, um das Erbe ihrer Tante nachhaltig zu bewahren.

Rosa Parks wurde berühmt, als sie sich im Dezember 1955 in Montgomery, Alabama weigerte, in einem Bus ihren Platz für einen weißen Mann zu räumen. Der Busfahrer, James Blake, rief daraufhin die Polizei. Rosa Parks wurde verhaftet, angeklagt und zu einer Strafe von 10 Dollar verurteilt. Plus 4 Dollar für die Gerichtskosten.

Martin Luther King organisierte später den sogenannten „Montgomery Bus Boycott“, der dazu führte, dass die Behörden die Rassentrennung innerhalb von Bussen und Zügen aufhoben. Rosa Parks wurde durch ihre Aktion zu einer der Ikonen der US-Bürgerrechtsbewegung. Doch sie litt unter den ständigen Drohungen und Telefonanrufen, die bei ihrem Mann, Raymond Parks zu einem Nervenzusammenbruch führten. 1957 zog sie deswegen zusammen mit ihrem Mann nach Detroit um.

Die Stadt Detroit sieht anscheinend keinen Grund, das historische Haus zu bewahren. Es sollte diesen Sommer eigentlich schon abgerissen werden. In Detroit stehen ungefähr 70.000 Gebäude und 31.000 Häuser leer. Die Stadt, von schweren wirtschaftlichen Problemen geplagt, erklärte 2014 offiziell bankrott. Es war das größte Kommunale Insolvenzverfahren in der US-Amerikanischen Geschichte.

In der einst stolzen Hauptstadt der US-Amerikanischen Autoindustrie leben nur noch knapp 700.000 Einwohner - von einst über 2,2 Millionen. Detroit gilt zusammen mit Cleveland in Ohio als Sinnbild des fehlgeschlagenen Strukturwandels in den USA. Ryan Mendoza ließ schon im Sommer dieses Jahres die Fassade des Hauses in Detroit abtragen.

Sie wurde nach Berlin gebracht. Die Reste wurden abgerissen. Mittlerweile arbeitet der Künstler in seinem Atelier an der Rekonstruktion des Hauses. In ungefähr drei Monaten soll es in der Nähe von Bösebrücke und Bornholmer Straße zu sehen sein. Wo genau und für wie lange, ist noch nicht bekannt.

Übrigens nicht die erste Aktion des Künstlers dieser Art. Ryan Mendoza hat schon einmal ein Haus aus Detroit nach Europa verschifft. Es wurde während der Rotterdamer Kunstmesse unter dem Titel „The White House“ ausgestellt. 

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