Happy Birthday Hallo Kitty: Die japanische Pop- Ikone ohne Mund und Stimme

Happy Birthday Hallo Kitty: Die japanische Pop- Ikone ohne Mund und Stimme
Die japanische Ikone Hello Kitty feierte am 1. November ihren 42. Geburtstag und hat noch immer keinen Mund. Hello Kitty altert nicht und widerspricht nicht. Sie hat das Antlitz einer Geisha.

von Olga Banach

Tokio, Omotesandou: Auf mehreren Stockwerken verteilt sich das „Kiddyland“, in dem alle Comic-Charaktere und Pop-Ikonen vertreten sind, auf die Japan etwas hält. Hier treffen bunte Farbwelten unter fluoreszierendem Licht aufeinander und die Geräusche machenden Spielzeuge tragen ihr übriges zur Sinnesüberflutung bei. Natürlich darf auch „Hello Kitty“ nicht fehlen. 

Niedlich sollte sie sein. Einen Mund brauchte sie dafür nicht, denn jeder sollte in der Lage sein sich mit ihr zu identifizieren. „Hello Kitty“ hat einen überdimensionalen Kopf, kurze Arme und Beine, die an das Kindchen-Schema erinnern, und eine rosa Schleife im Haar. Die Schleife wäscht letzte Zweifel beim Betrachter hinweg, ob es sich bei Kitty um einen femininen Charakter handelt. 

In Japan enden weibliche Vornamen üblicherweise mit dem Anhängsel „-ko“, was so viel wie Kind bedeutet: Masako, Yukiko, Asako... Frauen sollen in der japanischen Gesellschaft vor allem eins sein: niedlich. Dies sind sie aber nur, wenn sie jung sind und mit vorgehaltener Hand zurückhaltend lächeln. 

„Hello Kitty“ altert nicht und widerspricht nicht. Emotional gesehen ist sie wie ein Schwamm. Jede Emotion kann in sie hereininterpretiert werden. Sie hat das Antlitz einer Geisha, die unterhält, sich aber auch zurückhält. 

Strasse zu der Provinz Illubabor in Äthiopien.

„Kawaii!“ hört man erwachsene Frauen bei der Betrachtung der ausgestellten Spielzeuge im Kiddyland rufen, was so viel bedeutet, wie „niedlich“. Denn „Niedlichkeit“ ist in Japan nicht nur etwas für Minderjährige und keinesfalls etwas, wofür man sich in Japan schämen müsste. Niedlichkeit wird in der japanischen Gesellschaft mit etwas Weiblichem und Verletzbarem assoziiert. „Hello Kitty“ trifft genau in dieses Schema. Sie ist durch ihre Proportionen niedlich und scheint hilflos, da sie ihre Schutzlosigkeit verbal nicht auszudrücken vermag

Die Kreatorin von „Hello Kitty“ war eine Japanerin namens Yuko Shimizu. Sie war Ende 20, als sie 1974 „Hello Kitty“ entwarf. Als Inspiration diente ihr damals „Alice im Wunderland“ mit seinen sprechenden Kreaturen. Da es schon Snoopy, den Hund, gab und Puhh, den Bären, musste eine Katze her. Obwohl „Hello Kitty“ jüngst bekannt gab, dass sie keine Katze sei. 

Japan ist ein katzenverrücktes Land. Es gibt Katzen-Cafés, in denen man seine Sorgen vergessen und sich als einsamer Großstädter von Katzen umschmeicheln lassen kann, in geöffneten Geschäften winkt einem eine Katze am Eingang zu, die den Geschäftsbesitzern Glück bescheren soll. 

Denn in der japanischen Folklore bringen Katzen Glück. Ursprünglich kamen die ersten Katzen Mitte des 6. Jahrhunderts von China nach Japan. Sie sollten die heiligen Schriften des Buddhismus bewachen.  

Inspektion vor Ort: Ashton Carter im Gespräch mit einem Navy-Angehörigen auf der USS Theodore Roosevelt im Südchinesischen Meer; November 2015. Im Hintergrund ist der US-Zerstörer USS Lassen zu sehen.

„Hello Kitty“ gibt es heute in allen Produktvariationen: als Zahnbürsten, auf Schreibartikeln, Handtüchern, Unterwäsche, Pflastern, auf dem Mundschutz gegen Erkältung.... In Japan herrscht Platzmangel und die Japaner verbringen viel Zeit in der Öffentlichkeit und um von A nach B zu gelangen. So muss die Niedlichkeit „pocket cute“ (transportierbar) sein. Durch „Hello Kitty“ Anhänger, Mobiltelefonhüllen und Schminkspiegel wird die Welt zu einem Spielplatz, in dem es sich leicht in die Niedlichkeit entschwinden lässt. 

Wer sich schon einmal in die Tokioter U-Bahn begeben hat, dem sind vielleicht ältere Männer in Anzügen aufgefallen, auch als „Salary Man“ bezeichnet, die in der Öffentlichkeit Comic-Pornos lesen. Hefte, in denen sich junge Mädchen im Matrosenkostüm, einer japanischen Schuluniform, pornographisch zeigen. Die Firma Sanrio hat bisher erfolgreich jegliche sexuellen Nuancen von „Hello Kitty“ ferngehalten.  

Wem dies nicht reicht, kann sich in einen der Hello-Kitty-Themenparks begeben oder mit einem Hello-Kitty-Flugzeug nach Taiwan fliegen. Das „Harmonyland“ entspricht sehr dem Konzept der Disneyparks und vereint alle Generationen weiblicher Fans. 

Sanrio, der Hersteller von Hello Kitty, macht im Jahr 600 Millionen US-Dollar an Gewinn.

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