North Dakota: Eskalation bei Protesten gegen Pipeline

North Dakota: Eskalation bei Protesten gegen Pipeline
Polizisten bewegen sich auf das Camp der Demonstranten zu. North Dakota, USA, 27. Oktober 2016.
Im Fracking-Eldorado North Dakota protestiert die indigene Bevölkerung seit Monaten gegen den Weiterbau der Dakota Access Pipeline (DAPL). Gestern fielen während einer gewaltsamen Konfrontation zwischen Polizei und Demonstranten Schüsse. Die Proteste gehen weiter.

Gestern kam es in im US-Bundesstaat North Dakota zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. Hunderte von Polizisten in schwerer Ausrüstung räumten ein Gelände, das den Demonstranten als Camp diente. Es wird über mindestens 117 Festnahmen berichtet. Die Polizei war ins Camp eingedrungen und hatte die Demonstranten umstellt.

Das von den Demonstranten für das Camp genutzte Gelände befindet sich in Privateigentum. Anlässlich der gewaltsamen Ausschreitungen fielen auch Schüsse. Am Donnerstagabend gegen 19 Uhr postete das Morton County Sheriff's Department auf Facebook, dass eine Frau festgenommen wurde, die nahe dem Highway 1806 auf Polizisten geschossen habe.

Die Polizei setzte in massivem Umfang Tränengas und Pfefferspray ein. Vonseiten der Demonstranten hieß es, man habe nur auf die "aggressive Vorgehensweise der Polizei" reagiert.

Seit Wochen besetzen Tausende Aktivisten das Bauland für die Pipeline. Es sind mehrheitlich Vertreter der indigenen Bevölkerung. Es gibt mittlerweile Essensräume, Küchen und Schulen auf dem Gelände. Die Besetzung des Territoriums hatte schon im Frühling begonnen.

Die Demonstranten erzielten einen ersten Teilerfolg, als die amerikanische Regierung in der Umgebung des Lake Oahe einen vorläufigen Baustopp verfügte. Die Bauarbeiten auf privatem Grund gehen aber nach wie vor weiter. Die von den Einheimischen "Schwarze Schlange" genannte Pipeline wächst weiter Richtung Südosten.

Für die Ölindustrie hat die 3,8 Milliarden Dollar teure Pipeline, die auch den Missouri überqueren soll, eine große strategische Bedeutung. Der Transport des schwarzen Goldes soll nicht mehr über Lastwagen und Eisenbahn erfolgen und somit deutlich kostengünstiger werden. Die vor Ort lebenden Sioux sowie Umweltaktivisten sehen dagegen ihre Wasserversorgung gefährdet.

Millionen von Menschen sind auf Trinkwasser aus dem Missouri angewiesen. Dieser ist der längste Fluss der USA. Ein Leck in der Pipeline hätte verheerende Folgen. Laut der zuständigen Aufsichtsbehörde kommt es in den USA pro Jahr durchschnittlich zu 300 Pipelineunfällen. Die geplante Route für die Pipeline droht zudem die Gräber der indigenen Vorfahren zu zerstören.

Die Regierung des Bundesstaats North Dakota steht hinter den Anliegen der Ölindustrie und unternimmt alles, um die Demonstranten zu kriminalisieren. Die bekannte Journalistin Amy Goodman wurde von Staatsanwalt Ladd Erickson wegen "Aufruhrs" angeklagt. Sie hatte gefilmt, wie private Sicherheitsleute mit Hunden auf friedliche Demonstranten losgingen.

Die Filmemacherin Deia Schlosberg, die Protestaktionen filmte, war anschließend für zwei Tage in Haft und soll nun wegen "Verschwörung zu Diebstahl und Sachbeschädigung" angeklagt werden. Zuvor war auch schon die bekannte Schauspielerin Shailene Woodley zusammen mit 26 weiteren Personen des Betretens eines privaten Grundstücks wegen verhaftet worden.

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