Post Privacy XXX: Wie Großbritannien eine Datenbank mit den Pornovorlieben aller Bürger schafft

Neben 3D-Filmen ein weiterer Trend bei Pornos: das personenbezogene Sammeln von Daten der Nutzer.
Neben 3D-Filmen ein weiterer Trend bei Pornos: das personenbezogene Sammeln von Daten der Nutzer.
Pornoseiten sollen für Jugendliche nicht mehr abrufbar sein. So will es die Digital Economy Bill, an der Großbritannien arbeitet. Doch als Nebeneffekt entstünde auch eine personalisierte Datenbank mit den pornografischen Vorlieben der Inselbewohner.

Schon jetzt verpflichten die britischen Gesetze die Internetprovider dazu, pornografische Webseiten präventiv zu blockieren. Der Nutzer muss erst zustimmen, dass er den anstößigen Inhalt wirklich sehen will, bevor dieser auf dem Bildschirm erscheint. Bereits die geltenden Bestimmungen haben unter Datenschützern Bedenken ausgelöst. Generell lässt sich die eingerichtete Infrastruktur nämlich auch zu Zwecken einer umfassenden Netzkontrolle ausbauen, so etwa auch bezüglich politischer Inhalte. Netzaktivisten sehen in dem Vorgehen daher auch erste Schritte auf dem Weg in die staatliche Internetzensur.

Mit der nun in den Gesetzgebungsprozess eingebachten Digital Economy Bill geht Großbritannien noch einen Schritt weiter. Pornowebseiten sollen künftig sicherstellen, dass keiner ihrer Besucher unter 18 Jahre alt ist. Rund 300.000 Euro Strafe sollen die Betreiber von Pornowebseiten künftig zahlen, wenn sie ihr Angebot nicht durch eine Altersverifikation schützen. 

In einer Zeit, in der sich die Kommunikation Heranwachsender immer mehr auf Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Telegram verlagert, ist ein solches Vorhaben zwar reichlich realitätsfern, birgt aber aus noch ganz anderen Gründen datenschutztechnischen Sprengstoff.

So fragt Jim Killok in einem aktuellen Beitrag reichlich zynisch: "Eine Datenbank mit den Pornovorlieben der Briten: Was kann da schon schief gehen?", erinnert gleichzeitig jedoch an die Möglichkeit, dass solche Datenbanken natürlich auch Hackern in die Hände fallen oder auf Leakingplattformen veröffentlicht werden können.

Denn technisch wird sich die Vorgabe nur schwerlich auf andere Weise lösen lassen: Wenn ein Altersnachweis für den Besuch von Pornoseiten erforderlich ist, muss auf irgendeinem Server der Eintritt zu den Seiten mit der Identität des Nutzers verknüpft sein. Genau diese Schwachstelle ließe sich schließlich nutzen, um despektierliche Details der User in Erfahrung zu gelangen. In bestimmten konservativen Kreisen der britischen Oberschicht lassen sich solche Informationen durchaus zur Erpressung nutzen, unangenehm wären solche Leaks allemal.

Zum Zwecke der Altersverifikation im Internet gibt es bereits jetzt zahlreiche Möglichkeiten. Dazu gehören unter anderem Micro-Zahlungen über eine Kreditkarte, die Verknüpfung des Pornokanals mit einem Social-Media-Profil oder eigens für diese Zwecke eingerichtete Web-Services. Wirklich sicher vor Datendiebstahl sind diese Ansätze jedoch allesamt nicht.

Entsprechend kritisieren die Datenschützer auf der Insel: Ein Gesetz zu verabschieden, ohne dass es eine technische Lösung für die Umsetzung des neuen Regelwerkes gibt, die auch die Privatsphäre schützt, ist schlicht unverantwortlich. Hinzu kommt: Die Altersverifikation müsste vor jedem einzelnen abgerufenen Inhalt durchgeführt werden und würde auf diese Weise die Erstellung eines detaillierten personalisierten Profils jedes Nutzers erlauben. Sozusagen eines Porno-Fingerabdrucks.

Zusätzlich zu den Kritikern aus dem Bereich des Datenschutzes laufen aber auch organisierte Liebhaber des Porno-Genres Sturm. Die "feministische Pornografin" Pandora Blake befürchtet etwa, unter der Digital Economy Bill werden vor allem kleine und mittelständische Pornoproduzenten leiden, da diese sich die Sicherstellung aufwendiger Verifikationsverfahren nicht leisten könnten. So führe die Maßnahme auch dazu, dass der Markt immer mehr von wenigen Multis kontrolliert wird. Wird die Pornografie in Großbritannien auf diese Weise am Ende gar zu einem Fall für die Kartellgerichtsbarkeit?