Wie amerikanische Firmen die NSA-Überwachung ermöglichen

Knüppeldick kommt es derzeit für den US-Internetriesen Yahoo: Nach dem Bekanntwerden des Zugriffs von Hackern auf Kundendaten gerät das Unternehmen nun auch auf Grund seiner Zusammenarbeit mit US-Überwachungsbehörden in die Schlagzeilen.
Knüppeldick kommt es derzeit für den US-Internetriesen Yahoo: Nach dem Bekanntwerden des Zugriffs von Hackern auf Kundendaten gerät das Unternehmen nun auch auf Grund seiner Zusammenarbeit mit US-Überwachungsbehörden in die Schlagzeilen.
Nur durch die Kooperation vonseiten US-amerikanischer Firmen ist die weltweite Massenüberwachung durch die NSA überhaupt möglich. Am Dienstag outete Reuters einen weiteren Big Player als Datenzuträger für amerikanische Behörden.

Es handelt sich dabei um Yahoo, das es dem amerikanischen Geheimdienst ermöglichte, Daten in großem Ausmaß abzuschöpfen. Laut Reuters implementierten die Verantwortlichen sogar eine spezielle Software, die die E-Mails sämtlicher Konten nach Suchbegriffen filterte und direkt an die NSA weiterleitete. Die Entscheidung dazu soll angeblich von CEO Marissa Meyer persönlich getroffen worden sein, ohne jedoch im Vorfeld den Sicherheitschef der Firma hinzuzuziehen.

Als dieser im Nachhinein davon erfuhr, reichte er aus Protest seine Kündigung ein. Die Enthüllungen erfolgen nun kurz vor der geplanten Übernahme Yahoos durch den Telekommunikationsmulti VeriZon für rund fünf Milliarden US-Dollar. Bereits im letzten Monat hatte Yahoo publik gemacht, dass die Daten von 500 Millionen Kunden gestohlen worden waren. 

Yahoo betont in diesem Zusammenhang, eine Firma zu sein, die sich "strikt an die Gesetze der Vereinigten Staaten hält".

Die Kooperation Yahoos mit der NSA ist indessen keine wirkliche Überraschung, da bereits von vielen großen amerikanischen Kommunikationsdiensten bekannt ist, dass sie mit der NSA, wenn auch möglicherweise unter Zwang, zusammenarbeiten. Bekannte Beispiele diesbezüglich sind Apple, Microsoft, Facebook und nun eben auch Yahoo, die durch "Geheimurteile" dazu gezwungen waren, an dem NSA-Programm PRISM teilzunehmen.

Als Reaktion hierauf versuchten einige Firmen wie Apple, ihre Datensicherheit und Verschlüsselung soweit zu erhöhen, dass sie selbst keine Möglichkeit mehr hätten, Daten weiterzugeben.

Barack Obama auf dem Überwachungsgipfel mit Wirtschaft und Wissenschaft: an der Stanford University im Februar 2015. Von links nach rechts: Bernard Tyson (Kaiser Permanente), Renee James (Intel), Obama,  John Hennessy (Stanford) und Tim Cook (Apple).

Der Skandal wurde im Jahre 2013 von Edward Snowden publik gemacht, der anschließend nach Moskau flüchtete. Die damaligen Enthüllungen hatten einen großen Einfluss auf das Leben der Menschen weltweit und ihr Bewusstsein bezüglich der Datensicherheit.

Dmitri Peskow, der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, betonte kürzlich anlässlich der Filmpremiere von Oliver Stones "Snowden", wir wüssten nun dank Snowden, dass wir "in einem Aquarium leben" und tatsächlich überwacht werden.

Snowden selbst wagt es in der gegenwärtigen Situation nicht, in die USA zurückzukehren, da er befürchtet, dass ihn dort kein faires Verfahren erwarte. Seinem Anwalt Anatoli Kutscherena zufolge sei mit einem objektiven Prozess in den USA nicht zu rechnen, solange Snowden in seiner Heimat politisch verfolgt werde.

Was aber im konkreten Fall Yahoo dazu bewegte, die Daten an die NSA, weiterzuleiten bleibt unklar. Es soll wohl die Gewissheit gewesen sein, einen möglichen Rechtsstreit zu verlieren, der auf das Unternehmen zugekommen wäre, hätte es sich einer - offenbar bereits eingelangten - staatlichen "Anfrage" verweigert.