451° - Das neue Medienmagazin auf RT Deutsch

Neu in der RT-Familie: Reza Abadi moderiert künftig die neue medienkritische Show 451°
Neu in der RT-Familie: Reza Abadi moderiert künftig die neue medienkritische Show 451°
Zuwachs in der RT-Familie: Mit 451° präsentiert RT Deutsch künftig ein zweites wöchentliches Magazin. Produzentin Arina Trofimova und Moderator Reza Abadi erläutern im Interview, das Konzept der medienkritischen Show und erklären wieso sie keinen "Hybridkrieg" für Moskau führen.

Arina, erzähl uns doch ein bisschen von der neuen Show. Was ist geplant? Was hat der Zuschauer zu erwarten?

Mit 451° soll ein medienkritisches Format an den Start gehen, welches unseren Zuschauern humorvoll beim Filtern der Nachrichtenflut helfen möchte. Denn Nachrichten ploppen zwar inflationär auf unseren Displays auf, doch dabei drohen die Zusammenhänge und Hintergründe unter den Tisch zu fallen.

Wir möchten unseren Beitrag zum Medienpluralismus leisten und einen nachhaltigen Gesellschaftsdialog - nicht nur mit unseren Zuschauern, sondern auch unseren Kollegen in anderen Medien - initiieren. Mit unserem Titel beziehen wir uns auf den berühmten dystopischen Roman von Ray Bradbury. In dieser Geschichte werden Bücher verbrannt. 451° Fahrenheit ist die Zündtemperatur von Papier. Um zu verhindern, dass der Meinungskrieg so weit ausartet, wollen wir uns argumentativ mit aktuellen Problemfragen auseinandersetzen.

Was ist genau deine Rolle dabei? Moderierst du auch?

Mein Aufgabenbereich als Produzentin umfasst neben der gemeinschaftlichen redaktionellen Themenfindung vor allem das Organisatorische. Hier und da schreibe und produziere ich auch eigene Beiträge. Ich fühle mich sehr wohl hinter der Kamera, will das Moderieren für die Zukunft aber nicht grundsätzlich ausschließen.

Zunächst sehen wir also deinen Kollegen vor der Kamera. Reza, warum hast du dich entschieden, bei 451° mitzuwirken?

Ich habe als Medienschaffender in Europa, Asien und den USA gearbeitet. Unabhängig davon, in welchem Land ich gearbeitet habe, musste ich feststellen, dass es Leitmedien gibt, die sich entweder ihrer Macht nicht bewusst sind oder aber - und ich hoffe da irre ich mich – diese bewusst einsetzen, um Massen und Bevölkerungen in eine Richtung zu lenken. 451° ist eine Sendung, die auf diese Problematik aufmerksam machen möchte. Von daher ist es ein Format, das ich als notwendig ansehe und auf das ich mich freue, es zu moderieren.  

Dass sich die etablierten Medien in einer tiefen Vertrauenskrise befinden, ist längst nicht mehr zu leugnen. Können die Mainstreammacher vielleicht noch etwas lernen, wenn sie eure neue Sendung schauen?

Wir möchten niemanden belehren. Unsere Sendung wird auch nicht mit erhobenem Zeigefinger produziert. Wir möchten einfach eine Aufmerksamkeit dafür schaffen, wenn in Deutschland Leitmedien Interpretationen gezielt einsetzen, um eine gewisse Stimmung unter der Bevölkerung zu erzeugen. Die letzten Wochen der Recherche sind wirklich erschreckend gewesen, da wir täglich mehrere Fälle von grober Manipulation in den etablierten Zeitungen, Nachrichtensendungen und Newswebseiten gefunden haben.

Arina, Du hast selbst schon längere berufliche Erfahrung im Medienbetrieb. Welche Stationen hast du dabei bisher zurückgelegt und wie beeinflussen diese Erfahrungen deine jetzige Arbeit?

Foto: pk210 / Flickr / CC-BY-SA-2.0

Ich habe viel ausprobiert, war zuletzt ein Jahr lang mit der Konzeption und dem Vertrieb von kommerziellen Printmagazinen beschäftigt und bin sehr froh, wieder zu meinen journalistischen Wurzeln zurückzukehren und über das zu schreiben und zu berichten, was ich bzw. was unser Team spannend findet. Mein bisheriger Lieblingsjob war meine Erfahrung im Berliner Studio von Reuters TV.

RT Deutsch hat im Vergleich dazu einen viel größeren Startup-Charakter. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Als Journalistin bei Reuters muss man sich zum Beispiel keine Sorgen darum machen, ob gewisse Organisationen oder Politiker mit einem reden möchten oder nicht. Dafür haben wir hier mit unserer eigenen Sendung bei RT eine größere Freiheit bei der Themenwahl und hoffentlich auch in der Tiefe der Aufarbeitung, als es in einer Agentur der Fall ist.

Welches Erlebnis in deinem „Medienleben“ hat dich am meisten geprägt? Gab es einen Moment, an dem du das Vertrauen in die etablierte Berichterstattung verloren hast?

Mein prägendstes Erlebnis in Bezug auf Meinungsmache in den Medien hatte ich bereits als Oberstufenschülerin, während des Kaukasuskrieges im Jahr 2008. Inzwischen kennen wir die Hintergründe dieses Konfliktes natürlich genauer. Doch die konträre Berichterstattung in den russischen und westlichen Medien im August 2008 hat mir beigebracht, dass Propaganda nicht nur ein Problem vergangener Tage ist. Auch aktuelle Quellen müssen einer kritischen Analyse unterzogen werden inklusive Autor, Adressat und Intention.

Reza, gerade Propagandavorwürfe werden seitens der Mainstreammedien in Richtung RT besonders häufig laut. Gerne wird RT-Journalisten auch vorgeworfen, sich an einem „hybriden Krieg“ Russlands gegen den Westen zu beteiligen? Hast du eine persönliche Meinung dazu?

Ich habe kein Interesse daran, für Russland oder sonst wen einen „hybriden Krieg“ zu führen, und Propaganda werde ich ebenfalls für niemanden betreiben. Ich bin ein überzeugter Demokrat und habe meinen Master an der hauseigenen Akademie eines öffentlich-rechtlichen deutschen Senders gemacht. Aber genau diese Denkweise und mein Werdegang sind ein Grund, bei RT Deutsch diese Sendung zu moderieren.

Damit eine Demokratie funktioniert, müssen verschiedene Instanzen im Gleichgewicht bleiben. Die deutsche Medienlandschaft ist aber schon lange nicht mehr in der Waage und wird sehr einseitig durch einige wenige Leitmedien bestimmt. Dieser Umstand hatte in den letzten Jahren gravierende Auswirkungen auf die Gesellschaft. Wenn ich eine Sendung moderiere, muss ich mit meinem Gewissen hinter dieser Arbeit stehen können. Wir recherchieren nach höchsten journalistischen Maßstäben, um eine gute Sendung zu fahren. Diejenigen, die uns Propaganda vorwerfen, sind jederzeit in unserer Redaktion willkommen, um sich vom Gegenteil zu überzeugen.

Arina, Du bist jetzt seit knapp einem Monat bei RT Deutsch. Wie gefällt es dir in unserer Redaktion?

Großartig. Die Atmosphäre hier ist sehr locker-kreativ und die Kollegen durchweg hilfsbereit und kompetent. Das auf dem Sommerfest angekündigte wöchentliche Fax von Putin ist mir noch nicht untergekommen – oder war das auch nur eine dieser Mediengeschichten?

Vielen Dank und viel Erfolg für eure neue Show.

Hinweis der Redaktion: 451° startet demnächst auf RT Deutsch. Der genaue Ausstrahlungstermin der Pilotsendung wird in Kürze bekannt gegeben. Jetzt schon vernetzen: Reza Abadi auf Twitter und Facebook folgen, 451° folgen.

Warum ein medienkritisches Magazin mehr als nötig ist, macht auch RT Deutsch-Chefredakteur Ivan Rodionov in einem aktuellen Kommentar deutlich: