Ukraine verkündet den Austragungsort des Eurovision Song Contest 2017

Der Eurovision Song Contest 2017 wird erwartungsgemäß in Kiew stattfinden. Am Freitag gab das Organisationskomitee seine Entscheidung zu Gunsten der Hauptstadt bekannt.
Der Eurovision Song Contest 2017 wird erwartungsgemäß in Kiew stattfinden. Am Freitag gab das Organisationskomitee seine Entscheidung zu Gunsten der Hauptstadt bekannt.
Die Bekanntgabe der Gastgeberstadt wurde von der ukrainischen Regierung aus nicht bekannten Gründen mehrmals verschoben. Kurzzeitig war sogar von Russland als alternativer Austragungsort die Rede. Nun steht fest, was ohnehin erwartet werden konnte: Der 62. Eurovision Song Contest (ESC) findet im Mai 2017 in Kiew statt.

Kiew wird im Mai 2017 der Austragungsort des Eurovision Song Contest (ESC) sein. Dies kündigten der Generaldirektor des staatlichen ukrainischen Rundfunks NTU, Zurab Alasania, und der ukrainische Kulturminister Evgeni Nischtschuk am Freitag gemeinsam im Rahmen eines Pressebriefings an.

Austragungsort wird demnach das Internationale Messezentrum der ukrainischen Hauptstadt sein. Mit 19 Stimmen im 22-köpfigen Auswahlgremium setzte sich Kiew damit klar gegen Odessa (zwei Stimmen) und Dnipro (keine Stimme) bei einer Enthaltung durch. 

Die Entscheidung fiel der ukrainischen Regierung nicht leicht. Bis zuletzt verschob Kiew verschob mehrmals die Bekanntgabe der Gastgeberstadt, sodass am Ende sogar Spekulationen die Runde machten, wonach der Wettbewerb möglicherweise gar nicht wie geplant im Land des Vorjahrssiegers stattfinden könnte.

Am 25. August sagte die Ukraine sogar kurzerhand die Pressekonferenz ab, in deren Rahmen der Austragungsort bekanntgegeben werden sollte. Die Regierung schob die Entscheidung insbesondere vor dem Hintergrund ungeklärter Fragen zur Finanzierung der Durchführung des ESC auf. Kiew klagte wiederholt über das Fehlen der nötigen finanziellen Mittel.

Diese Situation machte es für die Verantwortlichen unmöglich, Dnipro bei seinem ambitionierten Vorhaben zu unterstützen, den seit 1965 jährlich stattfindenden Wettbewerb in den Südosten zu holen.

"Dnipro, früher Dnepropetrowsk genannt, wurde als Erster von der Kandidatenliste gestrichen", erklärte Zurab Alasania. "Es gibt nicht genug zertifizierte Hotels in der Stadt und der Sportkomplex 'Meteor', wo der ESC 2017 abgehalten werden könnte, ist renovierungsbedürftig."

Seine Modernisierung wäre kostspielig, so der NTU-Generaldirektor.

Ein weiterer Nachteil ist der Flughafen, der sich als zu klein für 22.000 bis 25.000 Gäste erweisen würde. Außerdem gibt es in Dnipro nicht genug Freizeitaktivitäten. Zwischen den Halbfinals des ESC lässt sich da nicht so viel unternehmen, denn Dnipro ist ein Ballungsgebiet", so Alasania.

Dnipro
Dnipro

Auch in den beiden anderen Städten erschienen die Bedingungen für eine Austragung nicht als optimal. So hat beispielsweise das Stadion in Odessa keine Dachkonstruktion, was gegen die ESC-Vorschriften verstößt. Außerdem sind Landepisten und eines der Gebäude des Flughafens noch nicht fertiggestellt. Auch das niedrige Sicherheitsniveau in der Stadt minderte die Chancen erheblich, als Austragungsort des ESC ausgewählt zu werden.

Stadion "Tschernomoretz" in Odessa
Stadion "Tschernomoretz" in Odessa

Auch die politische Situation in der Stadt am Schwarzen Meer hätte den in den letzten Jahren ohnehin bereits auf Grund seiner immer stärkeren Politisierung ins Zwielicht geratenen Bewerb potenziell überschattet.

Die ukrainische Gewinnerin des Eurovision Contest 2016 in Schweden, noch mit Dach über dem Kopf.

"Der Wettbewerb findet im Mai statt. Verstehen sie, was ich meine?", fragte Alassania. Der Generaldirektor von NTU deutete offensichtlich die Gefahr möglicher Provokationen an, die vor dem Hintergrund der Tragödie zu befürchten wären, die sich dann zum dritten Mal jährt. Am 2. Mai 2014 forderte eine mutmaßlich von Rechtsextremisten begangene Brandstiftung im Haus der Gewerkschaften 48 Menschenleben, mehr als 200 wurden verletzt. Die Ermittlungen zu dem Ereignis dauern immer noch an.

Kiew hatte von vornherein also die besten Voraussetzungen, jedoch wurde die Hauptstadt  nicht ohne Wenn und Aber zur Gastgeberstadt ernannt. Im Jahr 2005 wurde der ESC im alten Sportkomplex am Olympiastadion abgehalten. Im nächsten Jahr soll der Wettbewerb im Internationalen Messezentrum ausgetragen werden, was aber wiederum hohe Investitionen voraussetzt. Außerdem befindet sich das Messezentrum ziemlich weit von der Innenstadt entfernt. Da es auf dem jenseitigen Ufer des Dnepr liegt, soll ein Shuttle-Service bis zum Stadtzentrum eingerichtet werden.

Mehr als 15 Millionen Euro stehen den Ausrichtern zur Verfügung. Die Ukraine will tief in die Tasche greifen, um dieses Prestigeereignis erfolgreich über die Bühne zu bringen. Die ESC-Förderung und Sponsorengelder sind frühestens im Juli 2017, also erst nach Ende des Wettbewerbs zu erwarten.

Die Verzögerung der Bekanntgabe ließ Zweifel aufkommen, ob die Ukraine im kommenden Jahr überhaupt den 62. Eurovision Song Contest ausrichten kann. Hätte Kiew bis Oktober keine Entscheidung getroffen, hätten die Austragungsrechte an Australien und Russland verliehen werden können. Voriges Jahr hatten Australien und Russland den zweiten und den dritten Platz jeweils belegt.