Sibirische Wissenschaftler erfinden neue Technologien zur Erdbebenvorhersage

Sibirische Wissenschaftler erfinden neue Technologien zur Erdbebenvorhersage
Mitarbeiter der sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften haben ein neues Gerät zur Beobachtung von Prozessen im Erdinneren präsentiert. Den Entwicklern zufolge übertrifft die Erfindung alle ihre ausländischen Pendants.

Japaner mit Schutzhelmen bei der Katastrophenübung: Hier wir ein Szenario mit einem Erdbeben Stärke 7.2 in Tokyo durchgespielt, 26. August 2016.

Die Wissenschaftler des Instituts für Überwachung der Klima- und Ökosysteme der sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften in Tomsk entwickelten ein geophysikalisches Messgerät, mit dessen Hilfe Erdbeben prognostiziert, seismische Gefahren in der Region eingeschätzt und sogar die Lage des Erdkerns festgestellt werden können, berichtet der Pressedienst des föderalen Projekts INO Tomsk.

„Das geophysikalische Mehrkanal-Messgerät ist ein kleines 'Köfferchen' mit einem Gewicht von etwa drei Kilogramm. Es wurde zum Messen von elektromagnetischen Feldern entwickelt, die die Erde ausstrahlt“, wird der Bericht zitiert.

Die technischen Eigenschaften des Geräts sollen laut Herstellerangaben bislang keine Entsprechung in der Welt haben. Außerdem entwickelten die Forscher spezielle Algorithmen und eine Software, um elektromagnetische Signale zu entschlüsseln.

Das Gerät kann in mehreren Bereichen verwendet werden, von der Erkundung von Lagerstätten bis zur Überwachung gefährlicher geologischer Prozesse. Beispielsweise wurde es bereits in Vietnam eingesetzt, um nach der Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima zu prüfen, ob die Baustelle für zwei neue AKWs sicher ist. Damals stellten sibirische Wissenschaftler fest, dass die in der Erdkruste bestehenden Risse keine Gefahr darstellen, weil sie nicht aktiv sind. 

„Unsere Ausrüstung kann auch auf durchgehende Überwachung umgestellt werden. Sobald die Verformung der Erdrinde durch ein kommendes Erdbeben in Gang gesetzt wird, wird sich die Ausstrahlung ändern, und das wird von den Geräten registriert“, so der wissenschaftliche Obermitarbeiter des Instituts, Sergej Myschkow.

Zurzeit ist das größte Überwachungssystem mit Einsatz des neuen geophysikalischen Messgeräts an der Transsibirischen Pipeline (Urengoj-Pomari-Uschgorod-Leitung) stationiert. Diese ist teilweise durch erdrutschgefährdete Gebiete verlegt, wodurch dort eine hohe Explosionsgefahr besteht. Das System prognostiziert das Abgleiten der Erdmassen, sodass das Erdgas rechtzeitig abgestellt oder durch Ersatzleitungen weiter transportiert werden kann.

Mittlerweile bezieht sich die Überwachungstätigkeit des Forschungsinstituts nur auf die nördliche Hemisphäre. Die Wissenschaftler glauben, dass ihre Erweiterung auf die Südhalbkugel es ermöglichen wird, die Wanderung des Erdkerns täglich zu observieren, was die aktuellen seismischen Überwachungsmethoden nicht erlauben.

„Mit unserer Ausrüstung können wir die Lage des Erdkerns feststellen, bevor es zu einem Erdbeben kommt. Dafür müssen mindestens 15 weitere Überwachungsstationen in der südlichen Hemisphäre errichtet werden, und das erfordert beträchtliche Geldsummen“, sagte Myschkow.