Deutsch-russische Freundschaft - Erfolgreich im Extremsport

Bild vl. Aleksey Mikhailusov (RUS), Veranstalterin SwimRun Russia Marina Ivanova (RUS), Marco Henrichs (GER)
Bild vl. Aleksey Mikhailusov (RUS), Veranstalterin SwimRun Russia Marina Ivanova (RUS), Marco Henrichs (GER)
Der Triathlet und vierfache Ironman-Teilnehmer Marco Henrichs nahm am anspruchsvollen SwimRun in der Nähe von Sankt Petersburg teil. Gemeinsam mit Aleksey Mikhailusov bildete er ein russische-deutsches Team, das nicht nur Platz 2 erreichte, sondern auch ein Zeichen für die russisch-deutsche Freundschaft setzte.

von Marco Henrichs

Marco, wenn du beim SwimRun Russia startest, würdest du mit einem russischen Athleten gemeinsam ein Team bilden?“, fragte mich die Veranstalterin Marina Ivanova vom SwimRun Russia vor zwei Monaten. Ich habe spontan und begeistert zugesagt. Nicht nur aus sportlichen Gründen, sondern auch um ein Zeichen für die russisch-deutsche Völkerverständigung zu setzen.

Leider sind zunehmend Spannungen zwischen Deutschland und Russland zu spüren. Bereits vor den aktuellen Unstimmigkeiten zwischen Russland und Deutschland wurden und werden wir deutschen Ausdauersportler überschüttet mit Werbung für den New York Marathon, Paris Marathon, Ironman auf Hawaii usw. Das alles sind durchaus schöne Veranstaltungen. Doch Russland bleibt außen vor. Warum? Diese Frage habe ich mir zunehmend gestellt. Deshalb wollte ich am eigenen Leib erleben, wie es in Russland ist.

Klischees und Vorurteile

Dass ich mich zukünftig dem russischen Ausdauersport widmen möchte um diesen in Deutschland mehr zu bewerben, schaffte in meinem Umfeld erstaunte Gesichter: „In Russland ist doch nichts“, „Da ist es doch zu gefährlich“ waren nur einige der Kommentare, dich ich zu hören bekam.

Sind wir doch mal ehrlich. In unseren deutschen Köpfen ist die Meinung weit verbreitet, dass Radfahrer und Russen dopen, nur einige der negativen Klischees. Aber was ist mit den bisher nahezu 3.000 Toten teils versklavten Bauarbeitern im Rahmen der Baumaßnahmen für die Fußball WM-Stadien in Katar? Das sind Themen, die wir kaum an uns heran lassen. Das sollte aber eher ein Grund sein, eine Nation von einem Wettbewerb auszuschließen.

Meine persönlichen Erfahrungen

In meinen bisher 25 Jahren als Ausdauersportler habe ich den einen oder anderen russischen Trainingskollegen gehabt. Es waren jedes Mal positive Erfahrungen, die ich mit diesen Sportlern erlebt habe. Sie haben viel Ehrgeiz gezeigt.

Unfaires sportliches Verhalten wie Windschattenfahren, Strecken abkürzen usw. waren in meiner bisherigen Zeit als Ausdauersportler Vergehen, die ich bei allen Athleten westlicher Veranstaltungen zahlreich erleben durfte. Wir sollten auch hier selbstkritischer sein, bevor wir russische Sportler herabwürdigen. Und grundsätzlich ist es falsch eine ganze Nation zu verurteilen, wenn einige wenige sich falsch verhalten – ob im Westen oder Osten!

Marco Henrichs mit seinem Teamkollegen Aleksey Mikhailusov.
Marco Henrichs mit seinem Teamkollegen Aleksey Mikhailusov.

Auch Russen sind begeisterte Sportler

Ich muss gestehen, dass Hilfsbereitschaft und das Miteinander, wie ich es bei SwimRun Russia erlebt habe, absolut vorbildlich waren. Es waren durchweg begeisterte hilfsbereite Sportler, die ich gesehen habe und keine streitsüchtigen Dopingsünder wie es ab und an suggeriert wird.

Ein hartes Stück Arbeit beim SwimRun Russia

Und dann ging es an den Start: In den Wäldern der Region Leningrads (nahe Sankt Petersburg) fand der SwimRun Russia statt. Eines der härtesten Ausdauer-Events, die ich in meinen 25 Jahren als Ausdauersportler mitgemacht habe. Gemeinsam mit meinem russischen Teamkollegen Aleksey Mikhailusov (22 Jahre, aus Sankt Petersburg) haben wir als russisch-deutsches Team an dem Rennen teilgenommen.

Mit 32 Kilometern Laufstrecke und 5 Kilometern Schwimmen war die Streckenlänge schon sehr anspruchsvoll. Zusätzlich führten die 32 Kilometer Laufen ausschließlich querfeldein über unbefestigte Wege. Seite an Seite sind wir durch dichte Wälder gelaufen und haben dadurch viele Ausweichmanöver um Bäume machen müssen, was sehr an die Substanz gegangen ist. Wir mussten durch Bäche und Sumpfgebiete laufen. Darüber hinaus hatte der Kurs sehr viele Höhenmeter. Die Schwimmstrecke verteilte sich auf insgesamt acht Seen die durchschwommen werden mussten. Diese waren durch den insgesamt 32 Kilometer langen Laufabschnitt miteinander verbunden. Folglich sind wir mit Laufschuhen geschwommen, um beim Wechsel keine Zeit zu verlieren.

Platz 2 für das russisch-deutsche Team

Nach insgesamt 4:34:11 Stunden sind wir total entkräftet aber glücklich ins Ziel gekommen. Von insgesamt 48 teils internationalen Teams und 350 Startern haben wir den Zweiten Platz belegt. Unsere blutigen Füße und die vielen Schürfwunden am Körper waren auf Grund der Freude erst einmal zweitrangig.

Mit Emotionen durch die Wälder von Leningrad

Für mich als deutscher Athlet war es ein bewegendes Gefühl in den Wäldern zu laufen und zu schwimmen, in denen viele deutsche und russische Soldaten ihr Leben lassen mussten. Und das Seite an Seite mit einem russischen Teamkollegen.

Mein russischer Teampartner und ich haben gezeigt, dass Deutsche und Russen gemeinsam erfolgreich sein können und vor allem, dass Sport keine Grenzen kennt. Rund um den Wettkampf habe ich als deutscher Athlet in Russland viel Positives mitnehmen können.

Am Ende steht die Erkenntnis: Russland ist auch für Sportler eine Reise wert - es lohnt sich!