Türkischer Parlamentschef diffamiert Che und erntet Kritik von Kuba und Internet-Community

Türkischer Parlamentschef diffamiert Che und erntet Kritik von Kuba und Internet-Community
Der türkische Parlamentspräsident Ismail Kahraman hat den lateinamerikanischen Revolutionär Che Guevara als „Mörder“ und „Bandit“ bezeichnet. Die türkische Internet-Gemeinschaft sowie die kubanische Botschaft in Ankara reagierten empört.

Gemeingefährlich: das Videospiel GTA IV.

Der AKP-Politiker kritisierte türkische Jugendliche, die T-Shirts mit dem Bild von Che tragen:

„Che war eine mörderische Person, der selbst Massaker durchführte und mit 39 Jahren getötet wurde. [Er war] ein Guerillakämpfer. Ein Bandit, der in Bolivien, Kuba und Südamerika aktiv war, kann nicht auf dem Kragen, auf der Brust meiner Gymnasiasten abgebildet sein“, sagte Kahraman in einer Rede am Sonntag.

Die kubanische Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara reagierte heftig.

„Die ausgesprochenen Wörter spiegeln nicht die Bruderschaft, Solidarität und den Geist des Respekts zwischen den Parlamenten und Völkern Kubas und der Türkei wieder. Che Guevara ist ein Teil des politischen, historischen und kulturellen Erbes Kubas, Lateinamerikas und der ganzen Welt“, erklärte die Botschaft gegenüber der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“.

Kubas Botschafter Alberto Gonzales Casals griff zu einer noch deutlicheren Wortwahl in einem Gespräch mit der Zeitung „Hürriyet“:

„Selbst Kubas größte Feinde haben so einen Ausdruck nicht benutzt. Daher sind wir sehr verwundert. Wir erwarten nicht, dieselbe Meinung zu teilen. Aber wir erwarten, dass unsere Symbole respektiert werden. […] Viele türkische Bürger haben uns angerufen, um ihre Unterstützung für uns auszudrücken. Wenn Sie über Che Guevara sagen, er sei eine mörderische Persönlichkeit gewesen, der Massaker durchführte, verweisen Sie auf seinen Kampf für die Kubanische Revolution. Und das bedeutet, respektlos zu sein. Wenn Sie Che Guevara als ‚Mörder‘ bezeichnen, bezeichnen Sie auch meinen Staatspräsidenten so“, sagte der kubanische Botschafter

Auch die türkische Internet-Community reagierte empört auf die diffamierende Wortwahl des AKP-Vertreters. Viele türkische Social-Media-Benutzer teilen zum Trotz Che-Guevara-Bilder. Darunter finden sich auch einige lustige. 

Man beachte die Tüte, die die Frau trägt:

Einige User machen auf ein Bild des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan aufmerksam, das in Kuba aufgenommen wurde:

Che Guevara war ein argentinischer Arzt und weltweit tätiger Revolutionär. In den 1950ern organisierte er zusammen mit dem legendären kubanischen Expräsidenten Fidel Castro sowie seinem jüngeren Bruder und jetzigen kubanischen Staatschef Raúl Castro eine Widerstandsbewegung gegen den damaligen kubanischen Diktator Fulgencio Batista, die zur Jahreswende 1958/1959 in der Kubanische Revolution mündete. Der US-unterstützte Autokrat Batista musste ins Ausland fliehen.

Nach der Revolution war Che zunächst in der revolutionären kubanischen Regierung als Industrieminister tätig, danach beteiligte er sich in diversen Ländern Afrikas und Lateinamerikas am Aufbau sozialistischer Guerillabewegungen.

1967 nahmen ihn bolivianische Soldaten mit Unterstützung von Söldnern des US-Geheimdienstes CIA gefangen und ermordeten ihn. Er gilt weltweit als fortschrittliches Symbol gegen Unterdrückung. Vor allem auf Kuba wird er als nationaler Held gefeiert.