Experten: Zahl chinesischer Hackerangriffe auf russische Rüstungsindustrie steigt auf das dreifache

Experten: Zahl chinesischer Hackerangriffe auf russische Rüstungsindustrie steigt auf das dreifache
Die Zahl der Hackerangriffe aus China auf die russische Industrie, insbesondere in den Bereichen Rüstung, Kernenergetik und Luftfahrt, hat sich 2016 im Vergleich zu 2015 fast verdreifacht. So die Analyse des Sicherheitsexperten des russischen Software-Riesen Kaspersky Lab, Alexander Gostew.

Gostew zufolge stellte Kaspersky Lab im Laufe des ganzen vorigen Jahres nur 72 Hackerangriffe der Chinesen auf russische Industrie fest. In den vergangenen sieben Monaten des laufenden Jahres waren es 194. Seine Kollegen aus der in Kalifornien ansässigen Cyber-Sicherheitsfirma Proofpoint verzeichnen auch die Zunahme derartiger Attacken auf Russland, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Nach Schätzungen des russischen, auf die Entwicklung von Sicherheitssoftware spezialisierten Softwareunternehmens Kaspersky Lab enthalten chinesische Malwares über 50 Familien von Trojaner-Viren, deren Opfer in diesem Jahr 35 Unternehmen und Institutionen wurden. Darunter seien sieben Militärbetriebe, die Raketen, Radare und Marinetechnik produzieren, fünf Ministerien, vier Luftfahrtunternehmen und zwei Nuklearunternehmen, sagte Gostew.

Dabei vermutet der Experte, dass die Anzahl der Angriffe viel höher ist, weil nur zehn Prozent der Geschäftskunden von Kaspersky Lab die Hackerattacken melden.

„Fast alle Unternehmen der russischen Rüstungsindustrie wurden vor Kurzem von chinesischen Gruppen angegriffen“, sagte er und fügte hinzu, dass sie „klar“ Informationen verloren.

Quelle: Trevor Paglen, CC0

Obwohl es unmöglich ist, Hacking endgültig den chinesischen Behörden zuzuschreiben, würden die Angriffe höchstwahrscheinlich von staatlichen Einrichtungen entweder gesponsert oder genehmigt, und in einigen Fällen seien sie von Militärhackern ausgeführt worden, bemerkte Gostew. Man konzentriere sich auf Cyber-Spionage und nicht auf Hacking im Finanzwesen.

„Sie arbeiten wie ein Staubsauger, indem sie alles wahllos herunterladen. Dann analysiert jemand die gestohlenen Daten“, meint Gostew.

Er machte ferner darauf aufmerksam, dass die gesetzeswidrigen Cyber-Aktivitäten gegen Russland zugenommen haben sollen, nachdem die Staatsoberhäupter Chinas und der USA im September 2015 ein Abkommen unterzeichneten, laut dem sie gegeneinander keine Cyber-Wirtschaftsspionage treiben werden. Dabei wurde von Moskau und Peking schon im Mai 2015 ein Vertrag über Informationssicherheit abgeschlossen, in dem sie sich verpflichten, einander nicht anzufallen.