Japan: Warten auf das Mega-Erdbeben

Japaner mit Schutzhelmen bei der Katastrophenübung: Hier wir ein Szenario mit einem Erdbeben Stärke 7.2 in Tokyo durchgespielt, 26. August 2016.
Japaner mit Schutzhelmen bei der Katastrophenübung: Hier wir ein Szenario mit einem Erdbeben Stärke 7.2 in Tokyo durchgespielt, 26. August 2016.
Japan bereitet sich alljährlich an einem Tag auf Katastrophen an einem Tag X vor. Das Szenario ist ein Megabeben der Stärke 9, Tsunamis mit bis zu 30 Meter hohen Wellen. Die Katastrophe bedroht die Metropolen des Landes. Nach einer aktuellen Studie, soll ein solches Beben in naher Zukunft eintreten.

von Olga Banach

Symbolbild - Verstrahlte Wildschweine in der 30-km Sperrzone rund um Tschernobyl im Februar 2011.

Im Jahr 2020 wird Japan die Olympischen Spiele ausrichten. Auf sozialen Medien werden bereits Werbefilme über die neue Heimat Olympias verbreitet. Präsident Abe überraschte die Zuschauer bei der Abschlussveranstaltung in Rio sogar mit einem Super-Mario-Outfit.

Gleichzeitig wird Japan, wie jedes Jahr um den 1. September, den Ernstfall zu Land, zu Wasser und in der Luft proben. Die Katastrophenübungen finden im Gedenken an das große Kanto-Erdbeben im Jahre 1923 statt. Bei einer Stärke von 7,9 fielen diesem Beben rund 140.000 Menschen zum Opfer.

Das lang erwartete „Nankai Beben“ wird Berechnungen zufolge mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit in den nächsten 30 Jahren auftreten. Die Namensgebung entstammt der geologischen Nankai-Verwerfung vor Japan, die sich entlang der japanischen Küste von der Hauptinsel Honshu bis hin zu Kyushu im Süden erstreckt.

Die Megastädte Japans, Tokio und Osaka, würde ein solches Beben besonders treffen. Diese Mega-Beben treten alle 90 bis 200 Jahre auf und erreichen eine Stärke zwischen 8 und 9 auf der Richterskala. Zum Vergleich: Das jüngste Erdbeben in Italien hatte gerade mal eine Stärke von 6,2 auf der Richterskala.

Rettungskräfte suchen nach dem Erdbeben Überlebende

Die Richtwerte von Erdbeben orientieren sich an der dabei freigesetzten Energie, genannt Magnitude, sowie ihrer Intensität, also dem Schadenspotenzial für Menschen, Tiere und Gebäude.

Die befürchteten Horror-Szenarien scheinen einem japanischen Godzilla-Film entsprungen. Vulkane brechen aus und es ist mit einer nuklearen Katastrophe zu rechnen. In einem solchen Fall würden mindestens 300.000 Menschen dem Beben zum Opfer fallen und weitere 600.000 verletzt.

Ein weiteres berüchtigtes Beben der japanischen Geschichte mit einer Stärke um die 9 ereignete sich im Jahr 1707. Es zog sich den gesamten geologischen Graben entlang. Neben den tausenden Menschen, die durch das Beben und die Tsunamiwellen starben, verursachte es auch den Ausbruch des Fuji-Vulkans.

Bei dem jüngsten starken Beben im Jahr 2011, welches durch das Atomkraftwerk in Fukushima bekannt wurde, führte das Beben zu einer zerstörerischen Tsunamiwelle mit 19.000 Toten und Vermissten. Sie zerstörte nicht nur die nahegelegenen Orte, sondern führte auch die Kernschmelze in drei Blöcken des Atomkraftwerks herbei.

Nach einer Studie aus dem Jahr 2013, aus der die Notwendigkeit zur weiterreichenden Katastrophenprävention hervorgeht, hat die japanische Regierung nun neue Gesetze abgesegnet. Sie sollen etwa den Bau von Zufluchtsorten voranbringen.

Zudem soll höher liegendes Land erschlossen werden, um dort Infrastrukturen zu errichten, in denen die Bevölkerung im Falle eines Nankai-Bebens vor den Wassermassen Schutz finden soll. Eine Kehrtwende bei der japanischen Regierung weg von der Atomenergie haben die Vorhersagen jedoch nicht erreicht.

Diese Erdbebenrisiken werden hier ignoriert. Der japanische Professor für Seismologie der Kobe-Universität, Katsuhiko Ishibashi, hat bereits in einer Studie von 1997 das Szenario von Fukushima vorausgesagt. Er fand jedoch bei der Regierung kein Gehör. Ishibashi kritisiert den Druck, den Abes Regierung auf die „Nukleare Regulationsbehörde“ Japans (NRA) ausübt, um Reaktoren wieder in Gang zu setzen, was angeblich die "japanische Wirtschaftskraft" stützt.

Gerade erst im August kam es zu einer Falschmeldung. Die Regierung warnte die 40 Millionen Einwohner der Kanto-Region, dass ein Beben der Stärke 9 zu erwarten sei. Das Resultat war eine Panik: Züge kamen zum Stillstand und ein Mobilnetzwerk brach zusammen. Die Fehlmeldung war einem Elektrorauschen bei der Messung geschuldet.

Genau datierte Voraussagen lassen sich nicht treffen. Der japanische Präsident Abe wies die Bevölkerung an, ruhig zu bleiben und in angemessener Weise "wachsam zu bleiben". Eine englischsprachige Katastrophen-Webseite für nicht Japanisch sprechende Reisende existiert bereits. Es steht auch eine App bereit, die über Sicherheitsmaßnahmen informiert.  

Das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierung kann aber nach der Fukushima-Katastrophe als gestört gelten. Die verfehlten Maßnahmen zur Vorbeugung in den betroffenen Regionen rund um Fukushima und die Lügen seitens der Betreiberfirma TEPCO sowie der Regierung lassen es fragwürdig erscheinen, ob die japanische Regierung bei einer noch größeren Katastrophe ihren Pflichten nachkommt.