"Rechnung ohne den Wirt gemacht" - Was Krimtataren von der Berichterstattung in Westmedien halten

"Rechnung ohne den Wirt gemacht" - Was Krimtataren von der Berichterstattung in Westmedien halten
Nach der Wiedervereinigung der Krim mit Russland haben westliche Medien immer wieder Berichte darüber verfasst, dass die neuen Behörden der Republik die Krimtataren verfolgen würden. Auch viele Politiker, vor allem in der Ukraine, sind hiervon überzeugt. RT-Korrespondent Roman Kosarew hat sich bei den auf der Schwarzmeer-Halbinsel lebenden Krimtataren umgehört und ihre Meinungen gesammelt.

Der Generaldirektor des örtlichen Radio- und Fernsehsenders Millet, Sejran Mambetow, findet die Berichterstattung einiger westlicher Medien über die Situation auf der Krim nicht objektiv. Um das zu veranschaulichen, vergleicht Sejran Mambetow die Wortwahl beim Brexit-Referendum mit dem allgemeinen Tenor bei dem Volksentscheid auf der Krim. Innerhalb von 23 Jahren (als die Krim noch Staatsgebiet der unabhängigen Ukraine war), hätten die Krimtataren ihre Probleme selbst lösen müssen. Es sei immer wieder zu Konfrontationen mit den örtlichen Behörden gekommen. Sejran Mambetow hat vor den Ereignissen auf der Krim an die Meinungsfreiheit im europäischen Journalismus geglaubt. Jetzt zweifelt er an seiner Objektivität:

„Wie kann man über etwas schreiben, wo man nicht war und was man nicht gesehen hat? Dabei schreiben westliche Medien stets über uns, ohne hierher zu kommen. Wir sind offen und laden sie ein, damit sie sehen, wie wir hier leben und welche Probleme wir tatsächlich haben“, sagt der Generaldirektor des krimtatarischen Radio- und Fernsehsenders Millet.

Die Chefredakteurin der Nachrichtenprogramme von Millet, Lewisa Seitbeljalowa, erinnert sich daran, dass die ukrainischen Behörden innerhalb von mehr als 20 Jahren nicht gerade bemüht waren, Probleme der krimtatarischen Bevölkerung zu lösen. Für jedes kleine Volk – welches auch die Krimtataren seien – sei das Wichtigste, seine Identität und seine Sprache zu bewahren. Der Fernsehkanal Millet erfülle eben diese Funktion.

Die Ärzte Reschat und Urije Osmanow finden, dass sich das Gesundheitswesen der Republik verbessert habe, vor allem was die technische Ausrüstung und die fachkundige Beratung betrifft.

„Das sind alles Mythen, dass wir unterdrückt werden. Wie kann das sein, wenn wir jetzt drei Amtssprachen haben? Der Westen wird wohl damit unzufrieden sein, dass die Krim so zivilisiert und wohlerzogen in ihre Heimat zurückgekehrt ist“, meint Reschat Osmanow.

Seine Frau Urije weiß noch, wie die russische Sprache zurückgedrängt wurde. Es sei ihr schwergefallen, ukrainisch zu sprechen.  

Naturparadies Krim. Foto: Gert Ewen-Ungar

„Als der Krim-Frühling passiert ist, war das für uns der zweite Tag des Sieges nach 1945. Ich sage das immer und werde das immer sagen: Das war für uns der Tag des Sieges. Wir haben gejubelt“, so Urije Osmanowa.

Der Rektor der Pädagogischen Universität für Ingenieurswissenschaften auf der Krim, Fewsi Jakubow, ist im Alter von sieben Jahren von der Halbinsel deportiert worden. Ihm zufolge sei die Bildung die wichtigste Bedingung für die Bewahrung und Entwicklung der krimtatarischen Kultur.             

Westliche Medien malen währenddessen ein ganz anderes Bild über das Leben auf der Schwarzmeer-Halbinsel. Der RT-Korrespondent Roman Kosarew hat seinen Gesprächspartnern aus einigen von westlichen Medien verfassten Artikeln vorgelesen, die die heutige Situation der Krimtataren schildern. Die Krimtataren selbst wollten den zitierten Behauptungen nicht zustimmen.