WADA-Whistleblowerin Stepanowa fürchtet nach Hackerangriff um ihr Leben

WADA-Whistleblowerin Stepanowa fürchtet nach Hackerangriff um ihr Leben
Die Informantin der WADA fühlt ihr Leben bedroht und wirft dem IOC auch Untätigkeit gegenüber Russland vor. Am 13. August war bekannt geworden, dass Stepanowas Account im WADA-Meldesystem ADAMS und ihre E-Mail gehackt worden war, vermutlich um an Daten zu ihrem geheimgehaltenen Aufenthaltsort zu gelangen.

Die Informantin der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), die russische Mittelstreckenläuferin Julia Stepanowa, erklärte vor Journalisten in einer Video-Konferenz, dass sie und ihr Mann Witali Stepanow, ehemaliger Angestellter der russischen Anti-Doping-Agentur (RUSADA), nach einem Hacker-Angriff um ihr Leben fürchten:

„Falls uns etwas passiert, müssen Sie wissen, dass es kein Unfall ist. Wir tun alles für unsere Sicherheit und ziehen deswegen ständig um. Gleichzeitig begreifen wir, dass, wenn jemand uns wirklich etwas antun will, es ihm gelingen wird.“

Stepanowa hat zusammen mit ihrem Mann in den USA Zuflucht gefunden. Ihr Aufenthaltsort wird geheim gehalten. Aus Sicherheitsgründen wird sie auch keine Olympiaveranstaltung besuchen: 

„Wenn jemand uns verletzen wollte, wäre es sehr einfach, es hier zu tun.“

Ferner beschuldigte sie das Internationale Olympische Komitee (IOC) der Untätigkeit gegenüber Russland nach seinem Beschluss, die russische Nationalmannschaft in Rio zuzulassen:

„Wie das IOC den Fall behandelt, wenn ein Staat Doping systematisch fördert, zeugt davon, dass es gegenüber Doping keine Nulltoleranz zeigt.“

Dabei bemerkte sie, dass Doping nicht nur im Falle Russlands ein Problem sei. Sie zeigte sic „überzeugt, dass eine bestimmte Zahl von Athleten, die an den Olympischen Spielen teilnehmen, im Laufe der Vorbereitung stimulierende Stoffe konsumiert haben“.

Am 13. August wurde bekannt, dass Stepanowas Account im WADA-Meldesystem ADAMS und ihre E-Mail gehackt worden war. In diesem System geben Sportler an, wo und wann sie erreichbar sind, so dass man bei ihnen Dopingproben nehmen kann. Dabei war der Account von Stepanowa der einzige, der bei den Hackern Interesse hervorrief. Diese Tatsache ließ die Medien sowie Stepanowa selbst vermuten, dass die Cyber-Kriminellen nur ein Ziel haben mussten, und zwar ihren genauen Aufenthaltsort zu erfahren.

Die im Jahr 2013 für Dopingkonsum disqualifizierte Stepanowa erzählte in einer ARD-Doku-Serie von Hajo Seppelt von massenhaften Manipulationen mit Dopingproben in Russland. Die Filme lagen der WADA-Ermittlung zugrunde, nach der Russland des Staatsdopings verdächtigt wird. Wegen des Dopingskandals durfte das russische Leichtathletikteam nicht in Rio starten. Für Stepanowa wurde keine Ausnahme gemacht.