Klischina auf dem Sprung: Internationales Sportgericht lässt russische Weitspringerin für Rio zu

Klischina auf dem Sprung: Internationales Sportgericht lässt russische Weitspringerin für Rio zu
Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) gab der Berufung der russischen Weitspringerin, Darja Klischina, statt, so dass sie als einzige russische Leichtathletin in Rio antreten darf.

Obwohl der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) die russische Weitspringerin, Darja Klischina, zu Olympia in Rio zugelassen hatte, weil sie als einzige Leichtathletin laut dem Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nicht in das vorgeworfene Staatsdoping verwickelt sei, verweigerte ihr die Assoziation die Teilnahme an den Spielen nur wenige Tage vor ihrem Antritt. Grund dafür wären neue Angaben in der weiter laufenden Untersuchung des WADA-Chefermittlers, Richard McLaren, dem zufolge in Russland massenhaft gedopt wird.

Nadezhda Klischina, Mutter der Weitspringerin sagte, dass es dabei um Kratzspuren auf dem Dopingprobenbehälter ging:

„Anlass dafür waren gewöhnliche Kratzer, die auf Daschas Probenbecher von der Weltmeisterschaft 2013 in Moskau entdeckt wurden. Sogar die Probenanalyse selbst war damals negativ“, sagte sie im Interview mit der Zeitung Komsomolskaja Prawda.

Der ARD-Journalist und Autor der Filmreihe über Doping, Hajo Seppelt, bestätigte und ergänzte diese Information in seinem Twitter-Profil:

„Vorgebliche Doping-Vertuschung laut dem McLaren-Bericht: DNS von zwei verschiedenen Menschen in einem Urin. Bei mehr als einer Urinprobe-Flasche von Klischina müssen Kratzer gefunden sein. Manipulationsverdacht.“

Der Anwalt von Klischina, Paul Green, fasste die Vorwürfe wie folgt zusammen:

„Sie sagten, dass im McLaren-Bericht neue Informationen vorlagen. Und wieder – es geht nicht darum, dass Darja in etwas involviert war, sondern darum, dass das System in Russland korrupter ist, als es im Juli präsentiert wurde. Folglich dürfe Darja am Olympia auch nicht teilnehmen. … Das ist ein korruptes System, das haben sie gesagt“, führt die Nachrichtenagentur R-Sport seine Worte an.

Sperre berufen

Trotz der knappen Zeit focht die russische Sportlerin das Verbot im Internationalen Sportgericht (CAS) erfolgreich an.

Green bezeichnete den CAS-Beschluss als richtig und betonte den hohen Professionalismus der Richter, die „der Sache keinen Sinn abgewannen“, meldet der Fernsehsender Match TV. Was die Kratzer bei den Probeflaschen angeht, so wurde die Tatsache akzeptiert, dass die Sportlerin selbst damit nichts zu tun hat. Auch trug die zur der Entscheidung die Tatsache bei, dass sie niemals des Dopings überführt wurde, seit Langem in den USA trainiert und auf verbotene Stoffe getestet wird, und dass sie „fast 90 Prozent der Zeit auf der ganzen Welt für zuverlässige Dopingtests zur Verfügung stand“, schrieb die Weitspringerin auf Facebook.

Nun muss das Internationale Olympische Komitee über die Teilnahme von Klischina an Olympia entscheiden. Neben der Zulassung durch den IAAF und das russische Nationale Olympische Komitee, muss ein IOC-Sonderausschuss nach den obligatorischen unabhängigen Doping-Checks im Vorfeld der Sportveranstaltung den Antritt begutachten.

Reaktionen

Der russische Sportminister, Witali Mutko, fand den Beschluss des Sportgerichtshofes in Lausanne „absolut gerecht, weil man einen Menschen dafür nicht bestrafen darf, was er nicht begangen hat“. Man brachte sie laut seinen Worten "sicher aus dem Trainingstakt", so dass sie nun ihre Moral stärken müsse:

„Dascha Klischina braucht jetzt unsere Unterstützung. Sie ist alleine im Stadium. Ich wünsche ihr einfach Glück, wir werden für sie fiebern. Klischina ist eine Leistungssportlerin. Ich hoffe, dass diese Geschichte sie nur kämpferischer machen wird“, äußerte Mutko gegenüber Championat.com seine Erwartungen.

Die harte Situation um die (Nicht-)Teilnahme von Klischina bezeichnete Alexander Zhukow, Präsident des russischen NOK, als „zynische Schikane gegen die Sportlerin durch den IAAF“.

Die Olympischen Spiele 2016 sind für Klischina die ersten in ihrer Sportkarriere, was einerseits für Lampenfieber bei der 25-Jährigen sorgt, aber andererseits für Begeisterung und Kampfgeist:

„Das ist eine große Verantwortung, aber ich bin froh hier zu sein. Das sind für mich die ersten Olympischen Spiele, und ich freue mich auf jede Art Erfahrung, sogar wenn ich einfach hierherkomme“, sagte Klischina vor Journalisten nach ihrer Ankunft im Olympischen Dorf.

Anna Tschitscherowa, russische Hochspringerin und Olympia-Siegerin 2012 in London, erwog die Chancen für Klischina in Rio:

„Bei diesen Spielen steht Darja allein auf verlorenem Posten. Ich glaube, Dascha wird kämpfen. Aber wollen wir realistisch sein: 7,31, das Ergebnis, das in dieser Saison die US-Amerikanerin Brittney Reese gezeigt hat, ist unerreichbar. Dascha ist sich darüber im Klaren. Potentiell kann sie um die sieben Meter springen und, wenn alles glücklich ausgeht, mit einem Kampf um einen Platz auf dem Siegerpodest rechnen“, wird Tschitscherowa von Match TV zitiert.

Das Weitsprung-Wettbewerb findet in Rio vom 16. bis 18. August statt.