IOC-Präsident Bach: Zulassung Russlands zu Olympia folgte dem Grundsatz der Gerechtigkeit

IOC-Präsident Bach: Zulassung Russlands zu Olympia folgte dem Grundsatz der Gerechtigkeit
Die Entscheidung über die Zulassung der russischen Athleten zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro stützt sich auf die Gerechtigkeit, und in derartigen Fragen sei Politik fehl am Platze. Das erklärte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, bei der Eröffnung der 129. IOC-Tagung.

„Weil die Vorwürfe schwer wiegen, konnten wir die Unschuldsvermutung für russische Athleten nicht aufrechterhalten. Andererseits können wir einem Sportler nicht das Menschenrecht absprechen, seine Unschuld zu beweisen. Man darf einen Menschen für die Fehler seiner Regierung nicht bestrafen, wenn er daran nicht beteiligt ist. Diese Grundsätze werden jetzt umgesetzt. Diese Entscheidung ist über Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit darf nicht von der Politik abhängen“, so Thomas Bach.

Ferner bemerkte er, dass „derjenige, der auf einen Gesetzesverstoß mit einem weiteren Gesetzesverstoß reagiert, die Gerechtigkeit zerstört“.

„Der Beschluss des IOC-Exekutivkomitees war einstimmig und stützte sich auf die Entscheidung des Olympischen Summits, die auch von allen beteiligten Parteien unterstützt wurde“, betonte Bach.

Er fügte hinzu, dass das IOC begann, sich mit dem Bericht von Richard McLaren, laut dem in Russland massenhaft gedopt wird, auseinanderzusetzen, sobald er veröffentlicht wurde.

„Nur wenige Tage vor dem Beginn der Olympischen Spiele mussten wir handeln, obwohl der McLaren-Bericht noch nicht vollständig ist, und die russische Seite noch nicht zu Wort gekommen ist“, bemerkte Bach.

 „Wir haben sofort Maßnahmen ergriffen, um ein Schlaglicht auf die Anschuldigungen zu werfen. Weitere Handlungen und Sanktionen werden folgen, wenn nötig”, fügte er hinzu.

Bach zufolge sei das IOC für die Unklarheit um die Teilnahme Russlands an den Spielen in Rio nicht verantwortlich, denn diese Situation sei „aus objektiven Gründen“ entstanden.

„Das IOC ist für die Vorlagefrist des McLaren-Berichts nicht zuständig. Es ist nicht dafür zuständig, dass die Daten, die der WADA vor einigen Jahren übergeben wurden, keine Handlungen zur Folge hatten. Das IOC ist auch für die Akkreditierung der Antidoping-Laboratorien nicht zuständig. Somit kann das IOC weder für Fristen noch für Ursachen dessen, worauf wir gestoßen sind, verantwortlich sein, wenn wir darauf einige Tage vor dem Beginn des Olympia gestoßen sind“, wird Bach von der Nachrichtenagentur R-Sport zitiert.

Die 129. IOC-Tagung findet vom 2. bis 4. August in  Rio de Janeiro statt, d.h. im Vorfeld der Olympischen Spiele, die am 5. August eröffnet werden.

Die WADA hatte Russland des Staatsdopings beschuldigt und empfohlen, die russische olympische und paralympische Nationalmannschaft von den Olympischen Spielen in Rio zu suspendieren. Später beschloss das IOC, gegen die russische Auswahl keine Gesamtsperre zu verhängen.

Dabei gelten für das Team drei Bedingungen. Erstens entscheiden die entsprechenden Sportverbände über die Zulassung bei jedem einzelnen Sportler, wenn sie die internationalen Doping-Tests nachweisen können. Zweitens dürfen nur die Sportler antreten, die des Dopings nicht überführt und nicht verdächtigt sowie im WADA-Bericht zu Russland nicht erwähnt sind. Die endgültige Entscheidung trifft eine Sonderkommission des IOC-Exekutivkomitees, die alle Russen prüft, die bislang zu Olympia zugelassen sind.

Zum Ausschuss gehören der Leiter der medizinischen Kommission, Ugur Erdener, die Vorsitzende der Athleten-Kommission, Claudia Bokel, und Juan Antonio Samaranch Jr.. Die Gruppe stützt sich auf unabhängige Experten und den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) und muss ihre Entscheidungen spätestens am Eröffnungstag der Spiele in Rio, dem 5. August, bekannt geben.

Sollte bei einigen russischen Sportlern Doping bei den Spielen in Rio gefunden werden, wird sie nicht das IOC direkt disqualifizieren. Ihre Akten wird unmittelbar der CAS übernehmen, der die nötige unabhängige Entscheidung treffen wird, erklärte Bach.