Armenien: Polizeirevier in Jerewan befreit - Milizionäre von "Sasna Zrer" legen Waffen nieder

Mitglied der militanten Gruppe "Sasna Zrer"
Mitglied der militanten Gruppe "Sasna Zrer"
Am Sonntag ist die seit dem 17. Juli andauernde bewaffnete Besetzung der Polizeistation im Jerewaner Bezirk Erebuni unblutig zu Ende gegangen. Alle 20 Besetzer der Gruppierung „Sasna Zrer“ legten ihre Waffen nieder und ergaben sich den armenischen Behörden.

Zwei Wochen nach dem Angriff auf das Polizeirevier und der darauffolgenden Geiselnahme erklärten die Angehörigen der radikalen Miliz „Sasna Zrer“, dass sie sich der Polizei stellen möchten, weil die „von ihnen eingeleitete Bewegung“ eine „nationale Tragweite“ bekommen habe. Somit sei ihre „Mission“ zu Ende.

In der Pressemitteilung der Polizei wurde hervorgehoben, dass man die Besetzer gezwungen habe, die Waffen zu strecken und sich zu ergeben. 20 Angehörige der bewaffneten Gruppe seien verhaftet worden.

„Der Nationale Sicherheitsdienst Armeniens gibt bekannt, dass die vom 30. Juli bis zum 31. Juli durchgeführte Anti-Terror-Operation zur Befreiung des Territoriums des Streifenregiments der Polizei beendet ist“, hieß es am Sonntagabend.

Außerdem veröffentlichten die armenischen Sicherheitskräfte ein Video, wie sich die Angreifer aus der Gruppierung „Sasna Zrer“ der Polizei ergeben.

Die bewaffnete Gruppierung hatten die Polizeistation seit dem 17. Juli in ihrer Gewalt gehalten. Bei dem Überfall war ein Beamter getötet worden. Weitere sechs hatten Verletzungen erlitten. Die Angreifer hatten sieben Menschen als Geiseln genommen und diese einige Tage später, am 23. Juli, freigelassen. Am 27. Juli war es erneut zu einem Geiseldrama gekommen, als vier Mediziner auf Forderung der Angreifer das besetzte Polizeirevier betreten hatten, um verletzte Kämpfer zu versorgen. Am 30. Juli war von den Extremisten ein weiterer Polizist erschossen worden.

Die wichtigste Forderung war der Rücktritt des armenischen Präsidenten, Sersch Sargsjan, und die Begnadigung des Anführers der radikalen Oppositionsbewegung „Gründungsparlament“, Schirair Sefiljan. Der mit einem Orden ausgezeichnete Teilnehmer des Bergkarabach-Konfliktes befindet sich seit dem 22. Juni wegen illegalen Waffenbesitzes in Untersuchungshaft. Der Politiker war bereits im Jahr 2006 und 2015 festgenommen worden. Damals hatte man ihm zur Last gelegt, zu einem gewaltsamen Machtwechsel im Land aufgerufen und Massenunruhen vorbereitet zu haben.

Polizeikräfte bei den Zusammenstößen am 29. Juli
Polizeikräfte bei den Zusammenstößen am 29. Juli

Während die militante Gruppierung das Polizeirevier in ihrer Gewalt hielt, fanden in der armenischen Hauptstadt Protestkundgebungen statt. Die Protestler wollten es verhindern, dass die Polizei eine gewaltsame Befreiungsoperation durchführte. Am 20. Juli versuchten mehrere Aktivisten, die Umzingelung zu durchbrechen. Bei den darauffolgenden Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden 51 Menschen verletzt, unter ihnen 29 Polizisten. 136 Randalierer wurden in Gewahrsam genommen. Am 29. Juli brachen die Proteste erneut aus. Die Polizei musste wieder hart durchgreifen. Das Ergebnis waren 73 Verletzte. Verhaftet wurden 165 Menschen.