Nach Druck aus Kiew: Google Maps entfernt russischsprachige Namen der Ortschaften auf der Krim

Nach Druck aus Kiew: Google Maps entfernt russischsprachige Namen der Ortschaften auf der Krim
Der US-amerikanische IT-Riese Google hat, einem Erlass der Obersten Rada folgend, die Ortschaften auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim „entkommunisiert“. Nun sind die gewohnten Namen auf den von Google Maps erstellten Stadt- und Dorfplänen nicht mehr zu finden. Die von der Führung in Kiew angeregten Veränderungen sind sowohl im russischsprachigen als auch im ukrainischsprachigen Service in Kraft getreten. Bei den ortsansässigen Krimbewohnern stößt die Google-Initiative auf Unverständnis.

Mit Google Maps kann man auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim schnell auf den Holzweg gelangen: Der IT-Riese hat die gewohnten Stadt- und Dorfnahmen nach ukrainischer Art umbenannt. Statt Kransoperekopsk zeigt der populäre Service Jany Kapu, statt Krasnogwardejskoje – Kurman, statt Kirowskoje – Isljam-Terek und statt Sowetski – Itschki. Auf diese Weise wird der Nutzer automatisch auf die „entkommunisierten“ Varianten der in Russland üblichen Ortsnamen umgeleitet.  

Im Mai 2016 beschloss die Oberste Rada, gut 70 Ortschaften und fünf Bezirke der Krim umzubenennen. In dem Erlass wurde dennoch präzisiert, dass dies erst nach der Wiederangliederung der Halbinsel an das ukrainischen Staatsgebiet passieren würde. Im Februar 2016 hatte der Leiter des Instituts für Nationales Gedenken der Ukraine, Wladimir Wjatrowitsch, angekündigt, dass die Regierung in Kiew mehreren Ortschaften in den nicht kontrollierten Gebieten, darunter Donezk, Lugansk und die Krim, andere Namen geben werde.        

„Was die Halbinsel betrifft, wird man bei der Rückumbenennung den historischen krimtatarischen Bezeichnungen den Vorrang geben. Natürlich wird Jalta weiterhin Jalta heißen. Die Rede ist von den Namen wie Komsomolskoje, Lenino usw.“, so Wladimir Wjatrowitsch.

Die Bilderstürmer gehen um in Kiew. Die Stadtverwaltung der ukrainischen Hauptstadt brüstet sich damit, Musterschülerin bezüglich der Umsetzung des umstrittenen Gesetzes zur Entkommunisierung zu sein.

Bei den ortsansässigen Krimbewohnern stößt die Google-Initiative auf Unverständnis.  

Der Vizepremier der Krim-Regierung und Minister für Innenpolitik, Information und Verbindungen, Dmitri Polonski, meint, dass die „Entkommunisierung“ der Krim-Ortschaften dem IT-Konzern selbst schaden werde, indem russische Nutzer den kartografischen Service von Google meiden würden.             

„In Russland gibt es eigene kartografische Services. Wir brauchen nicht unbedingt Google, um uns im Raum zu orientieren“, sagte Polonski gegenüber RIA Nowosti. „Wir nennen unsere Städte und Dörfer so, wie sie in Wirklichkeit heißen und nicht so, wie es andere wünschen.“